Münchens Wohnungsbau-Krise: Dramatische Zahlen für 2025
Die Münchner Wohnungsbauzahlen für das Jahr 2025 sind alarmierend und verdeutlichen eine tiefgreifende Krise auf dem städtischen Wohnungsmarkt. Laut einer aktuellen Bilanz aus dem Planungsreferat wurden im vergangenen Jahr lediglich 4348 Wohnungen fertiggestellt. Dies entspricht nur etwa der Hälfte des selbstgesteckten Ziels von 8500 neuen Wohnungen jährlich, das sich das grün-rot regierte Rathaus gesetzt hatte.
Sozialwohnungen: Eine Warteliste mit 50.000 Menschen
Besonders dramatisch ist die Situation im Bereich der Sozialwohnungen. Aktuell warten fast 50.000 Personen in etwa 21.000 Haushalten auf eine bezahlbare Wohnung. Im Jahr 2025 konnten davon nur ein Bruchteil – rund 4500 Personen in 2310 Haushalten – in eine Sozialwohnung einziehen. Die Lage ist für arme Familien besonders schwierig, da sie laut einem Bericht geringere Chancen haben, eine Wohnung zu erhalten als kleinere Haushalte.
Von den 4348 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2025 waren nur 648 geförderte Wohnungen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Münchner Wohnen stellte etwa 1280 Wohnungen fertig, was etwa jede vierte Neubau-Wohnung ausmacht. Die Zielmarke von 8500 Wohnungen wurde in dieser Legislaturperiode nur einmal erreicht – im Jahr 2023 mit 9837 fertiggestellten Wohnungen.
Politische Schuldzuweisungen und schwierige Rahmenbedingungen
Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) nennt in ihrer Vorlage „schwierige Rahmenbedingungen“ als Hauptgründe für die schlechten Zahlen. Hohe Material-, Bau- und Zinskosten sowie reduzierte Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau durch den Freistaat Bayern erschweren den Wohnungsbau erheblich.
SPD-Chef Christian Köning kritisiert die „viel zu geringe Wohnungsbauförderung durch die CSU-Staatsregierung“. Ähnlich äußert sich Sibylle Stöhr von den Grünen, die fordert, dass der Freistaat Gelder statt in Projekte wie ein Mondzentrum in Oberpfaffenhofen lieber in den Wohnungsbau investieren sollte. Die Zahlen belegen einen drastischen Rückgang der Fördergelder: Während der Freistaat 2020 noch 76 Millionen Euro für Sozialwohnungen in München bereitstellte, waren es 2025 nur noch 14,7 Millionen Euro.
CSU und FDP sehen Versagen der Rathaus-Regierung
Die CSU lässt diese Argumente nicht gelten. Stadtrat Winfried Kaum bezeichnet die Zahlen als „Desaster“ und als Ergebnis einer „gescheiterten Wohnungspolitik“ von Grün-Rot. Aus Sicht der CSU ist die verschärfte „Sozialgerechte Bodennutzung“ (Sobon) ein Hauptgrund für den geringen Wohnungsbau. Diese Richtlinien verpflichten Bauherren seit den 1990er Jahren, einen bestimmten Anteil an günstigen Wohnungen zu schaffen. Grün-Rot habe diese Auflagen zu sehr verschärft.
Auch FDP-Stadtrat Jörg Hoffmann sieht die Verantwortung bei der Rathaus-Regierung und kritisiert die Sobon-Verschärfung als Fehler. Er äußert zudem die Hoffnung, dass der neue Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) dem Planungsausschuss mehr Zeit widmet als sein Vorgänger Dieter Reiter (SPD), der von 21 Sitzungen seit April 2024 nur drei komplett geleitet habe.
Ausblick: Schwierige Aufgaben für den neuen Oberbürgermeister
Oberbürgermeister Dominik Krause hat im Wahlkampf angekündigt, Wohnen zur „Chefsache“ zu machen und 50.000 Wohnungen zu versprechen – das wären etwa 8300 jährlich und fast doppelt so viele wie 2025 erreicht wurden. Stadtbaurätin Merk kündigte jedoch bereits an, dass die städtische Haushaltskonsolidierung nicht ohne Folgen für den Wohnungsbau bleiben werde. Das Planungsreferat arbeitet bereits an einer Reform der Sobon-Richtlinien, auch aufgrund der fehlenden Fördergelder.
Die Wohnungsbaukrise in München bleibt damit eine der dringendsten Herausforderungen für die Stadtpolitik, mit weitreichenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerung.



