DIW: Mehr Fehltage nicht allein wegen E-Krankschreibung
DIW: Fehltage nicht nur wegen E-Krankschreibung

Seit der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Jahr 2022 verzeichnen die Krankenkassen einen deutlichen Anstieg der Krankheitstage. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt jedoch zu dem Schluss, dass dieser Anstieg nur bedingt auf die Digitalisierung der Krankschreibung zurückzuführen ist. Vielmehr spielen zwei andere Faktoren eine wesentlich größere Rolle: die Zunahme von Atemwegserkrankungen und ein verändertes Gesundheitsverhalten der Beschäftigten seit der Corona-Pandemie.

Anstieg der Fehlzeiten seit 2022

Laut Statistischem Bundesamt betrugen die durchschnittlichen Fehlzeiten im Jahr 2024 14,8 Arbeitstage – das sind 3,6 Tage mehr als im Jahr 2022, in dem die elektronische Krankschreibung eingeführt wurde. Dieser sprunghafte Anstieg wurde von vielen Beobachtern zunächst mit der elektronischen Erfassung erklärt, die insbesondere kurze Krankheitsfälle nun lückenlos dokumentiert. Das DIW widerspricht dieser These jedoch in seiner aktuellen Analyse.

Zwei Hauptursachen identifiziert

Die Forscher des DIW stützen sich auf die Langzeitbefragung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) sowie auf Diagnosedaten der AOK. Ihre Analyse zeigt: „Der sprunghafte Anstieg an Fehltagen erklärte sich demnach vor allem aus dem häufigeren Auftreten von Atemwegserkrankungen“, erläutert Studienautor Markus Grabka. Gleichzeitig habe sich nach der Corona-Pandemie das Verhalten im Krankheitsfall verändert. Vor allem ältere Erwerbstätige und Beschäftigte mit erhöhtem Gesundheitsbewusstsein blieben bei ansteckenden Erkrankungen wie Grippe oder Erkältungen eher zu Hause als früher, um sich selbst und andere zu schützen.

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Vorschlag: Teilkrankschreibung

Um die Zahl der Fehltage wieder zu reduzieren, schlägt das DIW die Einführung einer Teilkrankschreibung vor. Diese könnte es leicht erkrankten Beschäftigten ermöglichen, in begrenztem Umfang weiterzuarbeiten, ohne das Risiko einer Ansteckung für Kollegen zu erhöhen. Das Institut hofft, dass so sowohl die Gesundheit der Arbeitnehmer gestärkt als auch die Produktivität gesteigert werden kann.

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