Mehr als 90 Jahre nach dem Sturm der Nationalsozialisten auf zahlreiche Gewerkschaftshäuser haben Spezialisten der IG Metall Chemnitz einstiges Raubgut zurückgegeben. Dabei handelt es sich um drei antiquarische Bücher, die einst zur Bibliothek des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes Chemnitz gehörten. Über verschlungene Wege waren sie in die Bestände der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) sowie der Stadtbibliothek Burgstädt gelangt.
Hintergrund der NS-Raubzüge
Die Nationalsozialisten zerschlugen im Mai 1933 die freien Gewerkschaften in Deutschland. Dabei wurden Gewerkschaftshäuser gestürmt und geplündert, Vermögen beschlagnahmt und Funktionäre inhaftiert. Auch die Chemnitzer Gewerkschaftsbibliothek war betroffen. Solche Bibliotheken hatten das Ziel, Fabrikarbeitern und ihren Familien Bildung zu ermöglichen, erläuterte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Chemnitz, Eddie Kruppa. Daher seien sie inhaltlich breit aufgestellt gewesen.
Die zurückgegebenen Bücher
Die drei restituierten Bücher spiegeln diese Breite wider: Eines befasst sich mit der Vogelwelt Europas, ein anderes mit dem sächsischen Volksschulwesen. Das dritte Buch, das einen späteren Stempel des NSDAP-Parteiarchivs trägt, handelt von sozialdemokratischer Arbeit in Berlin.
Die Forschung zu NS-Raubgut in Bibliotheken ist aufwendig. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Hundert Fälle zu NS-bedingter Verfolgung bearbeitet, hieß es von der SLUB. Daraus resultierten etwa 40 Rückgaben. „Wir freuen uns über den Fund der drei Bücher, die 1933 von den Nazis aus der Gewerkschaftsbibliothek geraubt wurden“, erklärte Kruppa. Die Bücher werden als Schenkung in der Obhut der Bibliothekare bleiben, wo sie der Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.



