Der Münchner Stadtrat greift durch: Fahrdienste wie Uber, Bolt und Lyft müssen in der bayerischen Landeshauptstadt künftig Mindestpreise verlangen. Der Kreisverwaltungsausschuss hat eine Regelung beschlossen, wonach ein Kilometer Fahrt bei diesen Anbietern mit 2,43 Euro abgerechnet werden muss. Zum Vergleich: Ein Kilometer im Taxi kostet 2,70 Euro. Damit sollen die Preise beider Beförderungsarten einander angeglichen werden.
Hintergrund der Entscheidung
Monatelang hatte die Stadtverwaltung mit den Fahrdienst-Unternehmen über die neuen Preise verhandelt. Bereits im Vorjahr hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einen entsprechenden Beschluss in letzter Minute gestoppt. Nun aber ist die Regelung durch. Der Stadtrat will mit den Mindestpreisen verhindern, dass die Taxibranche durch aggressives Preisdumping der Plattformdienste weiter unter Druck gerät.
Sibylle Stöhr (Grüne), Vorsitzende der Taxikommission des Stadtrats, begrüßte die Einigung: „Es ist gut, dass wir nach einer langwierigen Debatte nun faire Bedingungen für die Taxibranche schaffen. Der Mindestpreis ist notwendig. Billig fahren darf nicht diejenigen teuer zu stehen kommen, die am Steuer sitzen.“
Die neuen Preise im Detail
Die Mindestpreise sind gestaffelt: Für Strecken bis zu sieben Kilometern müssen Fahrgäste 2,43 Euro pro Kilometer zahlen. Für jeden weiteren Kilometer sinkt der Preis auf 2,25 Euro (Taxi: 2,50 Euro). Neu eingeführt wird zudem ein Grundpreis von 5,13 Euro (Taxi: 5,90 Euro). Die Vollversammlung des Stadtrats muss die neuen Tarife am Mittwoch noch endgültig bestätigen.
Bislang hatten Fahrdienstanbieter wie Uber, Bolt und Lyft ihre Preise dynamisch nach Nachfrage gestaltet. In der Regel lagen sie deutlich unter den Festpreisen der Taxiunternehmen. Dieses Geschäftsmodell hatte die Taxibranche stark unter Druck gesetzt: In München sanken die Bestellungen von 3,8 Millionen im Jahr 2022 auf nur noch 2,9 Millionen im Jahr 2025.
Änderungen für Taxis: Tarifkorridor erweitert, Flughafenpauschale gesenkt
Für Taxis hat der Stadtrat eine Ausweitung des Tarifkorridors beschlossen. In betriebsschwachen Zeiten darf eine Fahrt künftig bis zu zehn Prozent weniger kosten, als es Grund- und Kilometerpreis vorsehen. In Zeiten starker Nachfrage ist dagegen ein Aufschlag von bis zu 30 Prozent erlaubt. Eine weitere Neuerung: Fahrten zum Flughafen München werden günstiger. Statt bisher 106 Euro beträgt der Festpreis nur noch 96 Euro.
Andere Städte ziehen nach
München ist nicht die einzige Stadt, die die Niedrigpreise der Fahrdienstanbieter reguliert. In Köln sollen am 1. Juli ebenfalls Mindestpreise in Kraft treten. Heidelberg hatte sie bereits im August des Vorjahres als erste deutsche Stadt eingeführt.



