Manchmal benötigen auch sehr junge Mädchen eine gynäkologische Untersuchung. Sei es wegen eines Sturzes, einer angeborenen Fehlbildung oder wegen des Verdachts auf sexualisierte Gewalt. Eltern wünschen sich dann vor allem eins: dass ihr Kind in sicheren, einfühlsamen Händen ist. Genau bei diesem Wunsch setzt ein neues Angebot der Universitätsmedizin Rostock an. Die Kinderchirurgie bietet ab sofort eine spezielle gynäkologische Sprechstunde für Mädchen an – ohne Instrumente und mit viel Zeit für Fragen.
Interdisziplinäre Behandlung für komplexe Fälle
In der neuen Sprechstunde erfolgen Untersuchungen zunächst ausschließlich äußerlich und so schonend wie möglich, heißt es seitens der Unimedizin. Verantwortlich für das neue Angebot ist Kinderchirurgin Juliane Kirsch, spezialisiert auf Kinder- und Jugendgynäkologie. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Behandlung von Kindern mit angeborenen Veränderungen am Enddarm, After oder an den Darmnerven. Diese gehen oft mit Problemen der Organe einher, die für Harnbildung und -ausscheidung sowie für Fortpflanzung zuständig sind.
Das Team um die Direktorin der Kinderchirurgie, Stefanie Märzheuser, behandelt solche Fälle seit Jahren. „In der Regel handelt es sich um eine lange und komplexe Therapie“, informiert Stefan Menzel von der Unimedizin. „Umso wichtiger ist es, wenn nun chirurgische, urologische und gynäkologische Expertise Hand in Hand gehen.“
Behutsame Hilfe für betroffene Kinder und Jugendliche
Auch hormonelle Fragestellungen könnten in enger Zusammenarbeit mit der Universitäts-Frauenklinik erörtert werden. Ansprechpartnerin hierfür ist Sabine Körber. Ein weiterer Schwerpunkt: die Versorgung von Kindern, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. „Hier braucht es neben medizinischem Wissen vor allem Einfühlungsvermögen und Behutsamkeit“, sagt Kirsch. Für die sorgfältige Beurteilung und gerichtsfeste Dokumentation arbeitet sie mit Verena Kolbe vom Institut für Rechtsmedizin (Gewaltopferambulanz) zusammen.
Weichenstellung für das ELKI
Die Unimedizin Rostock stärke mit dem neuen Angebot die Versorgung junger Patientinnen in der Region, erklärt der Sprecher. Das stelle die Weichen für das künftige Eltern-Kind-Zentrum (ELKI), in dem Angebote der Kinder- und Jugendmedizin gebündelt werden sollen. Die Sprechstunde findet alle zwei Wochen mittwochs von 9 bis 13 Uhr in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin statt. Eine Überweisung ist erforderlich.



