Bauchschmerzen, Erschöpfung, Beschwerden – und doch heißt es vom Arzt oft nur: „Das ist normal.“ Medizinerin, Buchautorin und Content-Creator Sri Manivannan erklärt im Gespräch, warum vor allem Frauen in der Medizin zu schnell als überempfindlich gelten und wie lebensbedrohlich das werden kann. Anhand realer Fälle zeigt sie, wie Zeitdruck, alte Rollenbilder und fehlendes Mitgefühl zu Fehldiagnosen führen.
Die Problematik der weiblichen Patientin
Im medizinischen Alltag erleben Frauen häufig, dass ihre Symptome nicht ernst genommen werden. „Ich weiß selbst, wie schnell Mitgefühl verloren gehen kann“, gibt Manivannan zu. Der Druck im Krankenhaus sei enorm, und oft bleibe keine Zeit, um auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen einzugehen. Stattdessen würden Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Erschöpfung schnell als psychosomatisch abgetan. Dabei könnten ernsthafte Erkrankungen wie Endometriose oder Herzinfarkte übersehen werden.
Zeitdruck und alte Rollenbilder
Ein wesentlicher Faktor sei der Zeitdruck im Klinikalltag. Ärzte müssten immer mehr Patienten in kürzerer Zeit versorgen. „Da bleibt kaum Raum für Empathie“, so die Medizinerin. Hinzu kämen veraltete Rollenbilder: Frauen würden oft als hysterisch oder übertreibend wahrgenommen. Dies führe dazu, dass ihre Schmerzen nicht adäquat behandelt werden. „Es ist ein systemisches Problem“, betont Manivannan.
Lebensbedrohliche Folgen
Die Konsequenzen können gravierend sein. Manivannan berichtet von Fällen, in denen Frauen mit Herzinfarkt-Symptomen nach Hause geschickt wurden, weil man ihre Beschwerden auf Stress zurückführte. „Das kostet Leben“, warnt sie. Auch bei Erkrankungen wie Endometriose oder Autoimmunerkrankungen dauere es oft Jahre, bis eine korrekte Diagnose gestellt werde. Dabei sei eine frühzeitige Behandlung entscheidend.
Was sich ändern muss
Die Ärztin fordert mehr Sensibilisierung im Gesundheitswesen. Es brauche Schulungen, um geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin zu erkennen. Auch mehr Zeit für Patientengespräche sei nötig. „Mitgefühl ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“, sagt Manivannan. Nur so könnten Fehldiagnosen vermieden und die Gesundheit von Frauen besser geschützt werden.



