Liebe mit 73: Wie eine Witwe ihr Selbstbewusstsein zurückgewann
Liebe mit 73: Selbstbewusstsein zurückgewonnen

Mit 73 Jahren noch ein Sexy Beast? Diese Frage stellte sich Doris, eine Freundin der Autorin, nachdem sie nach 40 Jahren Ehe Witwe geworden war. War sie zu alt, zu festgefahren oder zu langweilig für eine neue Liebe? Die Autorin überredete sie, ihre Gedanken und Gefühle zu teilen, und hielt ihre bewegende Reise fest.

Die erste Begegnung nach dem Verlust

„Sie haben eine tolle Stimme“, sagte ein Unbekannter zu Doris. „Das Gespräch mit Ihnen war ein Genuss. Darf ich Sie wiedersehen?“ Es war der Bekannte einer Freundin, selbst Witwer und auf der Suche. Doris hatte ihren Ehemann „zu Tode gepflegt“ und sehnte sich nach einer schweren Zeit nach Leichtigkeit und ein wenig Liebe. „Gern“, antwortete sie, „ich kenne einen wunderbaren Italiener. Wie sieht es nächste Woche bei Ihnen aus?“

Doch dann die Frage: „Wie alt sind Sie?“ „Ich bin 73“, sagte Doris, „ist das ein Problem?“ Unbehagliche Stille. „Darf ich ehrlich sein? Ich hätte lieber etwas Jüngeres. Ich hoffe, Sie sind mir nicht böse.“ „Wie alt sind Sie denn?“, fragte sie. „82“, sagte er. Sie legte wortlos auf. Welch eine Unverschämtheit! Zu alt für einen 82-Jährigen?

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Der Blick in den Spiegel

Vor dem Zubettgehen stellte sich Doris nackt vor den Wandspiegel. Alles war ohne ihre Erlaubnis ein wenig nach unten gerutscht und weicher geworden, aber ihr Mann hatte sich nie beschwert. Gemeinsam waren sie gealtert. Doch jetzt: Zwei alte Menschen, die sich zum ersten Mal nackt begegnen – gruselig oder rührend? Und für einen Jüngeren, der, wie einer Bekannten passiert, ihre Beine streichelte und „Erinnert mich an eine Flusslandschaft“ murmelte, fehlte ihr der schwarze Humor.

War sie nach über 40 Ehejahren und der Zeit als Witwe überhaupt bereit für eine neue Beziehung? Sie kannte die Spielregeln nicht mehr. Flirtete man oder whatsappte man? Tindern, Parship, ElitePartner? Ü70-Partys? Tanztee im Seniorenheim? Kondome – ja oder nein? Gab es noch Zungenküsse? Musste sie bei jeder Berührung um Erlaubnis fragen? Es klang mehr nach Last als nach Lust.

Die Vorzüge des Alleinseins

Doris hatte sich inzwischen an ein Leben ohne Mann gewöhnt. Es hat Vorteile, wenn man nicht mehr fragen muss: „Schatz, ist das auch okay für dich?“ Sie konnte einfach machen, was sie wollte – Serien schauen, nachts Kakao mit Sahne trinken oder spontan nach Paris fliegen. Sie war nicht bedürftig, sie war geliebt und nicht wegen einer Jüngeren verlassen worden. Auch ihre Schamhaare waren noch nicht völlig grau. Aber was genau war ein Brazilian Waxing?

Der Satz des 82-Jährigen ärgerte und verunsicherte sie, aber er sollte nicht das traurige Vermächtnis in ihrem Männerkapitel sein. Wie belebte sie das eingeschlafene Sexy Beast in sich wieder? Vermutlich schnarchte es sogar. Nicht in früher schicken Klamotten, deren Reißverschlüsse sie nicht mehr hochbekam – aber gab es Textilien, die nicht „Hallo, hier ist Oma!“ riefen, auch in Größe 44–46?

Ein neues Mantra

Auf ihrem Kühlschrank klebt ein kluger Satz: Glück finden in der Reduzierung von Glückserwartung. Das ist ihr Mantra. Alles kann, nichts muss. Sie ist offen, aber auch gern allein. Sie erwartet keinen George Clooney. Aber sie traut sich mehr. Wenn ihr ein Mann gefällt, egal ob Lehrer, Handwerker oder Postbote, dann holt sie ihre vertrockneten Flirtreste wieder hervor. Ihre Wimpern sind immer getuscht, damit flirtet es sich besser. Sie lächelt jeden Mann ab 60 an, der ihr begegnet – kostet nichts, macht einfach Spaß.

Kürzlich an der Käsetheke stand ein ratloser Silberfuchs, etwa in ihrem Alter. Sie sprach ihn an: „Ich empfehle den Taleggio, da kann man nichts falsch machen.“ Sie sahen sich an, und für ein paar Sekunden war sie 18. Das will sie öfter sein.

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