Sechs Jahre Haft für Arzt: 1,6 Millionen Euro Betrug mit erfundenen Hausbesuchen
Arzt zu sechs Jahren Haft für millionenschweren Abrechnungsbetrug

Schwerer Abrechnungsbetrug: Notarzt muss für erfundene Hausbesuche ins Gefängnis

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat einen 40-jährigen Notarzt wegen massiven Abrechnungsbetrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt. Hassan O., ein gebürtiger Syrer aus Niederbayern, soll über einen Zeitraum von 13 Quartalen systematisch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) betrogen haben.

Systematischer Betrug mit erfundenen Patientenbesuchen

Nach Überzeugung des Gerichts erfand der Mediziner insgesamt 6.368 Hausbesuche, die nie stattgefunden haben. Mit dieser Masche erschwindelte er mehr als 1,6 Millionen Euro von der Krankenkasse. „Manche Patienten besuchte er angeblich fünfmal am Tag“, erklärte Richter Cornelius Sello in seiner Urteilsbegründung. Selbst private Aufenthalte bei seiner Freundin habe er als medizinische Hausbesuche abgerechnet.

Der Betrug erstreckte sich über verschiedene Bereiche seiner Tätigkeit als sogenannter Poolarzt, der Bereitschaftsdienste übernimmt. Neben den erfundenen Hausbesuchen soll Hassan O. auch Wochenendzuschläge unrechtmäßig abgerechnet und während der Corona-Pandemie als Impfarzt deutlich höhere Entschädigungen gefordert haben, als ihm zustanden.

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Weitere Vorwürfe: Sexueller Übergriff und Asylbewerber-Vermietung

Neben dem Abrechnungsbetrug wurde der Arzt auch wegen eines sexuellen Übergriffs auf eine Patientin verurteilt. Im Februar 2021 soll er bei einem Hausbesuch eine Patientin mit Erkältungssymptomen „sexuell motiviert“ an der Brust berührt haben, wie das Gericht feststellte. Die Verteidigung bestritt diesen Vorwurf vehement.

Richter Sello wies in seiner Urteilsbegründung zudem auf weitere Geschäftspraktiken des Angeklagten hin: „Er nutzte viele Gelegenheiten, um an Geld zu kommen.“ Dazu gehörte auch die Vermietung eines Gebäudes an 25 Asylbewerber, die er dem Freistaat Bayern in Rechnung gestellt haben soll.

Verteidigung und Urteil

Der Verteidiger Jürgen Lubojanski argumentierte während des Verfahrens, dass die Behandlungen tatsächlich stattgefunden hätten. Seinem Mandanten sei nur nie beigebracht worden, wie man Abrechnungen korrekt gestaltet. Hassan O. selbst gab an, in ständiger Sorge um seine Familie in Syrien gelebt zu haben. Das in seinem Bankschließfach sichergestellte Gold wollte er nur gehortet haben, um mögliche Rückforderungen später begleichen zu können.

Das Gericht blieb von diesen Argumenten unbeeindruckt und sah den Betrug als erwiesen an. Neben der sechsjährigen Haftstrafe muss der Mediziner mehr als 1,4 Millionen Euro der Schadenssumme zurückzahlen. Ein Berufsverbot verhängte das Gericht jedoch nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Aufdeckung und Untersuchungshaft

Die Machenschaften des Arztes waren nach Beschwerden bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern aufgeflogen. Im März 2025 kam Hassan O. in Untersuchungshaft. Zum Prozessauftakt im Dezember 2025 trug der Mediziner Fußfesseln. Der Prozess dauerte mehrere Monate und endete nun mit dem harten Urteil.

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