Winterreifen im Sommer: Bis zu 10.000 Euro Risiko trotz fehlendem Wechselzwang
Winterreifen im Sommer: Teures Risiko bis 10.000 Euro (16.03.2026)

Winterreifen im Sommer: Ein teures Sicherheitsrisiko

In Deutschland herrscht eine situative Winterreifenpflicht, doch viele Autofahrer fragen sich: Muss ich im Frühjahr wirklich wechseln? Die einfache Faustregel "O bis O" – also von Oktober bis Ostern – gilt als Richtwert, doch ein gesetzlicher Zwang zum Umstieg auf Sommerreifen existiert nicht. Trotzdem warnen Experten eindringlich: Wer weiterhin mit Winterreifen unterwegs ist, geht ein erhebliches finanzielles Risiko ein.

Versicherungen können bei Unfällen die Kosten verweigern

Die meisten Autofahrer wissen, dass Winterreifen bei sommerlichen Temperaturen schneller verschleißen, den Spritverbrauch erhöhen und die Höchstgeschwindigkeit reduzieren. Was jedoch weniger bekannt ist: Kommt es zu einem Unfall, kann die falsche Bereifung schwerwiegende finanzielle Konsequenzen haben. Selbst wenn man sich korrekt an die Verkehrsregeln gehalten hat, kann sich die Schuldfrage negativ entwickeln.

Zwar übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung in der Regel die Kosten für verursachte Schäden. Doch im Rahmen einer Kaskoversicherung sieht die Situation anders aus. Wird das Verhalten des Fahrers als grob fahrlässig eingestuft, kann die Versicherung die Kostenübernahme ganz oder teilweise verweigern. Dies gilt insbesondere, wenn nachgewiesen wird, dass die Winterreifen aufgrund hoher Temperaturen an Stabilität verloren haben.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

ADAC-Test zeigt alarmierende Ergebnisse

Der ADAC hat in umfangreichen Tests nachgewiesen, wie gefährlich Winterreifen im Sommer sein können. Bei Vergleichstests unter sommerlichen Bedingungen zeigte sich: Auf trockener Straße verlängerte sich der Bremsweg aus Tempo 100 km/h mit Winterreifen erheblich. Während ein Fahrzeug mit Sommerreifen vor einem Hindernis zum Stehen kam, war das Auto mit Winterreifen noch mit etwa 37 km/h unterwegs.

Diese verlängerten Bremswege können im Ernstfall über Unfall oder Vermeidung entscheiden. Verursacht ein Autofahrer beispielsweise einen Auffahrunfall, kann die Versicherung argumentieren, dass dieser nur aufgrund der Sommerbereifung mit Winterreifen geschehen konnte. In solchen Fällen können Schadenssummen schnell über 10.000 Euro erreichen.

Praktische Tipps für den Reifenwechsel

Der ADAC empfiehlt dringend, rechtzeitig auf Sommerreifen zu wechseln. Wer aus Nachhaltigkeitsgründen abgenutzte Winterreifen dennoch weiter nutzen möchte, sollte folgende Punkte beachten:

  • Temperatur beachten: In der Übergangszeit (Mai/Juni) sind Winterreifen weniger kritisch, da die Temperaturen noch nicht konstant hoch sind. Im Hochsommer stellen sie jedoch ein echtes Sicherheitsrisiko dar.
  • Profiltiefe prüfen: Winterreifen mit nahezu voller Profiltiefe (über vier bis fünf Millimeter) sollten im Sommer nicht verwendet, sondern für den nächsten Winter aufgehoben werden. Allerdings sollte die Profiltiefe nie unter drei Millimeter sinken, da sonst das Aquaplaning-Risiko steigt.
  • Geschwindigkeit reduzieren: Hohe Geschwindigkeiten können Winterreifen überhitzen und ihre Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen.
  • Beladung berücksichtigen: Besonders bei voll beladenen Fahrzeugen, etwa auf Urlaubsreisen, ist die Verwendung von Winterreifen im Sommer kritisch. Die Kombination aus hohen Temperaturen und schwerer Last führt zu unzureichendem Grip.

Die Entscheidung für oder gegen Winterreifen im Sommer sollte nicht leichtfertig getroffen werden. Auch wenn kein Gesetz zum Wechsel zwingt, können die finanziellen und sicherheitstechnischen Konsequenzen erheblich sein. Ein rechtzeitiger Umstieg auf Sommerreifen bleibt die empfehlenswerteste und sicherste Lösung.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration