Kinderarzt in Prenzlau sucht dringend Nachfolger für über 5000 Patienten jährlich
Detlef Reichel, ein 68-jähriger Kinderarzt in Prenzlau, steht vor einem Dilemma: Obwohl er längst das Rentenalter erreicht hat, kann er seine Praxis nicht schließen. Seit fünf Jahren sucht er vergeblich einen Nachfolger für seine gut laufende Einrichtung, die jährlich über 5000 junge Patienten versorgt. Die ambulante medizinische Betreuung von Kindern und Jugendlichen in der Uckermark ist damit akut gefährdet.
Eine Praxis mit Tradition und großer Patientenzahl
Vor 35 Jahren ließ sich der gebürtige Sachse Detlef Reichel in Prenzlau nieder und erfüllte sich damit einen langgehegten Traum. Seit 1994 befindet sich seine Praxis am Friedenskamp 38. Die Zahlen sprechen für sich: Pro Quartal rechnet er bis zu 1300 Behandlungsscheine ab, insgesamt sind etwa 16.000 Patienten in seiner Praxis eingeschrieben, die er bis zum Alter von 21 Jahren behandeln kann. "Der Patientenstamm ist da", betont Reichel im Gespräch.
Nachfolgesuche bleibt ohne Erfolg
Trotz anfänglich vielversprechender Kontakte hat sich bislang kein Interessent gefunden, der in die Fußstapfen des erfahrenen Pädiaters treten möchte. "Stand jetzt ist kein Interessent in Sicht", konstatiert Reichel nüchtern. Dies ist umso bedauerlicher, als auch sein ärztlicher Kollege in Prenzlau bereits das Rentenalter erreicht hat und die Versorgungslage in der gesamten Region angespannt ist.
Ärztemangel in der Uckermark
Die Situation in der Umgebung verdeutlicht das Problem:
- Angermünde hat mittlerweile gar keinen Kinderarzt mehr
- Templin verfügt nur noch über einen niedergelassenen und zwei im Medizinischen Versorgungszentrum angestellte Kinderärzte
- Schwedt hat zwei niedergelassene und einen am MVZ angestellten Kollegen
Der demografische Wandel ändert an der grundsätzlich guten Auslastung nichts, wie Reichel betont.
Warum junge Ärzte die Selbstständigkeit scheuen
Der gebürtige Leipziger erklärt den Mangel an Bewerbern vor allem mit veränderten Prioritäten bei der jungen Ärztegeneration. "Bei den jungen Ärzten steht die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Hobbys ganz oben", so Reichel. Viele würden lieber eine Festanstellung in der Klinik oder Gemeinschaftspraxis mit geregelten Arbeitszeiten wählen. Die Selbstständigkeit erscheine vielen zu unsicher und risikobehaftet.
Als niedergelassener Arzt muss man alles in einer Person sein: nicht nur Mediziner, sondern auch Computerexperte, Personalmanager und Hausmeister. "Das muss man wollen", sagt Reichel, der diese Herausforderung stets als reizvoll empfunden hat.
Veränderungen im Berufsbild
Das Berufsbild des Kinderarztes hat sich in den letzten Jahren maßgeblich verändert. Reichel beobachtet eine Zunahme an Sozialpädiatrie und Entwicklungsdiagnostik. "Ich sehe zunehmend psychische Erkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten und depressive Kinder", berichtet der erfahrene Mediziner. Diese Fälle erforderten deutlich mehr Zeit und seien "nicht mit Fünf-Minuten-Medizin abdeckbar".
Unterstützung für potenzielle Nachfolger
Trotz der Herausforderungen ermuntert Reichel junge Kollegen, die Chance auf dem Land zu ergreifen. Die Behörden bieten umfangreiche Unterstützung:
- Ein Startgeld von bis zu 50.000 Euro
- Hilfe bei der Suche nach Wohnraum
- Unterstützung bei der Vermittlung von Kita- und Schulplätzen
"Dieses große Glück hatten wir damals nicht. Und wir haben es trotzdem gepackt", erinnert sich Reichel an seine Anfänge.
Persönliche Perspektive und Ausblick
Der zweifache Vater und Opa eines Enkels hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft: "Ich werde auf jeden Fall nicht länger als 70 arbeiten. Irgendwann muss auch mal Schluss sein". Langeweile im Ruhestand fürchtet der Wahl-Uckermärker nicht. Er freut sich auf mehr Zeit mit der Familie, auf sein Hobby Bergsteigen und auf die Fortführung seines Engagements in der Lokalpolitik.
Bis dahin bleibt die Frage ungelöst, wer die medizinische Versorgung von tausenden Kindern und Jugendlichen in der Uckermark nach seinem Ausscheiden sicherstellen wird.



