Fitnessstudio-Boom erreicht Rekordniveau: Diese Trends dominieren die Branche
Köln • Lesedauer: 6 min
Ob Laufen, Hanteln stemmen oder Rückentraining: Fitness-Übungen sind essenziell, um den Körper in Form zu halten. Bei der Kölner Fitnessmesse Fibo wird der Body-Kult erneut schweißtreibend zelebriert. Deutschlands Fitnessstudios boomen wie nie zuvor. Laut einer aktuellen Studie des Branchenverbandes DSSV und der Beratungsgesellschaft Deloitte haben die etwa 9.600 Standorte rund 12,4 Millionen Mitglieder – ein absoluter Höchstwert. „Wir sind stark wie nie, die Branche floriert“, betont DSSV-Chef Thomas Wessinghage zum Auftakt der Fibo in Köln. Dennoch bewegen sich Millionen Menschen weiterhin zu wenig, das Marktpotenzial bleibt enorm. Ein detaillierter Überblick über die aktuellen Branchentrends.
Krafttraining verdrängt klassische Cardio-Einheiten
„Cardio ist out“, erklärt ein Studiobetreiber, der anonym bleiben möchte. Damit meint er Geräte wie Laufband, Rudergerät, Stepper und Spinning-Bikes. Andere Betreiber bestätigen diese Tendenz, formulieren jedoch moderater. So berichtet der McFit- und John-Reed-Mutterkonzern RSG, dass die Flächenaufteilung in den Studios „klar in Richtung Kraft, Functional Training und Freiflächen verschoben“ wurde. Functional Training umfasst Übungen ohne feste Geräte, etwa Kniebeugen, Ausfallschritte oder Medizinball-Exercises. Der reine Cardio-Anteil sei deutlich reduziert worden. Auch FitX hat seine „Turnecken“ genannten Freiflächen erweitert, und Fitness First verzeichnet „etwas weniger klassische Cardiogeräte“ bei steigender Nachfrage nach Kraft- und funktionellem Training. Eine Sonderrolle nimmt das Hyrox-Training ein, das Laufen mit Workouts kombiniert und eigene Wettkämpfe anbietet.
Aggregatoren erobern den Fitnessmarkt
Neben klassischen Mitgliedschaften gewinnen sogenannte Aggregatoren wie Urban Sports Club an Bedeutung. Diese Plattformen bieten Zugang zu Fitnessstudios, Schwimmbädern, Pilates-Studios und anderen Sportanlagen verschiedener Betreiber. Kunden sind nicht an einzelne Studios gebunden, sondern profitieren von einem breiten Angebot – ideal für Berufsreisende oder Flexibilitätssuchende. Der Aggregatoren-Markt boomt: 2025 nutzten 1,47 Millionen Menschen in Deutschland diese Plattformen, ein Plus von 21,5 Prozent gegenüber 2024. Studiobetreiber betrachten diese Entwicklung ambivalent: Einerseits erreichen sie neue Kundengruppen, andererseits drohen Stammkündigungen zugunsten der flexiblen Alternativen.
Smart Gyms: Fitnessstudios ohne Personal
Für viele ist der persönliche Trainer unverzichtbar, andere bevorzugen ungestörtes Training. „Smart Gyms“ wie die Kette Fitomat setzen auf personallose Studios, die per Smartphone zugänglich und kameraüberwacht sind. In Deutschland, Österreich und der Schweiz betreibt Fitomat bereits 228 solcher Standorte, 2025 kamen 91 hinzu, 2026 sollen weitere 106 folgen. Diese Studios finden sich häufig in kleineren Städten, wo traditionelle Angebote fehlen. „Budget-Fitness und dauerhafte Personalpräsenz sind wirtschaftlich nicht mehr vereinbar“, erklärt Fitomat-Chef Björn Schultheiss. „Attraktive Preise und flächendeckende Präsenz erfordern konsequenten Technologieeinsatz statt teurer Vor-Ort-Strukturen.“
Künstliche Intelligenz revolutioniert das Training
Die Digitalisierung hält auch in der Fitnessbranche Einzug. Künstliche Intelligenz ermöglicht die Erstellung individueller Trainingspläne und reduziert administrative Aufwände. Johannes Maßen von Fitness First berichtet, dass KI bereits für Trainingsplanung und Prozessoptimierung genutzt wird. Die RSG-Group setzt KI ebenfalls zur Trainingsplanerstellung ein, und FitX nutzt sie vor allem in administrativen Bereichen und im Mitgliedersupport. Kieser Training sieht KI als „Werkzeug zur Optimierung der Trainingsanalyse“. Firmenchef Michael Antonopoulos betont: „Bei Kieser ist die KI der Assistent des Trainers, niemals der Ersatz.“
Gesundheit und Langlebigkeit im Fokus
Das Schlagwort Longevity – Langlebigkeit – prägt die Branche. „Longevity bedeutet, auf Schlaf, Ernährung und Bewegung zu achten“, sagt Paralympics-Medaillengewinnerin Denise Schindler. Fitnessstudios positionieren sich als Schlüssel für gesundes Altern. In einer alternden Gesellschaft steigt der Bedarf an Gesundheitsberatung und seniorengerechten Übungen. Auf der Fibo waren innovative Geräte wie das „Flow System“ zu sehen, das durch Über- und Unterdruck die Durchblutung stimuliert. Der DSSV wirbt für Studios als Mittel zur Prävention von Diabetes oder Herzleiden und fordert politische Unterstützung wie Steuererleichterungen für betriebliche Fitnessangebote.
Spezielle Angebote für Frauen gewinnen an Bedeutung
Damit sich Kundinnen wohler fühlen, bieten Studios vermehrt „Lady Gyms“ oder reservierte Frauenbereiche an. Ihr Anteil liegt bei etwa fünf Prozent aller Standorte. McFit implementiert aktuell Frauen-Bereiche, um „einen komfortableren und niedrigschwelligen Einstieg ins Training zu ermöglichen“, so die RSG. Damit reagiert man auf die steigende Nachfrage nach mehr Privatsphäre und Trainingskomfort.



