Wer mit dem Leistungssport aufhört, nimmt oft zu. Bei Matthias Steiner (43) war es genau umgekehrt. Der frühere Olympiasieger bringt Jahre nach seiner Karriere beeindruckende 50 Kilogramm weniger auf die Waage. Auf der OMR in Hamburg erklärte der Ex-Gewichtheber, wie ihm dieser bemerkenswerte Gewichtsverlust gelungen ist.
Von 150 auf 100 Kilogramm: Steiners Weg
Zu Wettkampfzeiten wog der ehemalige Gewichtheber rund 150 Kilogramm – und das bewusst. Das hohe Körpergewicht war Teil seiner Strategie im Superschwergewicht. Er musste einiges dafür tun, um so schwer zu werden. „Ich musste 40 Kilo zunehmen, das war schon eine Herausforderung“, verriet er auf der BILD-Bühne im Gespräch mit FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves. Große Mengen Kohlenhydrate gehörten dazu, teils mehrere Teller Nudeln und Shakes am Tag.
Warum die ersten Kilos schnell purzelten
Nach dem Karriereende fiel der Einstieg ins Abnehmen leichter als erwartet. Der Grund: Steiner musste nicht mehr essen, um sein Gewicht zu halten. Ihm war damals klar: „Wenn ich das weglasse, fällt erst einmal Gewicht.“ Die ersten 20 Kilogramm verlor er deshalb relativ schnell – schlicht, weil er weniger Kohlenhydrate aß. „Statt drei Teller Nudeln isst du dann eben nur noch einen.“
Doch dieser Effekt hielt nicht an. Ab etwa 130 Kilogramm wurde es deutlich schwieriger. Steiner stellte seine Ernährung um, setzte stärker auf eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch und ergänzte mehr Gemüse. Gleichzeitig rückte ein anderer Faktor in den Vordergrund: die mentale Seite. „Ich glaube, Abnehmen ist grundsätzlich eher eine mentale Herausforderung“, erklärte der 43-Jährige.
Kohlenhydrate bewusst reduzieren
Was ebenfalls eine Rolle spielte: Matthias Steiner hat Diabetes Typ 1. Seine Diabetes-Erkrankung half ihm dabei, seinen Körper besser zu verstehen. Über die Insulinpumpe konnte er direkt sehen, wie stark verschiedene Mahlzeiten wirken. Mehr Kohlenhydrate bedeuteten mehr Insulinbedarf – und laut Steiner oft auch mehr Gewicht am Ende der Woche. Trotzdem betont er: „Ich bin kein Low-Carb-Papst.“ Es gehe nicht um Verzicht, sondern um bewusste Auswahl.
Den größten Hebel sieht er nicht beim Essen, sondern bei Getränken. Softdrinks würden den Insulinspiegel ständig anheben. „Je mehr Insulin wir produzieren, desto weniger Fettverbrennung haben wir.“ Seine Empfehlung: vor allem Wasser, Tee oder Kaffee trinken, süße Getränke höchstens zu Mahlzeiten.
Alltag entscheidet über den Erfolg
Neben der Ernährung nennt Steiner einfache, aber entscheidende Faktoren. Wer abnehmen will, sollte zunächst ehrlich festhalten, was er isst – etwa mit Fotos oder Notizen. So würden versteckte Kalorien sichtbar. Bewegung bleibe wichtig, müsse aber in den Alltag passen und Spaß machen. Ein oft unterschätzter Punkt ist für ihn der Schlaf. Ausreichende Erholung beeinflusse Stoffwechsel, Leistung und Essverhalten spürbar. Für Steiner war genau diese Kombination entscheidend auf dem Weg zu 50 Kilogramm weniger.



