Pensionierter Chefarzt enthüllt finanzielle Fehlanreize während der Pandemie
Dr. Thomas Voshaar, ein 68-jähriger pensionierter Chefarzt aus Moers, hat beim 65. Politikgespräch der Reihe Malchower Format in der voll besetzten Dorfkirche von Malchow in der Uckermark schonungslos über die Verlockungen des Geldes während der Coronapandemie gesprochen. Der Lungenspezialist, der bis heute von den Ereignissen verfolgt wird, berichtete von einem System, in dem Kliniken für frühzeitige Intubationen von COVID-19-Patienten bis zu 30.000 Euro abrechnen konnten.
Sterblichkeitsraten und der "Moerser Weg"
Während viele Krankenhäuser weltweit der WHO-Empfehlung zur strategisch frühen Intubation folgten, behielt Voshaars Team in Moers die künstliche Beatmung für die Fälle vor, bei denen es wirklich nicht mehr anders ging. Diese Entscheidung hatte dramatische Konsequenzen: Während die Sterblichkeit bei intubierten Patienten in anderen Kliniken laut Voshaar auf 70 Prozent in Deutschland, 80 Prozent in Großbritannien und sogar 90 Prozent in New York stieg, konnte seine Abteilung mit einer Sterblichkeit von nur acht Prozent punkten.
"Man hätte Lehren ziehen müssen", betonte der Mediziner, doch er sehe leider keine große Bereitschaft in Politik und Ärzteschaft, die damaligen Behandlungsmethoden kritisch zu beleuchten.
Finanzielle Anreize als "starker Triggerfaktor"
Der pensionierte Chefarzt führte aus, dass die finanziellen Unterschiede erheblich waren: Während sein Team für den "Moerser Weg" des So-spät-wie-möglich-Intubierens 3.000 bis 4.000 Euro pro Patient erhielt, rechneten andere Kliniken bis zu 30.000 Euro ab. "Es gab Fehlanreize", konstatierte Voshaar. "Diese Kritik muss sich das Gesundheitssystem gefallen lassen. Die Verlockung des Geldes war ein starker Triggerfaktor, das ist bis heute so."
Gegenwind und berufliche Konsequenzen
Der Widerstand gegen den Mainstream hatte persönliche Konsequenzen für Voshaar und seine Kollegen. "Wir wurden öffentlich an den Pranger gestellt und herabgewürdigt", berichtete der Mediziner. Andere Ärzte seien wegen ihrer kritischen Haltung entlassen worden, und Voshaar selbst fürchtete zeitweise um seine berufliche Existenz. Nur die große Medienpräsenz habe ihn wahrscheinlich vor der Entlassung bewahrt.
Kirchliche Perspektive: Versagen der Institution
Der zweite Gast des Abends, Pfarrer Dr. Wichard von Heyden (56), berichtete von ähnlichen Erfahrungen. Der Pastor aus der Nähe von Hannover kritisierte scharf die Haltung der Kirche während der Pandemie. Für ihn hat die Institution Kirche massiv versagt, weil sie bewusst vergaß, dass das Wichtigste die Menschenwürde im Leben wie im Sterben ist.
Von Heyden erzählte von Denunziationen, die ihn in Konflikt mit der Landeskirche brachten, weil er seine Kirche während Protestspaziergänge öffnete und an der Orgel Paul-Gerhardt-Lieder spielte, während sich Menschen ohne Maske in dem Gotteshaus aufhielten. "Das Angeschwärze wird mir noch lange in der Erinnerung bleiben", gestand der Pfarrer.
Angst als politisches Instrument
Beide Redner verwiesen auf ein internes Papier des Innenministeriums, das gleich zu Beginn der Pandemie auslotete, wie man in der Bevölkerung die Folgebereitschaft für politische Beschlüsse herstellen könne. Voshaar bezeichnete dieses Gutachten "als das mit Abstand Scheußlichste und Verachtenswerteste, was ich je gelesen habe".
"Als Arzt weiß ich, dass man in solchen Krisen Zuversicht und Vertrauen geben muss, aber nicht die Menschen mit Angst in der Spur halten", erklärte der pensionierte Chefarzt. Das Fazit des Papiers sei gewesen, dass dies nur gehe, wenn man Angst erzeuge – beispielsweise davor, dass Kinder schuld seien, wenn ihre Großeltern sterben.
Applaus für Zivilcourage
Das Publikum in der voll besetzten Dorfkirche reagierte mit großem Lob für die Offenheit der Redner. Ein Besucher aus Prenzlau erhob sich, um den drei Rednern für ihren Mut in der Coronazeit zu danken. Moderator Dr. Thomas Seidel schloss mit dem Appell, sich darauf zu besinnen, dass der Ruf der Bibel der der Entängstigung sei.
Das nächste Malchower Format findet am 18. März statt, wenn Antje Hermenau, Politikberaterin und Ex-Mitglied der Grünen, die Frage "Deutschland – wohin?" stellt. Nach der 70. Folge im Sommer soll die Reihe enden.



