Marika Weber liebt ihren Beruf als Hebamme, doch die Arbeitsbedingungen im Mediclin Müritz-Klinikum in Waren bereiten ihr große Sorgen. Die 35-Jährige, die seit zwei Jahren in der Klinik arbeitet, beteiligte sich kürzlich an einem Warnstreik der Gewerkschaft ver.di, bei dem rund 120 Klinikmitarbeiter für bessere Tarifverträge auf die Straße gingen.
Kleine Teams und nächtliche Dienste
„Ich liebe es, Frauen bei der Geburt zu begleiten. Das macht mir Freude“, erklärte Weber dem Nordkurier. Doch das Team auf ihrer Station sei ihrer Meinung nach zu klein, um die rund um die Uhr erforderliche Besetzung zu gewährleisten. Effektiv habe sie sieben Kolleginnen in Waren, fünf davon arbeiten in Schichten, die anderen zwei in 24-Stunden-Diensten. Um die Situation zu verbessern, habe sie die Geschäftsführung um eine zusätzliche halbe Stelle gebeten – jedoch ohne Erfolg. „Wir müssen die Station rund um die Uhr besetzen, das ist schwierig, und dafür wollten wir Unterstützung“, so Weber.
Klinikleitung widerspricht
Die Geschäftsführung des Mediclin Müritz-Klinikums weist die Vorwürfe zurück. Eine Sprecherin betonte auf Nachfrage des Nordkurier: „Grundsätzlich gibt es bei uns keinen Einstellungsstopp.“ Die derzeitige Geburtenrate liege im Durchschnitt bei etwa einer Geburt pro Tag, vereinzelt gebe es auch Tage ohne Geburten. Vor diesem Hintergrund sei die Arbeitsbelastung überschaubar. Es treffe nicht zu, dass aufgrund der niedrigen Geburtenzahlen keine weiteren Mitarbeiter eingestellt würden. Personalentscheidungen würden sich stets am tatsächlichen Bedarf und an der fachlichen Struktur der jeweiligen Einheit orientieren.
Unterscheidung zwischen Station und Kreißsaal
Die Sprecherin hob hervor, dass zwischen der geburtshilflichen Station und dem Kreißsaal unterschieden werden müsse. Die Station bilde den pflegerischen Bereich ab, während der Kreißsaal organisatorisch und fachlich ein eigener Bereich sei. Durch die aktuell niedrigen Geburtenzahlen sei die Belastung dort handhabbar. „Gleichzeitig nehmen wir Hinweise aus dem Team selbstverständlich ernst und prüfen kontinuierlich, wie wir die Mitarbeitenden bestmöglich unterstützen können“, argumentierte die Sprecherin.
Forderungen nach Tarifverträgen
Neben der Überlastung kritisierten die Streikenden am Dienstag auch das Fehlen von Tarifverträgen. Sie forderten Anpassungen bei Lohn, Zulagen und Urlaubstagen. Die Gewerkschaft ver.di möchte darüber mit dem Arbeitgeber verhandeln. Die Geschäftsführung des Klinikums strebt jedoch eher hausinterne, individuelle Verträge an. Die Diskussion um die Arbeitsbedingungen in der Geburtshilfe in Waren dürfte damit noch nicht beendet sein.



