Schienenersatzverkehr in Schwerin: Pendler stranden vor dem Wunschziel
Seit dem 19. März 2026 herrscht auf der Regionalbahnlinie RB 13 zwischen Rehna und Schwerin Chaos für Pendler. Bauarbeiten am Schienennetz haben zu einer Unterbrechung des Zugverkehrs geführt, was zahlreiche Reisende vor unerwartete Herausforderungen stellt. Statt der gewohnten Züge verkehren nun Busse, doch diese bringen die Fahrgäste nicht bis zum Schweriner Hauptbahnhof – ihre Endstation ist die Kieler Straße.
Alltagstaktung gerät aus dem Rhythmus
Für Pendler wie Christel Völzer aus Rehna bedeutet diese Umstellung einen erheblichen Mehraufwand. „Ich fahre jeden Morgen mit dem Zug zur Arbeit. Allein schon wegen der hohen Benzinpreise ist das für mich notwendig“, erklärt sie. Doch mit dem eingerichteten Schienenersatzverkehr muss sie umdenken: „Die Fahrt der Busse endet in der Kieler Straße, dann ist es ungewiss, wie zügig ich in Richtung Bahnhof unterwegs sein kann.“ Die Unsicherheit über die Ankunftszeit veranlasst viele, wie Christel Völzer, wieder auf das Auto umzusteigen, obwohl dies höhere Kosten verursacht.
ODEG verweist auf Kapazitätsengpässe
Der Betreiber ODEG begründet die Entscheidung, die Busse nicht bis zum Hauptbahnhof fahren zu lassen, mit der angespannten Lage vor Ort. Hintergrund sei die „sehr hohe Auslastung“ im Zuge der Generalsanierung der Strecke Hamburg-Berlin, wodurch der Bahnhof in Schwerin nur mit Schienenersatzverkehr per Bus erreichbar ist. Am zentralen Omnibusbahnhof gebe es kaum noch Kapazitäten, und es fehlten Flächen für zusätzliche Busse. Daher habe man sich entschieden, den Ersatzverkehr an das Straßenbahnnetz anzubinden.
Durchdachtes Konzept mit Hürden für Reisende
Laut ODEG wurde bei der Planung besonderer Wert auf kurze und abgestimmte Umsteigezeiten gelegt:
- Für den Nordast Rehna – Gadebusch – Schwerin erfolgt der Umstieg an der Haltestelle Kieler Straße mit direktem Anschluss an die Straßenbahnlinie 2, die eine durchgehende Verbindung in Richtung Innenstadt bietet.
- Die Fahrzeit bis zum Marienplatz beträgt etwa elf Minuten, und ab der Haltestelle Platz der Freiheit ist der Hauptbahnhof in rund zehn Minuten fußläufig erreichbar.
- Für den Südast Parchim – Plate – Schwerin erfolgt der Umstieg an der Haltestelle Stauffenbergstraße, von wo aus die Straßenbahnlinie 1 eine direkte Verbindung zum Hauptbahnhof (Fahrzeit circa elf Minuten) anbietet.
Das Konzept sei eng mit dem Aufgabenträger und der Landeshauptstadt Schwerin abgestimmt worden, um gesicherte Anschlüsse zu gewährleisten. Dennoch empfinden viele Pendler die zusätzlichen Umstiege als kompliziert und zeitaufwendig, besonders in den frühen Morgenstunden.
Frust und Unmut unter den Fahrgästen
„Zahlreiche Reisende haben die Zugbegleitung angesprochen und ihren Unmut zum Ausdruck gebracht“, berichtet Christel Völzer. Die Verbindung über Gadebusch und Lützow sei am Morgen stark ausgelastet, und viele Menschen, die täglich zur Arbeit nach Schwerin pendeln, fühlen sich durch die längeren und als komplizierter empfundenen Busfahrten belastet. „Die Fahrt mit dem Bus dauert länger und ist für die Leute gefühlt komplizierter, wenn sie morgens um 6 Uhr unterwegs sind“, fügt sie hinzu.
Für die Planer mag es ein durchdachtes Konzept sein, für Pendler wie Christel Völzer bedeutet es vor allem zusätzlichen Aufwand: Umsteigen, warten, weiterfahren. Der Weg zur Arbeit ist nicht nur länger geworden, sondern auch die Gewissheit, pünktlich anzukommen, ist verloren gegangen. Die Einschränkungen mit dem Schienenersatzverkehr sollen laut ODEG noch bis zum 5. April 2026 andauern, was für viele eine weitere Herausforderung in ihrem Alltag darstellt.



