Mediziner enthüllt: Darum wählten Nawalnys Mörder tödliches Froschgift
Der Mord an dem russischen Oppositionellen Alexej Nawalny wirft weiterhin schwere Fragen auf. Neue Enthüllungen eines renommierten Mediziners beleuchten nun die Hintergründe der tödlichen Vergiftung. Nawalny war im Februar 2024 im Straflager "Polarwolf" unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen.
Warum Froschgift statt Nowitschok?
Der angesehene Intensivmediziner Alexandr Polupan, der im Exil in Lettland lebt, hat jetzt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt, warum die Täter ausgerechnet das Froschgift Epibatidin wählten. Diese hochtoxische Substanz wird von einem ecuadorianischen Frosch namens "Dreistreifen-Baumsteiger" über die Haut abgesondert.
Polupan, der Nawalny persönlich kannte und ihn nach dem ersten Mordanschlag 2020 behandelt hatte, sagte: "Die Mörder haben Epibatidin möglicherweise gewählt, weil es einfacher und sicherer zu handhaben ist und eine zuverlässigere Tötungsmethode darstellt als Nowitschok."
Vorteile des Froschgifts für gezielte Morde
Das Nervengift Nowitschok sei ursprünglich als Massenvernichtungswaffe für Kriegszwecke konzipiert worden, erklärte der Mediziner. Für Einzelmorde eigne es sich deutlich schlechter: "Wer zu hoch dosiert, riskiert viele Kollateralvergiftungen. Wer zu niedrig dosiert, rettet am Ende womöglich das Opfer, wie im Jahr 2020 geschehen."
Epibatidin wirke dagegen ähnlich wie Nowitschok, führe aber zu einer Lähmung der Atemmuskulatur und damit zum Erstickungstod. Der große Vorteil: Das Froschgift eignet sich besser zur individuellen Beseitigung von Gegnern und erfordert keine speziellen Chemikerkenntnisse.
- Einfachere Verabreichung über Nahrung oder Getränke
- Geringeres Risiko von Kollateralschäden
- Zuverlässigere tödliche Wirkung
- Besonders geeignet für Gefängnisumgebungen
Russische Forschung zu tödlichen Giften
Polupan wies darauf hin, dass Moskauer Chemiker im vergangenen Jahrzehnt mehrere Fachartikel über Epibatidin veröffentlicht hatten. "Diese Chemiker hatten offensichtlich die Aufgabe, die Substanz zu studieren, um zu verstehen, wie die Geheimdienste sie benutzen können, um ihre Feinde zu beseitigen", so der Mediziner.
Chronologie der Mordanschläge
- August 2020: Erster Mordanschlag auf Nawalny mit Nowitschok während eines Inlandsflugs. Der Oppositionelle überlebte nach intensiver Behandlung.
- Januar 2021: Nawalny kehrte bewusst nach Russland zurück, obwohl ihm dort Verhaftung drohte.
- 16. Februar 2024: Nawalny starb im Straflager "Polarwolf" in Charp nördlich des Polarkreises.
- Offizielle Version: Die russischen Behörden nannten natürliche Ursachen als Todesgrund - eine Darstellung, die international angezweifelt wird.
Fünf Staaten, darunter Deutschland, hatten im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz erklärt, dass Nawalny vergiftet worden sei. Die Wahl des ungewöhnlichen Froschgifts Epibatidin wirft nun ein neues Licht auf die Methoden, die bei politisch motivierten Morden in Russland angewendet werden.



