Tankrabatt ab Mai: Verzögerte Wirkung und Risiko für Spritversorgung
Tankrabatt: Verzögerung und Versorgungsrisiko drohen

Tankrabatt ab 1. Mai: Verzögerte Wirkung und Risiken für Spritversorgung

Der für den 1. Mai 2026 geplante sogenannte "Tankrabatt" der schwarz-roten Koalition könnte mit erheblichen Verzögerungen bei den Verbrauchern ankommen und im schlimmsten Fall sogar zu kurzfristigen Versorgungsengpässen führen. Davor warnen führende Branchenverbände der Mineralölwirtschaft nachdrücklich. Die aktuellen Spritpreise an deutschen Tankstellen zeigen bereits eine deutliche Verlangsamung der Talfahrt, wie aktuelle Zahlen des ADAC belegen.

Steuerliche Konstruktion als Hauptproblem

Im Gesetzentwurf für den befristeten Tankrabatt heißt es ausdrücklich: "Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Steuersatzsenkung verzögert und schleichend in den Verbrauchspreisen widerspiegelt." Diese Bedenken erinnern an ähnliche Probleme beim Tankrabatt des Jahres 2022. Die Ursache liegt in der speziellen Steuersystematik: Die Energiesteuer auf Diesel und Benzin wird bereits bei der Lieferung an die Tankstellen fällig, nicht erst beim Verkauf an Endkunden.

Die schwarz-rote Koalition plant, die Steuern auf Kraftstoffe für zwei Monate vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 um jeweils etwa 17 Cent brutto pro Liter zu senken. Allerdings werden alle Kraftstoffbestände, die sich am Stichtag 1. Mai bereits in den Lagertanks der Tankstellen befinden, noch mit dem regulären, höheren Steuersatz belastet sein. Dies führt zu einer komplexen Übergangsphase, in der die Preissenkung nicht sofort vollständig wirksam werden kann.

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Wirtschaftliche Zwickmühle für Tankstellenbetreiber

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erklärt in einer Stellungnahme für den Finanzausschuss des Bundestags: "Die Tanks der Tankstellen werden am 1. Mai 2026 in unterschiedlichem Umfang noch mit normal versteuertem Benzin und Diesel gefüllt sein." Für Tankstelleninhaber entsteht dadurch eine wirtschaftliche Zwickmühle: Einerseits ist es finanziell vorteilhaft, mit möglichst geringen Beständen in den 1. Mai zu gehen, um nicht auf höher versteuertem Sprit sitzen zu bleiben. Andererseits gefährdet genau diese Strategie die Versorgungssicherheit.

Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands bft, der die freien Tankstellen vertritt, warnt: "Wer vernünftig bevorratet, trägt das wirtschaftliche Risiko. Wer Bestände niedrig hält, riskiert Versorgungsprobleme." Besonders kritisch könnte sich die Situation durch das lange Wochenende um den 1. Mai verschärfen, wenn die Liefermöglichkeiten ohnehin eingeschränkt sind. Der bft schlägt als mögliche Lösung vor, den Start des Tankrabatts auf den 4. Mai zu verschieben, um zumindest teilweise Entlastung zu schaffen.

ADAC sieht geringeres Risiko für Engpässe

Der ADAC bewertet die Gefahr von Versorgungsengpässen deutlich zurückhaltender. Ein Sprecher des Automobilclubs verweist auf die Erfahrungen von 2022: "Das wurde damals auch befürchtet, ist aber nicht eingetreten." Allerdings waren die Rahmenbedingungen 2022 unterschiedlich: Der Tankrabatt startete an einem normalen Mittwoch, und der steuerliche Preisunterschied bei Super E10 betrug mit über 35 Cent mehr als das Doppelte der aktuell geplanten Senkung.

Interessanterweise ergibt sich am Ende des Rabattzeitraums ein spiegelbildlicher Effekt: Dann können Tankstellen ihre Lager noch vor dem Stichtag 30. Juni mit steuerlich begünstigtem Kraftstoff füllen und diesen anschließend zu mutmaßlich höheren Preisen verkaufen. Diese Konstellation könnte die wirtschaftlichen Nachteile zum Beginn des Rabatts teilweise ausgleichen.

Historische Erfahrungen und aktuelle Preisentwicklung

Die Erfahrungen aus dem Jahr 2022 zeigen, dass die tatsächlichen Preissprünge an den Tankstellen sowohl zu Beginn als auch am Ende des Tankrabatts geringer ausfielen als die rein steuerlichen Veränderungen. Laut ADAC-Daten sanken die bundesweiten Tagesdurchschnittspreise für Super E10 damals zu Beginn binnen eines Tages um etwa 27 Cent und stiegen am Ende um 23 Cent - obwohl der Steuerunterschied bei rund 35 Cent lag.

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Aktuell verliert die Talfahrt der Spritpreise deutlich an Schwung. Während Dieselkraftstoff weiterhin leicht nachgibt, zeigte Superbenzin der Sorte E10 nach dem kräftigen mittäglichen Preissprung am Montag sogar minimale Aufwärtsbewegungen. Am Sonntag zuvor hatte sich E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt nur noch um 0,2 Cent auf 2,059 Euro pro Liter verbilligt, während Diesel um 1,2 Cent auf 2,152 Euro nachgab. Diese Entwicklung könnte auf eine bevorstehende Stagnation oder sogar wieder steigende Benzinpreise hindeuten.

Die Branchenverbände betonen zudem, dass die Energiesteuern zwar eine wichtige, aber bei Weitem nicht die einzige Preiskomponente darstellen. Weitere Faktoren wie Rohölpreise, Raffineriekapazitäten und Logistikkosten beeinflussen die Endverbraucherpreise ebenfalls maßgeblich und könnten die Wirkung des Tankrabatts zusätzlich modifizieren.