Vitamin-D-Mangel in Deutschland weit verbreitet – Neue Studie zeigt klare Zusammenhänge
Eine aktuelle Analyse von Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universität Heidelberg bringt neue Erkenntnisse zum Thema Vitamin D und Sterblichkeit. Die Untersuchung zeigt deutlich: Menschen mit sehr niedrigen Vitamin-D-Werten im Blut haben ein erhöhtes Sterberisiko – und könnten am meisten von einer gezielten Supplementierung profitieren.
Datenauswertung mit über 500.000 Erwachsenen als Grundlage
Die Forscher nutzten für ihre Berechnungen Daten aus der UK Biobank mit mehr als 500.000 erwachsenen Teilnehmern. Durch die Übertragung von Effekten aus zwei großen Vitamin-D-Studien auf diese Bevölkerungsgruppe konnten sie schätzen, wie sich das Sterberisiko über einen Zeitraum von fünf bis sechs Jahren verändert, wenn der Vitamin-D-Spiegel um etwa 30 bis 38 Nanomol pro Liter ansteigt.
Entscheidend ist dabei der individuelle Ausgangswert: Bei Personen mit bereits ausreichenden Vitamin-D-Werten zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Sterblichkeit. Dies deckt sich mit Ergebnissen früherer groß angelegter Studien.
Besonders deutliche Effekte bei starkem Mangel
Anders sieht es bei Menschen mit Vitamin-D-Mangel aus. Bei Werten unter 50 Nanomol pro Liter sank das Sterberisiko durch eine Erhöhung des Spiegels um 15 bis 19 Prozent. Noch deutlicher war der Effekt bei sehr niedrigen Werten unter 30 Nanomol pro Liter – hier lag die Risikoreduktion bei bemerkenswerten 21 bis 25 Prozent.
In allen untersuchten Gruppen zeigte sich das gleiche Muster: Mit steigenden Vitamin-D-Spiegeln nahm das Sterberisiko kontinuierlich ab – bis zu einem Bereich von etwa 50 bis 60 Nanomol pro Liter. Darüber hinaus veränderte sich das Risiko kaum noch, was auf einen Sättigungseffekt hindeutet.
Erklärung für widersprüchliche Studienergebnisse
Die aktuelle Analyse bietet auch eine Erklärung dafür, warum frühere Studien zu Vitamin D oft zu unterschiedlichen oder nicht signifikanten Ergebnissen kamen. Viele Teilnehmer dieser Studien waren bereits ausreichend mit Vitamin D versorgt – bei ihnen war ein zusätzlicher positiver Effekt durch Nahrungsergänzungsmittel in den Untersuchungen nicht nachweisbar.
Die neuen Berechnungen legen nahe, dass ein möglicher Zusammenhang zwischen höheren Vitamin-D-Spiegeln und geringerer Sterblichkeit sich vor allem bei Menschen mit nachgewiesenem Mangel zeigt, während gut versorgte Personen kaum davon profitieren.
Wichtige Einschränkungen der Studie
Die in der Fachzeitschrift Clinical Nutrition veröffentlichte Studie basiert auf Modellrechnungen und Beobachtungsdaten. Sie zeigt statistische Zusammenhänge auf, erlaubt aber keine sicheren Aussagen über Ursache und Wirkung. Um definitiv zu klären, ob Vitamin-D-Gaben tatsächlich das Sterberisiko senken können, sind gezielte klinische Studien notwendig – insbesondere bei Personen mit nachgewiesen niedrigen Vitamin-D-Werten.
Vor dem Hintergrund, dass laut Robert Koch-Institut in Deutschland mehr als die Hälfte der Menschen nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt ist, gewinnen diese Erkenntnisse besondere Bedeutung für die öffentliche Gesundheit.



