Neues Ärztehaus in Altentreptow: Ein Hoffnungsschimmer in der Gesundheitskrise
Am 12. März 2026 wurde in Altentreptow im Beisein zahlreicher lokaler Politiker und Bürger eine neue Stadtambulanz feierlich eröffnet. Dieses Projekt sollte ursprünglich als Befreiungsschlag in der anhaltenden Gesundheitsmisere der Region dienen, doch wer einen genaueren Blick hinter die Kulissen wirft, wird von der harten Realität des ländlichen Gesundheitswesens desillusioniert.
Hochachtung für das Engagement trotz widriger Umstände
Dr. Gerd Machalett, Nordkurier-Leser und erfahrener Arzt, äußert große Hochachtung für das Engagement, die Risikobereitschaft, die Beharrlichkeit und den Optimismus des Organisators Dr. Müller-Sund. Dieser hat als Arzt und Investor versucht, etwas Echtes und Nachhaltiges für die Bürger seiner Heimatstadt zu schaffen. Das Ergebnis dieser nervenaufreibenden Bemühungen stellt jedoch lediglich einen Kompromiss zwischen dem Machbaren und den tatsächlichen Möglichkeiten in der aktuellen Gesundheitswirtschaft dar.
Die Erweiterung des Angebots an Gesundheitsleistungen fällt überschaubar aus: Die drei bereits existierenden Allgemeinarzt-Praxen, die Apotheke, Physiotherapie, private Sprechstunden in Neurochirurgie und Dermatologie, Fußpflege und Ernährungsberatung waren schon vorher in der Stadt verfügbar. Kritisch fehlen jedoch dringend benötigte Einrichtungen wie eine Röntgenabteilung sowie Niederlassungen weiterer Fachärzte, beispielsweise in Gynäkologie und Dermatologie. Diese wurden entweder von der Kassenärztlichen Vereinigung nicht genehmigt oder scheiterten an fehlenden Bewerbern.
Strukturelle Probleme und persönliche Reflexionen
Interessant ist die Einschätzung von Dr. Müller-Sund, dass viele Ärzte die risikoreiche Niederlassung in eigener Praxis scheuen und stattdessen eine angestellte Beschäftigung bevorzugen. Dr. Machalett wirft aus eigener Erfahrung eine grundsätzliche Frage auf: Warum mussten ambulant tätige Ärzte in der DDR damals ökonomische Risiken mit Krediten zu zwölfprozentiger Verzinsung auf sich nehmen, um eine gesamtgesellschaftlich notwendige Versorgung aufrechtzuerhalten? Trotz dieser und vieler weiterer Bedenken sieht er in dem Engagement von Dr. Müller-Sund und seinen Mitstreitern einen echten Lichtblick für die Region.
Dr. Machalett blickt auf eine lange medizinische Laufbahn zurück: 1961 absolvierte er seine Pflichtassistenz im damaligen Kreiskrankenhaus, leistete später während seiner Tätigkeit in Neubrandenburg Hausbesuchsdienste und Nachtdienste auch für den Kreis Altentreptow. Seine über 55 Jahre praktische Tätigkeit in der Medizin beendete er mit zehn Jahren Niederlassung als praktischer Arzt wieder in Altentreptow. Seit 35 Jahren arbeitet er zudem als Außengutachter im Schwerbehindertenrecht für das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern.
Fazit: Die neue Stadtambulanz in Altentreptow symbolisiert ein bemerkenswertes Engagement gegen den Fachkräftemangel und strukturelle Defizite im ländlichen Raum. Sie zeigt jedoch auch deutlich, dass einzelne Initiativen allein die tiefgreifenden systemischen Probleme im Gesundheitswesen nicht lösen können. Es bedarf weiterer Anstrengungen und politischer Weichenstellungen, um eine flächendeckende, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung in strukturschwachen Regionen langfristig zu sichern.



