Rostock beschließt Jahrhundertprojekt: Tram West kommt
Die Rostocker Bürgerschaft hat in einer historischen Entscheidung den Weg für eines der größten Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahrzehnte freigemacht. Mit deutlicher Mehrheit wurde der Bau der neuen Straßenbahnstrecke Tram West beschlossen, die den Zoo mit dem Stadtteil Reutershagen verbinden wird.
Massive Investition in die Verkehrswende
Das Projekt stellt eine gewaltige finanzielle Herausforderung dar: Bis zu 100 Millionen Euro sollen in die knapp vier Kilometer lange Neubaustrecke investiert werden. Davon werden etwa 67 Millionen Euro durch Bundesmittel gefördert, was die Bedeutung dieses Vorhabens für die regionale Entwicklung unterstreicht.
„Damit erhält eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Stadt grünes Licht für die Umsetzung“, erklärte Jan Bleis, Vorstand der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG), sichtlich erleichtert nach der Abstimmung. Für ihn handelt es sich bei der Tram West um eine Schlüsselmaßnahme für den öffentlichen Nahverkehr in der Hansestadt.
Kontroverse um Baumfällungen und Kleingärten
Nicht alle begrüßen den Beschluss uneingeschränkt. Der Bau der neuen Strecke bringt erhebliche Eingriffe in die städtische Natur mit sich:
- Zahlreiche Bäume entlang der geplanten Trasse müssen gefällt werden
- 53 Kleingärten werden für die Bauarbeiten weichen müssen
- Teile des Barnstorfer Waldes sind von den Maßnahmen betroffen
SPD-Chef Thoralf Sens übte massive Kritik an diesen Konsequenzen: „Bei der Tram West wird der Barnstorfer Wald weggeholzt und für die Kleingärten wird es keine Kompensation geben“. Er plädierte stattdessen für eine Prüfung der alternativen Ostroute, fand mit diesem Antrag jedoch keine Mehrheit.
Politische Einigkeit trotz Differenzen
Die Mehrheit der Bürgerschaftsmitglieder folgte der Argumentation von Linken-Fraktionschef Christian Albrecht, der vor weiteren Verzögerungen warnte: „Wenn wir jetzt nochmal alles neu prüfen, untergräbt das die Akzeptanz für das Projekt“.
Infrastruktursenatorin Dr. Ute Fischer-Gäde (Grüne) versprach konkrete Lösungen für die betroffenen Gartenbesitzer: „Jeder der 53 wegfallenden Kleingärten wird ersetzt werden“. Sie betonte die verkehrspolitische Bedeutung des Projekts als zentralen Baustein für eine nachhaltige Mobilität in Rostock.
Weitere Verbesserungen geplant
Neben dem eigentlichen Streckenbau sind weitere Maßnahmen vorgesehen:
- Aufwertung des Park and Ride-Parkplatzes Groß Schwaßer Weg an der B103
- Möglicher Bau eines großen Parkhauses zur Kompensation wegfallender Parkplätze am Zoo
- Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des gesamten Straßenbahnnetzes
Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Eric Adelsberger betonte: „Diese Chance darf die Stadt nicht verschleppen“. Die Bürgerschaft stimmte diesen ergänzenden Maßnahmen ebenfalls zu.
Zeitplan und nächste Schritte
Mit dem Beschluss beginnt nun die konkrete Umsetzungsphase:
- Abschluss der Entwurfsplanung
- Vorbereitung des Planfeststellungsverfahrens
- Sicherung der verbleibenden Fördermittel
- Bauphase von 2028 bis 2031 geplant
Jan Bleis von der RSAG erklärt die strategische Bedeutung: „Durch diese zweite Verbindung kann im Falle von Störungen oder Bauarbeiten die wichtigste Straßenbahnstrecke in den Nordwesten ohne größere Einschränkungen weiter betrieben werden“. Die Tram West soll damit nicht nur eine neue Verbindung schaffen, sondern das gesamte Netz robuster und zuverlässiger machen.
Nach jahrelangen Planungen, intensiven Bürgerbeteiligungen und politischen Debatten hat Rostock damit die Weichen für eine moderne Verkehrsinfrastruktur gestellt, die die Stadt für die kommenden Jahrzehnte prägen wird.



