Historisches Annastift in Jarmen wird zum modernen Gesundheits- und Sozialzentrum
Im repräsentativen Annastift in Jarmen hat diese Woche eine bedeutende Transformation begonnen. Die Gemeinschaftspraxis von Dr. med. Sarah Gerwien und Nora Späte hat ihr neues Domizil in dem historischen Gebäude bezogen und markiert damit den Startschuss für die Wiederbelebung der lange leerstehenden Immobilie.
Moderne Arztpraxis als Pionierprojekt
Die drei Ärztinnen – unterstützt von der erfahrenen Kinder- und Jugendmedizinerin Dr. med. Angelika Peters – haben ihre Praxis von beengten Räumen über der Apotheke in das weitläufige Erdgeschoss des Annastifts verlegt. Auf rund 250 Quadratmetern finden Patienten nun getrennte Wartebereiche für Infekt- und Nichtinfektpatienten, helle Behandlungszimmer, zwei Labore und moderne Sanitäranlagen vor. Besonders hervorzuheben ist der barrierefreie Zugang, der allen Patienten den Besuch erleichtert.
„Wir sind die Pioniere dieser Wiederbelebung“, erklärt eine der Ärztinnen. Die Praxis hat sogar ein eigenes Logo entwickeln lassen, das die charakteristische Frontansicht des Gebäudes zeigt und den im Volksmund etablierten Namen „Annastift“ bewahrt.
Bewegte Geschichte eines architektonischen Juwels
Das Annastift blickt auf eine über hundertjährige, wechselvolle Geschichte zurück. Ursprünglich 1923/24 als Sitz des „Jarmener landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsvereins“ errichtet, überragt das Gebäude mit seiner imposanten Architektur sogar das Rathaus der Peenestadt. Hohe Geschossdecken, ein großer Saal und ein von einem Portikus überdachter Haupteingang verleihen dem Bau sein nobles Erscheinungsbild.
Nach verschiedenen Nutzungen in den 1940er-Jahren – unter anderem als Schlafstätte für Sowjetsoldaten und Seuchenkrankenhaus – wurde das Gebäude in der DDR zum Landambulatorium umfunktioniert. Bis zu 130 Mitarbeiter versorgten hier die medizinischen Bedürfnisse der Region, bis Mitte der 1960er-Jahre fanden sogar Entbindungen statt.
Vom Altenheim zum Mehrgenerationenhaus
Nach der Wende übernahm der Pommersche Diakonieverein die Immobilie und gestaltete sie zum Alten- und Pflegeheim „Annastift“ um, das 1994 eröffnet wurde. Die Namensgebung ehrt zwei sozial engagierte Frauen aus Jarmen: Diakonisse Anna Behrend und Kirchendienerin Anna Dick.
Die überraschende Schließung des Heims im Jahr 2023 war ein Schock für die Stadt, doch bereits ein Jahr später begann die Planung für eine neue, zukunftsweisende Nutzung. Der Diakonieverein kündigte eine umfassende Sanierung im siebenstelligen Bereich an, die das Gebäude zu einem generationsübergreifenden Zentrum machen soll.
Umfassende Sanierung und neue Konzepte
Das gesamte Jahr 2025 stand im Zeichen umfangreicher Sanierungs- und Umbauarbeiten. Mittlerweile sind die meisten Arbeiten abgeschlossen, wie Pressesprecherin Manuela Röthke bestätigt. „Die neuen Bereiche sollen sukzessive eröffnet werden, nach Vorlage der Betriebserlaubnis“, erklärt sie.
Neben der bereits eröffneten Gemeinschaftspraxis sind weitere Einrichtungen geplant:
- Eine Tagespflegeeinrichtung im Erdgeschoss, die noch im März eröffnen soll
- Eine Senioren-Wohngemeinschaft mit zehn Mietplätzen im ersten Obergeschoss
- Acht Apartments für betreutes Jugendwohnen im zweiten Obergeschoss
Offizielle Eröffnung und Perspektiven
Die Tagespflegeeinrichtung lädt bereits am 12. März von 10 bis 16 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Die offizielle Gesamteröffnung des revitalisierten Annastifts ist für den 27. März terminiert, wie Manuela Röthke mitteilt. An diesem Tag haben Interessierte die Möglichkeit, das „neue“ Annastift zu besichtigen und sich über die verschiedenen Angebote zu informieren.
Mit dieser vielschichtigen Nutzung kehrt das Annastift zu seinen medizinischen Wurzeln zurück, während es gleichzeitig moderne Konzepte des Zusammenlebens und der sozialen Versorgung integriert. Das historische Gebäude wird so nicht nur architektonisch, sondern auch in seiner gesellschaftlichen Funktion für Jarmen und die Region erhalten und weiterentwickelt.



