Michael Kohlmann, der Herren-Bundestrainer des Deutschen Tennis Bundes (DTB), hat sich in einem exklusiven Interview mit SPORT1 begeistert über die Entwicklung von Alexander Zverev geäußert. Der 52-Jährige sieht den Weltranglistendritten als einzigen ernsthaften Herausforderer für Jannik Sinner und Carlos Alcaraz. Gleichzeitig sprach Kohlmann über strukturelle Defizite im deutschen Tennis und die Perspektiven des Nachwuchses, insbesondere von Justin Engel.
Kohlmann: Zverev hat sich von der Konkurrenz abgesetzt
Alexander Zverev spielt eine starke Saison und erreichte bei fünf seiner sechs Turniere das Halbfinale. Ein Titel blieb ihm jedoch verwehrt, da er oft an Jannik Sinner scheiterte. Kohlmann zeigt sich dennoch optimistisch: „Ich habe das Gefühl, dass er sich von dem Rest der Weltspitze ein bisschen abgesetzt hat. Er ist für mich jetzt der einzige wirkliche Herausforderer gegenüber Sinner und Alcaraz.“ Der Bundestrainer ist überzeugt, dass Zverev bei den kommenden Masters-Turnieren oder direkten Duellen endlich als Sieger vom Platz gehen wird.
Psychologische Hürde gegen Sinner
Zverev ist in den vergangenen Monaten immer wieder an Sinner gescheitert. Kohlmann räumt ein, dass dies eine mentale Herausforderung sei: „Das ist schwierig, denn wenn man den Platz betritt, kommt alles wieder hervor. Aber er ist erfahren genug, um mit neuen Matchplänen in die Partien zu gehen. In Miami waren es nur ein, zwei Punkte.“ Der Bundestrainer glaubt, dass in der Sandplatzsaison die Duelle auch für Zverev ausgehen können.
Nachwuchs und strukturelle Defizite
Hinter Zverev klafft eine Lücke, doch Talente wie Justin Engel machen Hoffnung. Kohlmann betont, dass Tennis eine Weltsportart sei und nicht jeder mit 17 Jahren Wimbledon-Sieger werden könne. „Die Jungs brauchen Zeit“, so Kohlmann. Engel, der einzige unter 19-Jährige in den Top 200, hat kürzlich seinen Wohnort und Trainer gewechselt. „Die Kunst wird sein, Ruhe reinzubringen und Kontinuität herzustellen“, erklärt Kohlmann.
Turnierlandschaft in Deutschland
Italien gilt derzeit als beste Tennisnation, was auch an der hohen Dichte an Turnieren liegt. Kohlmann sieht in Deutschland Nachholbedarf: „Auf dem Level unterhalb der ATP und WTA haben wir in den letzten Jahren Verluste hinnehmen müssen. Das tut weh, denn dort können junge Talente sich zeigen.“ Im Sommer sei Deutschland auf Future-Ebene gut aufgestellt, im Winter gebe es Lücken.
Davis Cup und Zukunft des Tennis
Kohlmann zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung des Davis Cups: „Die Bedeutung hat wieder zugenommen. Wir wollen den Titel gewinnen.“ Er befürwortet den neuen Modus mit Heim- und Auswärtsspielen. Zur Zukunft des Tennis äußert er sich gelassen: „Tennis hat ein gutes Fundament. Die Events in Deutschland sind super besucht.“ Er wünscht sich für das Jahr einen Grand-Slam-Sieg von Zverev und eine Fortsetzung der Entwicklung junger Spieler.



