Franziska van Almsick, eine der erfolgreichsten deutschen Schwimmerinnen, spricht im Interview mit dem Magazin "Strive" offen über die Herausforderungen nach ihrer aktiven Karriere. Die 48-Jährige, die 2004 ihre Karriere beendete, gibt ehrliche Einblicke in die Zeit nach den großen Erfolgen und das mediale Interesse, das sie oft überforderte.
Ein neues Leben nach dem Spitzensport
Nach den Olympischen Sommerspielen 2004 beendete van Almsick ihre Schwimmkarriere. Im Rückblick beschreibt sie diese Phase als eine Zeit der Neuorientierung: "Ich hatte keinen Plan und habe in der ersten Zeit einfach in den Moment hineingelebt. Ich habe mir Zeit genommen für Dinge, die ich vorher nie gemacht hatte: Veranstaltungen, Preisverleihungen, Reisen nach Bora Bora oder eine Reportage für einen TV-Sender." Die gebürtige Berlinerin betont, wie ungewohnt diese Freiheit war: "Selbst Kleinigkeiten fand ich aufregend. Einfach mal ausschlafen oder auf einen Familiengeburtstag gehen – das kannte ich nicht." Ihre Karriere hatte viele private Opfer gefordert: "Ich war ja nie zu Hause, selbst an Weihnachten und Silvester war ich meistens unterwegs."
Medieninteresse und Selbstzweifel
Als Ausnahmetalent stand van Almsick früh im Fokus der Öffentlichkeit. Der Rummel um ihre Person habe sie oft überfordert: "Schon als mich angeblich alle toll fanden, habe ich mich gefragt: Warum eigentlich? Finden die dich toll, weil du erfolgreich bist, schöne Fotos machst und Geld hast? Oder mögen sie dich um deinetwillen?" Diese Zweifel beeinträchtigten sogar ihr Training: "Ich habe mich einschüchtern lassen und konnte nicht mehr ausblenden, was über mich gesagt und geschrieben wurde." Ihre Beziehung zu den Medien beschreibt sie ambivalent: "Ich mochte weder die gute noch die schlechte Presse. Bis heute mag ich es nicht, wenn man mir zu viele Komplimente macht. Aber ich mag es genauso wenig, wenn man mir sagt, ich sei zu fett oder meine Haare sähen nicht gut aus." Ihr Fazit: "Die Zeit damals hat mich sehr geprägt. Ich lese ab und zu ein paar Nachrichten, aber ich versuche, sehr bei mir zu bleiben."



