Die langjährige Teammanagerin des FC Bayern, Kathleen Krüger, steht kurz vor dem Wechsel zum Hamburger SV, wo sie die Position der Sportvorständin übernehmen soll. Obwohl sie keine direkte Erfahrung in dieser Funktion besitzt, wird sie von ihrer ehemaligen Mitspielerin Julia Simic als ideale Besetzung gelobt.
Krügers Weg zum HSV
Es scheint nur noch eine Formsache zu sein, bis Kathleen Krüger offiziell als neue Sportvorständin des Hamburger SV vorgestellt wird. Vorstand Eric Huwer bestätigte dies bereits indirekt am Rande der Digitalmesse OMR in Hamburg. „Grundsätzlich bin ich immer froh, wenn wir gute Persönlichkeiten für den HSV gewinnen können“, sagte er in einem dpa-Interview. „Und ich glaube, Kathleen Krüger – wenn sie es denn sein wird – steht auch für eine inhaltliche Bereicherung für uns. Und deswegen: Moin und herzlich willkommen beim HSV.“
Die 40-Jährige hat ihre gesamte Karriere fast ausschließlich beim FC Bayern München verbracht – zuletzt im Teammanagement, davor als Spielerin. Julia Simic, die von 2005 bis 2009 gemeinsam mit Krüger für den FC Bayern spielte, kennt sie gut. „Ich schätze Kathleen Krüger sehr. Es ist zwar lange her, dass wir zusammengespielt haben, aber sie war damals schon ein absoluter Leader-Typ. Das hat sich dann auch in ihren weiteren Karriereschritten gezeigt“, erzählt die heutige Sky-Expertin im Exklusiv-Interview mit SPORT1.
Förderung durch Uli Hoeneß
Krüger beendete ihre aktive Laufbahn 2009. Simic, die bis 2013 beim FC Bayern blieb, verfolgte den Start ihrer zweiten Karriere aus nächster Nähe. „Ich glaube, es war damals sogar Uli Hoeneß, der zu ihr gesagt hat, dass sie ihr Studium nicht unbedingt beenden müsse, weil sie beim FC Bayern eine Position bekommen könne, die es so nicht oft gibt. Das waren ihre ersten Schritte in dieser Rolle, die sie dann über viele Jahre begleitet hat.“
Krüger brach ihr Studium des Internationalen Managements ab und begann Anfang 2010 als Assistentin des Vorstands Sport. 2012 wurde sie Teammanagerin und übte diese Funktion bis 2024 aus. „Sie hat sich bei Bayern sehr schnell einen hohen Stellenwert erarbeitet und wurde, glaube ich, von allen Beteiligten enorm geschätzt. Das ist nicht selbstverständlich und spricht für sie“, sagt Simic.
Was Krüger auszeichnet
Auf die Frage, was Krüger besonders mache, antwortet Simic: „Sie hat einen sehr feinen Charakter, ist extrem kompatibel mit Menschen, anpassungsfähig und hat eine hohe Auffassungsgabe. Ich glaube, sie kann einen Verein in dieser Position führen und leiten. Deshalb drücke ich ihr die Daumen, dass alles schnell über die Bühne geht und sie die Position bekommt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie dort einen sehr guten Job machen wird.“
Fehlende Erfahrung als Sportvorstand – kein Problem?
Klar ist jedoch, dass Krüger keine Erfahrung als Sportvorstand oder Sportdirektorin mitbringt. Zuletzt war sie beim deutschen Rekordmeister für die Leitung der Organisation und Infrastruktur zuständig, ihr offizieller Titel lautete „Senior Leading Expert Sport Strategy & Development“. Neue Themen wie Kaderplanung, Vertragsverhandlungen und Transfers kommen auf sie zu. Zwar wird sich Sportdirektor Claus Costa weiterhin vorrangig um operative Aufgaben kümmern, während Krüger sportstrategische Themen verantwortet, doch als seine Vorgesetzte trägt sie die Gesamtverantwortung für alle sportlichen Bereiche.
„Ich sehe kein Problem darin, dass sie noch keine Sportdirektorin war“, sagt Simic. „Natürlich sollte man eine gewisse Ausbildung und Qualifikation mitbringen. Aber Kathleen hat mittlerweile verschiedene Zertifikate gemacht und lange in einem Bereich gearbeitet, der sich in Sachen Menschenführung wahrscheinlich gar nicht so sehr unterscheidet. Jetzt bekommt sie vielleicht noch mehr Entscheidungsmacht dazu, aber sie hat in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren bei Bayern gelernt, strategisch zu arbeiten und Dinge zu lenken. Das hat einen enorm hohen Wert.“
Simic glaubt nicht, dass man zwingend dieselbe Position ausgeübt haben muss, um erfolgreich zu sein: „Irgendwann steigt man eben auf, wenn man gute Arbeit geleistet hat. Und ich glaube, sie ist absolut ausreichend qualifiziert. Wenn man sich in der Branche umschaut, gibt es durchaus Sportvorstände, die weniger qualifiziert sind und trotzdem schneller in solche Positionen kommen. Deshalb ist das für mich ein logischer nächster Schritt.“
In den Fußstapfen von Katja Kraus
Laut Informationen des Hamburger Abendblatts wird Krüger am 1. Juli in Hamburg ihren Dienst antreten, die offizielle Vorstellung dürfte jedoch bereits zeitnah erfolgen. Es ist noch immer eine Seltenheit im Herren-Fußball, dass eine Frau eine solche Position bekleidet. Tatjana Haenni nimmt als CEO bei RB Leipzig eine ähnliche Rolle ein. Mit Katja Kraus saß von 2003 bis 2011 bereits eine Frau im Vorstand des HSV, allerdings für den Bereich Marketing. Krüger wird nun der Kernbereich anvertraut – der Sport.
„Ich würde das gar nicht als mutig bezeichnen, denn mutig klingt immer nach Risiko“, sagt Simic. „Für mich ist es einfach eine kluge Entscheidung. Natürlich wird viel darüber gesprochen, weil sie eine Frau ist und das deshalb noch immer etwas Besonderes darstellt. Aber für mich ist das vor allem eine logische und clevere Entscheidung, weil sie die Rolle aufgrund ihrer Qualifikation, ihrer Art und ihres Typs sehr gut ausfüllen kann.“



