Kinderarzt sucht verzweifelt Nachfolger: Landarzt-Praxen droht das Aus
Kinderarzt sucht Nachfolger: Landarzt-Praxen droht Aus

Kinderarzt sucht verzweifelt Nachfolger: Landarzt-Praxen droht das Aus

Die eigene Praxis bei Renteneintritt in gute Hände übergeben – dieser Wunsch bleibt für viele Kinderärzte in Deutschland unerfüllt. Laut aktuellen Prognosen der Kassenärztlichen Vereinigung werden bis Ende 2031 rund die Hälfte aller Kinder- und Jugendärzte in den Ruhestand treten. Doch Nachfolger sind kaum in Sicht, besonders in ländlichen Regionen.

„Ich habe wenig Hoffnung, einen Nachfolger zu finden“

Einer der betroffenen Mediziner ist Mehmet Güler (65). Der erfahrene Kinderarzt plant, seine Praxis im mittelfränkischen Neuendettelsau in etwa fünf Jahren zu schließen, falls sich bis dahin kein Nachwuchsarzt für die Übernahme findet. „Ich suche schon länger, aber es hat bisher niemand Interesse gezeigt, die Praxis weiterzuführen“, berichtet Güler resigniert.

Die Situation ist dramatisch: Ein Kinderarzt aus dem bayerischen Moosburg ging sogar so weit, seine Praxis zu verschenken, um die medizinische Versorgung vor Ort wenigstens kurzfristig zu sichern. Güler selbst hatte 2002 Glück, als er als einziger Bewerber einen frei werdenden Kassensitz in der mittelfränkischen Provinz übernehmen konnte. Heute wäre ein solches Szenario undenkbar.

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Warum junge Ärzte das Land meiden

Mehmet Güler identifiziert mehrere Gründe für das Nachwuchsproblem:

  • Veränderte Lebensprioritäten: „Heute setzen viele junge Menschen die Arbeit nicht mehr an erste Stelle. Sie wollen was vom Leben haben, während sie arbeiten“
  • Attraktivität der Großstadt: Ländliche Regionen können mit urbanen Zentren kaum konkurrieren
  • Geschlechterwandel: Während früher mehr Männer Kinderheilkunde studierten, dominieren heute Frauen das Fach – viele bevorzugen Teilzeit und scheuen die Verantwortung einer eigenen Praxis
  • Finanzielles Risiko: Die hohen Investitionen und laufenden Kosten schrecken ab
  • Personalmangel: Auch qualifizierte Mitarbeiter sind schwer zu finden
  • Steigender Arbeitsaufwand: Administrative Lasten nehmen kontinuierlich zu

Fünf Jahre bis zur möglichen Schließung

Weitere fünf Jahre kann sich Mehmet Güler vorstellen, seine Praxis noch selbst zu führen. Findet sich bis dahin kein Nachfolger, wird er sie schließen müssen. Eine bittere Erfahrung hat er bereits gemacht: „2016 ist eine Ärztin, mit der ich die Praxis gemeinsam hatte, in Rente gegangen. Wir haben vier Jahre lang versucht, eine Nachfolge für ihren Kassensitz zu finden – leider vergeblich.“

Diese Erfahrung prägt seine pessimistische Einschätzung: „Ich habe wenig Hoffnung, einen Nachfolger zu finden.“ Sollte seine Praxis tatsächlich schließen, wäre dies ein weiterer Verlust für die medizinische Grundversorgung in der Region.

Trotz allem: Die Freude an der Arbeit bleibt

Obwohl die Rahmenbedingungen schwierig sind, schätzt Güler nach wie vor seine Tätigkeit: „Man kann selbst planen, seine Schwerpunkte setzen und die Arbeit geht einem nicht aus.“ Vor allem der Kontakt zu den jungen Patienten bereitet ihm Freude: „Die Kinder, die zu uns in die Praxis kommen, geben einem wahnsinnig viel. Ich empfinde das hier auf dem Land als besonders positiv, viele Eltern zeigen eine große Dankbarkeit.“

Dennoch steht die Zukunft seiner Praxis und vieler ähnlicher Einrichtungen auf dem Spiel. Das Nachfolgeproblem in der ambulanten Kinder- und Jugendmedizin ist kein regionales Phänomen, sondern eine bundesweite Herausforderung für das Gesundheitssystem.

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