Experten schlagen Alarm: Millionen Deutschen droht die Wohnarmut. Eine Studie des Pestel-Instituts im Auftrag der IG Bau warnt vor Armut im Alter aufgrund hoher Mieten. Rund 5,1 Millionen Babyboomern, die bald in Rente gehen, droht die Wohnarmut. Das bedeutet, dass nach Abzug der Miete im Alter zu wenig Geld zum Leben übrig bleibt.
Alarmierende Zahlen für Nordrhein-Westfalen und Bayern
Besonders betroffen sind die Bundesländer Nordrhein-Westfalen mit 1,1 Millionen und Bayern mit 815.000 betroffenen Babyboomern. IG-Bau-Chef Robert Feiger (64) warnt in der „Rheinischen Post“, dass Millionen von ihnen eine Rente von weniger als 800 Euro pro Monat erhalten werden. „Spätestens die Miete drängt einen Großteil der Babyboomer dann in die Wohnarmut“, so Feiger.
Armutsfalle Miete: Großstädte besonders betroffen
Für viele Babyboomer ist die Armutsfalle Miete laut Studie eine reale Bedrohung – vor allem in Großstädten, wo die Mieten seit Jahren stark steigen. Feiger betont, dass die gesetzliche Rente zum Leben reichen muss. Michaela Engelmeier (65), Chefin des Sozialverbands SoVD, warnt in BILD: „Es drohen düstere Zustände, wenn wohnbedingte Armut bereits heute für viele Menschen und auch für zahlreiche Rentner zum Alltag gehört und sich die Situation in den kommenden Jahren noch weiter verschärft.“
Studie umstritten: Experte verweist auf private Vorsorge
Wie dramatisch sich die Wohnarmut tatsächlich entwickelt, ist umstritten. Ökonom Ralph Henger (49, IW Köln) weist gegenüber BILD darauf hin, dass in der Studie lediglich die gesetzliche Rente berücksichtigt wird, nicht jedoch private oder betriebliche Vorsorge. Zudem gibt es Rentner, die eigenes Wohneigentum nutzen und eine kleine Rente beziehen. Henger erinnert an Wohngeld und Grundsicherung im Alter als „zielgerichtete Instrumente, um hohe Mietkosten abzufedern“.
Mietwohnungsmarkt unter Druck: Vermieter ziehen sich zurück
Die Lage auf dem Mietwohnungsmarkt könnte sich weiter verschärfen – nicht nur wegen niedriger Renten, sondern auch wegen eines schrumpfenden Angebots. „Haus & Grund“-Präsident Kai Warnecke (54) schlägt in BILD Alarm: „60 Prozent der Kleinvermieter erwägen, wegen der Überregulierung und deren Folgekosten die Vermietung aufzugeben, ihre Wohnungen sogar zu verkaufen. Die Folge: Das Angebot wird noch knapper, Investitionen bleiben aus. Darunter leiden die Mieter.“
Politik will gegensteuern: Bauen einfacher und billiger machen
Justizministerin Stefanie Hubig (57, SPD) betont gegenüber BILD: „Mieten darf nicht zur Armutsfalle werden – auch nicht im Alter, wenn die Menschen von der Rente leben.“ Die Regierung setze daher darauf, „Bauen einfacher und billiger“ zu machen, um die Wohnungsnot zu lindern.



