Aspirin zur Vorbeugung von Demenz? Neue Studie zeigt keine positiven Effekte
Aspirin gegen Demenz: Studie zeigt keinen Nutzen

Kein Schutz für das Gehirn: Aspirin zeigt in Studie keine Wirkung gegen kognitiven Abbau

Viele ältere Menschen nehmen täglich niedrig dosiertes Aspirin ein, nicht nur zur Herz-Kreislauf-Vorbeugung, sondern auch in der Hoffnung, ihr Gehirn vor altersbedingtem Abbau zu schützen. Eine aktuelle australische Studie liefert nun ernüchternde Ergebnisse: Für frühe Hirnveränderungen bringt die regelmäßige Einnahme von Aspirin keinen messbaren Vorteil.

Drei Jahre Forschung mit 610 gesunden Senioren

Ein Forscherteam in Australien untersuchte über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt 610 gesunde Menschen im Alter von 70 Jahren und älter. Die Wissenschaftler führten regelmäßige MRT-Aufnahmen des Gehirns durch und analysierten Fotos der Netzhaut, um Veränderungen in den kleinen Gefäßen zu erfassen. Diese mikroskopischen Gefäßveränderungen stehen in engem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle, geistigen Abbau und die Entwicklung von Demenzerkrankungen.

Die zentrale Forschungsfrage lautete: Kann niedrig dosiertes Aspirin diese gefäßbedingten Veränderungen bremsen oder sogar verhindern? Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift The Lancet Healthy Longevity veröffentlicht wurden, sind eindeutig negativ.

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Keine positiven Effekte auf Gehirn oder Netzhautgefäße

Die Studie kam zu dem klaren Ergebnis, dass Aspirin weder die Veränderungen in der weißen Substanz des Gehirns verlangsamte noch einen günstigen Einfluss auf die gemessenen Netzhautgefäße hatte. Es konnte kein protektiver Effekt auf frühe Anzeichen von kognitivem Abbau nachgewiesen werden. Diese Erkenntnisse stellen die verbreitete Praxis in Frage, Aspirin speziell zum Schutz der Gehirngesundheit einzunehmen.

Teil der größeren ASPREE-Studie mit bekannten Risiken

Die aktuelle Untersuchung mit dem Namen ENVIS-ion ist eine Teilstudie der umfangreichen ASPREE-Studie (Aspirin in Reducing Events in the Elderly), an der über 19.000 Teilnehmer beteiligt waren. Bereits die 2018 im New England Journal of Medicine veröffentlichten Hauptergebnisse von ASPREE zeigten, dass Aspirin keinen Nutzen für die Vorbeugung von Demenz, kognitivem Abbau oder Schlaganfällen bei älteren Menschen bietet.

Gleichzeitig wies die Studie auf ein erhöhtes Risiko für schwere Blutungen unter Aspirin-Einnahme hin. Diese Risiko-Nutzen-Abwägung muss bei der Entscheidung für eine vorbeugende Medikation sorgfältig berücksichtigt werden.

Bedeutung für die Praxis und Einschränkungen der Studie

Für den medizinischen Alltag bedeutet dies: Personen, die Aspirin ausschließlich zur Vorbeugung von Hirnabbau einnehmen, finden in diesen wissenschaftlichen Daten keine Unterstützung für diese Strategie. Die Autoren der Studie weisen jedoch auf eine wichtige Einschränkung hin: Der Beobachtungszeitraum von drei Jahren könnte möglicherweise zu kurz gewesen sein, um sehr langfristige Effekte sicher zu erfassen.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer evidenzbasierten Medizin und zeigen, dass nicht jede verbreitete Präventionsmaßnahme wissenschaftlich haltbar ist. Weitere Forschung mit längeren Beobachtungszeiträumen wird notwendig sein, um die langfristigen Auswirkungen von Aspirin auf die Gehirngesundheit endgültig zu klären.

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