Münchens Tram-Offensive: Ambitionierte Pläne, gemischte Bilanz
Zu Beginn ihrer gemeinsamen Legislaturperiode haben Grüne und SPD in München ambitionierte Ziele für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs formuliert. Im Koalitionsvertrag wurden fünf neue Tramlinien sowie die Prüfung von acht weiteren Strecken festgehalten. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: Aktuell befinden sich lediglich zwei dieser Tramprojekte im Bau, während andere Vorhaben entweder gestoppt wurden oder auf unbestimmte Zeit pausieren.
Die aktuelle Baustellensituation
Am 28. Februar wird nach zehnjähriger Pause erstmals wieder eine neu gebaute Tramlinie in München in Betrieb gehen. Dabei handelt es sich um einen Abschnitt der Tram-Westtangente zwischen Agnes-Bernauer-Straße und Ammerseestraße. Diese neue Linie 14 soll im Zehn-Minuten-Takt vom Pasinger Bahnhof über die Fürstenrieder Straße bis zum Gondrellplatz verkehren. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hat die Strecke bereits erfolgreich mit historischen und modernen Fahrzeugen getestet.
Die vollständige Fertigstellung der 8,3 Kilometer langen Westtangente zwischen Nymphenburg und Obersendling ist jedoch erst für das Jahr 2028 vorgesehen. Parallel dazu läuft der Bau der "Tram Münchner Norden", die das Neubaugebiet Neufreimann auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne erschließen soll. Nach dem Spatenstich im Oktober 2025 rechnet die MVG mit einer Bauzeit von viereinhalb Jahren, sodass die Inbetriebnahme Ende 2029 erfolgen könnte.
Gestoppte Projekte und eingefrorene Planungen
Nicht alle Vorhaben konnten realisiert werden. Die geplante Tram Nordtangente durch den Englischen Garten wurde vom Freistaat Bayern als Parkeigentümer gestoppt. Auch ein Teilstück zum Bahnhof Johanneskirchen liegt seit Jahren auf Eis, nachdem die Regierung von Oberbayern das Projekt aufgrund fehlender Planfeststellungsverfahren unterbrach.
Aus finanziellen Gründen hat die grün-rote Stadtregierung mehrere Machbarkeitsstudien für weitere Tramprojekte gestrichen. Betroffen sind unter anderem die Strecken nach Freiham, Ramersdorf, die Tram-Südtangente, die Wasserburger Landstraße Richtung Haar sowie die Verbindung von Berg am Laim nach Daglfing. Vor 2027 wird die Stadt an diesen Planungen nicht weiterarbeiten.
U-Bahn-Ausbau: Teure Großprojekte mit ungewisser Zukunft
Parallel zu den Tramprojekten läuft der Ausbau des U-Bahn-Netzes. Erstmals seit 2010 wird wieder an einer neuen U-Bahn-Linie gebaut: Die Verlängerung der U5 vom Laimer Platz nach Pasing soll bis 2031 teilweise und bis 2034 vollständig fertiggestellt werden. Für eine weitere Verlängerung nach Freiham laufen derzeit Planfeststellungsverfahren.
Besonders ambitioniert ist das Projekt der neuen Innenstadt-Linie U9. Am Hauptbahnhof entsteht bereits ein Vorhaltebauwerk für einen künftigen U-Bahnhof, das mit über 560 Millionen Euro veranschlagt ist. Unter günstigen Voraussetzungen könnte die Strecke in zehn bis fünfzehn Jahren fertig werden, wobei die Kosten mittlerweile deutlich über den ursprünglich veranschlagten vier Milliarden Euro liegen dürften.
Parteipositionen zur Verkehrswende nach 2026
Die verschiedenen Parteien, die bei der Kommunalwahl 2026 antreten, haben unterschiedliche Vorstellungen von Münchens Verkehrszukunft:
SPD setzt auf die Fertigstellung begonnener Projekte und plant nur eine neue Tramlinie nach Daglfing. SPD-Chefin Anne Hübner betont: "Wir wollen weniger planen und mehr umsetzen." Eine U-Bahn-Verlängerung nach Freiham oder den Bau der U9 hält sie ohne feste Förderzusagen für unrealistisch.
Grüne wollen den eingeschlagenen Kurs fortsetzen und weitere Tramlinien realisieren, darunter Strecken zum Lerchenauer Feld, Richtung Dachau und nach Daglfing. OB-Kandidat Dominik Krause betont die Notwendigkeit weiterer Investitionen trotz angespannter Haushaltslage.
CSU zeigt sich Tram-Projekten gegenüber skeptisch und bevorzugt U-Bahn-Lösungen. OB-Kandidat Clemens Baumgärtner würde die Tram Johanneskirchen streichen und setzt auf Olympia-Fördergelder für Großprojekte.
FDP fordert höhere Zuschüsse für die MVG und einen flächendeckenden Fünf-Minuten-Takt. Fritz Roth drängt auf den Bau der Tram Johanneskirchen bis 2030.
Die Linke setzt auf günstigere Tarife und Tram- statt U-Bahn-Ausbau. Katharina Horn fordert einen Sozialtarif fürs Deutschlandticket und lehnt die U9 ab.
ÖDP priorisiert den Ausbau von Buslinien und steht Großprojekten wie der U9 kritisch gegenüber. Tobias Ruff sieht die Tram nach Neufreimann aufgrund notwendiger Baumfällungen problematisch.
Die Bilanz der grün-roten Verkehrspolitik zeigt somit ein gemischtes Bild: Während erste Projekte realisiert werden, bleiben viele ambitionierte Pläne aufgrund finanzieller, rechtlicher und politischer Hürden unerfüllt. Die Kommunalwahl 2026 wird entscheiden, welchen Kurs München in der Verkehrswende künftig einschlagen wird.



