Königspython im Plattenbau: 20 Jahre ungewöhnliche Wohngemeinschaft
In der Uckermark teilt ein Rentner seit zwei Jahrzehnten seine Plattenbauwohnung mit einem ungewöhnlichen Mitbewohner: einem Königspython. Stefan Uhlig (65) aus Prenzlau beschreibt die 1,20 Meter lange Würgeschlange als äußerst genügsames Haustier. „Sie braucht nicht viel. Ein bisschen Wasser und einmal im Monat eine Maus. Dann ist sie glücklich“, erklärt der pensionierte Armaturenwerker. Streng genommen handelt es sich bei dem Reptil um ein männliches Tier, da die Bezeichnung „Python“ maskulin ist.
Von der Tochter übernommen
Ursprünglich gehörte der Königspython der Tochter Ariane. Als diese schwanger wurde, entschieden die Eltern jedoch, dass eine Würgeschlange kein geeignetes Umfeld für ein Baby darstellt. Trotz der Schlangenangst seiner Frau Ute (64) nahm das Ehepaar das Reptil bei sich am Marktberg auf. „Na gut, dann bring sie zu uns“, erinnert sich Stefan Uhlig an den damaligen Entschluss.
Schnell entwickelte der Vater eine große Leidenschaft für das Tier. Als Hobbyfotograf entdeckte er zahlreiche kreative Verwendungsmöglichkeiten. Über die Jahre fanden sich mehrere Aktmodelle bereit, zusammen mit dem geschuppten Haustier zu posieren. „Manche Damen waren erst zögerlich“, erinnert sich Uhlig lachend. Die Wände seines Plattenbauateliers zeugen noch heute von diesen außergewöhnlichen Fotosessions.
Angst vor nächtlichen Ausflügen
Während Stefan Uhlig den Python als perfektes Haustier beschreibt, hat seine Frau Ute bis heute Respekt vor dem Reptil. „Von der unterschwelligen Sorge, dass die Schlange ihre Behausung verlässt und sich in der Wohnung frei bewegt, kann ich mich bis heute nicht befreien“, gesteht die 64-Jährige. Erst wenn ihr Mann das Terrarium abgeschlossen und den Schlüssel mit ins Schlafzimmer gebracht hat, kann sie beruhigt einschlafen.
Ihr Ehemann versichert jedoch, dass Ausbrüche äußerst selten waren und nie etwas passiert sei. „Die Male, wo das Reptil Reißaus genommen habe, kann man an einer Hand abzählen“, betont er. In der Fachliteratur gilt der Königspython zudem als für Anfänger geeignete Würgeschlange.
Frostfutter-Debatte und Gefrierschrank-Lösung
Eine besondere Herausforderung ergab sich vor einigen Jahren, als die örtliche Zoohandlung den Vertrieb von Lebendfutter einstellte. Die Umstellung auf Frostware gestaltete sich schwierig. „Das erklären sie mal einer Schlange. Die wollte da partout nicht ran“, berichtet Uhlig. Nach ausgiebiger Recherche ließ er das Tier ein halbes Jahr hungern, bis es schließlich die gefrorene Ratte akzeptierte.
Seitdem lagern die Nager oben rechts im Gefrierschrank – neben Eiscreme und Rotkohl, selbstverständlich mehrfach verpackt. Der Python misst inzwischen 1,20 Meter bei einem Umfang von 15 Zentimetern. Mehr Futter würde sein Wachstum exponentiell beschleunigen, weiß der Besitzer.
Beliebt bei Kindern und Enkeln
Während einige Erwachsene Abstand halten, zeigt insbesondere der Enkel Paul große Begeisterung für das ungewöhnliche Haustier. Bei einem Kita-Besuch ließen sich die Altersgenossen die Schlange bereitwillig um den Hals legen. Bis heute klopfen gelegentlich Kinder aus der Nachbarschaft an, um Fotos mit dem Königspython machen zu lassen.
Doch nach 20 Jahren gemeinsamen Wohnens denken die Uhligs nun über eine Abgabe nach. „Alles hat seine Zeit. Wir werden nicht jünger. Und mindestens 20 Jahre hat unser Haustier ja noch vor sich“, erklärt das Ehepaar. Interessenten können sich per E-Mail melden.



