E-Patientenakte wird zum digitalen Gesundheitsportal: Terminbuchung und E-Überweisungen geplant
E-Patientenakte: Terminbuchung und E-Überweisungen geplant

E-Patientenakte wird zum digitalen Gesundheitsportal: Terminbuchung und E-Überweisungen geplant

Die elektronische Patientenakte (ePA) soll künftig deutlich mehr Funktionen erhalten und zum zentralen digitalen Zugang zum Gesundheitssystem werden. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant mit einem neuen Gesetzentwurf, dass Versicherte über ihre ePA-Apps nicht nur medizinische Daten einsehen, sondern auch Arzttermine buchen und elektronische Überweisungen erhalten können.

Neue Funktionen ab 2028 geplant

Konkret sollen die gesetzlichen Krankenkassen spätestens ab Februar 2028 zusätzliche Funktionen in ihren ePA-Apps einrichten müssen. Dazu gehören:

  • Eine Terminbuchungsfunktion für Arztpraxen
  • Ein Zugang zu standardisierten Ersteinschätzungen von Beschwerden
  • Bei Bedarf eine Weiterleitung zu Behandlungsterminen

Die Ersteinschätzungen, bei denen Patienten sich durch bestimmte Fragen klicken, werden bereits beim Terminvermittlungsservice der Kassenärzte über die Hotline 116 117 angeboten. Diese bewährten Kanäle sollen nun auch digital verfügbar werden.

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E-Überweisungen ab 2029

Parallel plant das Gesundheitsministerium die Einführung von elektronischen Überweisungen. Ab dem 1. September 2029 sollen Hausärzte diese nutzen können, um Patienten an Fachärzte zu überweisen. Dies ist Teil eines umfassenderen digitalen Versorgungspfades, der elektronische Ersteinschätzungen, Überweisungen und Terminvermittlungen miteinander verbinden soll.

Aktuelle Nutzung noch verhalten

Obwohl rund 70 Millionen der 74 Millionen gesetzlich Versicherten bereits eine elektronische Patientenakte von ihrer Krankenkasse angelegt bekommen haben, nutzen viele diese nicht aktiv. Laut Ministerium hatten zuletzt nur etwa vier Millionen Versicherte eine digitale Gesundheits-Identität, die den Zugriff auf die ePA am Smartphone ermöglicht.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte zwar neue Ideen, wies aber auf grundlegende Probleme hin. „Es gilt erst einmal, das Auto auf die Straße zu bringen“, sagte Vorstand Eugen Brysch. „Zurzeit steht es halbfertig am Straßenrand.“ Verbraucherschützer und Krankenkassen monieren, dass die Identifizierungs- und Freischaltverfahren für viele Nutzer zu kompliziert seien.

Unterstützung und Bedenken

Die Krankenkassen unterstützen die Pläne grundsätzlich. Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, betonte: „Für Patienten bringe es deutliche Vorteile, wenn die E-Akte eine Schlüsselrolle einnehme und mit neuen Services verknüpft werde.“ Allerdings müssten einheitliche Standards bei der Ersteinschätzung gelten, damit Terminvergaben immer nach medizinischer Dringlichkeit erfolgen. „Kommerzielle Interessen haben bei der Terminvermittlung keinen Platz“, so Baas.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) begrüßte, dass bewährte Kanäle wie das System der 116 117 genutzt werden sollen. Gleichzeitig betonte sie, dass die Krankenkassen die Akzeptanz bei den Bürgern noch erheblich steigern müssten, wenn die Politik die Rolle der ePA aufwerten wolle.

Regulierung kommerzieller Plattformen

Der Gesetzentwurf sieht auch Regelungen für bereits bestehende kommerzielle Plattformen für Terminbuchungen vor. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen sollen Anforderungen vereinbaren, die gewährleisten, dass gesetzlich Versicherte einen gleichmäßigen Zugang zur Versorgung erhalten. Dabei soll ausgeschlossen werden, dass Patienten mit Vorerkrankungen nur nachrangig Termine bekommen.

Mit dem Digitalgesetz wird zudem die geplante Einführung eines verbindlichen Systems vorbereitet, bei dem Patienten in der Regel primär eine Hausarztpraxis aufsuchen sollen. Diese soll sie dann bei Bedarf mit Termin in einem bestimmten Zeitraum an Fachärzte überweisen.

Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Chefin des Kassen-Spitzenverbandes, betonte: „Das unterstütze Versicherte, dort medizinisch versorgt zu werden, wann und wo sie es benötigen.“ Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet damit einen weiteren wichtigen Schritt voran.

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