Alkohol als tödliche Volksdroge: 44.000 Todesfälle jährlich in Deutschland
Die Zahlen sind alarmierend und entsprechen der Einwohnerzahl einer mittelgroßen Stadt: Jedes Jahr sterben in Deutschland 44.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Dies geht aus dem aktuellen Jahrbuch Sucht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen hervor, das regelmäßig Studien und Daten zu Suchtstoffen zusammenfasst.
Volkswirtschaftliche Belastung in Milliardenhöhe
Neben den tragischen Todesfällen verursacht der Alkoholkonsum in Deutschland jährlich etwa sieben Millionen Krankenhausbehandlungen. Die Experten beziffern die direkten und indirekten volkswirtschaftlichen Kosten auf beeindruckende 57 Milliarden Euro. Trotz eines insgesamt gesunkenen Alkoholkonsums trinken laut dem Bericht rund 8,6 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren alkoholische Getränke in gesundheitlich riskanter Weise.
Das bedeutet konkret: Männer konsumieren dabei mehr als zwei alkoholische Getränke täglich, Frauen mehr als ein Getränk pro Tag. Besonders bedenklich ist, dass etwa 9,5 Millionen Menschen angaben, sich in den vergangenen 30 Tagen mindestens einen Rausch angetrunken zu haben – definiert als mindestens fünf alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit.
Experten fordern politische Maßnahmen
»Schon einfache Maßnahmen zur Alkoholkontrolle könnten helfen, den immer noch hohen Alkoholkonsum in Deutschland zu senken – und die damit verbundene Krankheitslast und die Kosten zu reduzieren«, erklärt Carolin Kilian, Mitautorin des Berichts und Forscherin am National Institut of Public Health in Kopenhagen. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen beklagt in diesem Zusammenhang »große Defizite in der Alkoholpolitik«.
Kilian verweist auf positive Erfahrungen aus Ländern wie Schweden oder Litauen, wo bestimmte regulative Maßnahmen erfolgreich den Konsum und seine negativen Folgen reduziert haben. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören:
- Höhere Verbrauchsteuern auf Alkohol
- Einschränkungen bei der ständigen Verfügbarkeit
- Umfassende Marketingverbote
»Wenn hier die Steuersätze steigen, ist das eine sehr einfache Maßnahme, die direkt und wirkungsvoll Verhaltensänderungen herbeiführen kann«, so Kilian. In Deutschland existiert beispielsweise keine Weinsteuer, und die Biersteuer fällt sehr gering aus.
Tabakkonsum bleibt weiterhin problematisch
Parallel zum Alkoholproblem bleibt auch das Rauchen in der Bevölkerung weit verbreitet. Laut einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2025 raucht etwa ein Drittel (33,7 Prozent) der erwachsenen Bevölkerung. Bei Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren greifen 6,8 Prozent zur Zigarette, bei den 18- bis 25-Jährigen ist es mehr als jeder Vierte (26,3 Prozent).
Der Pro-Kopf-Verbrauch an versteuerten Fertigzigaretten stieg laut Jahrbuch 2025 leicht auf durchschnittlich 795 Zigaretten. Seit einigen Jahren nimmt zudem der Konsum von E-Zigaretten zu – 3,0 Prozent der Menschen zwischen 14 und 64 Jahren nutzen diese alternativen Nikotinprodukte.
Gesundheitliche Folgen und Präventionsmöglichkeiten
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation steht Alkohol mit bis zu 200 verschiedenen Krankheiten in Verbindung, darunter zahlreiche Krebsarten. Alkohol gehört damit zu den führenden vermeidbaren Todesursachen weltweit. Der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland sank zwar im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahr um 1,8 Liter auf 115,1 Liter, bleibt aber auf gefährlich hohem Niveau.
Experten wie Kilian plädieren für konkrete Verfügbarkeitseinschränkungen: »Daneben wäre es sehr wünschenswert, dass Alkohol nicht immer und überall verfügbar ist.« Denkbar sei etwa ein Verkaufsverbot von Alkohol an Tankstellen – »zumindest ein Anfang«, so die Suchtforscherin.
Das Beispiel Litauen zeigt, wie ernsthaft Alkoholpolitik betrieben werden kann: Dort müssen betrunkene Autofahrer ihr Fahrzeug abgeben, das anschließend unfreiwillig an die Ukraine gespendet wird. Solche rigorosen Maßnahmen könnten auch in Deutschland zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung beitragen und die erschreckend hohe Zahl von Alkoholtoten reduzieren.



