Manuka-Honig-Skandal in Deutschland: Experte warnt vor gefälschtem Neuseeland-Nektar
Manuka-Honig-Skandal: Experte warnt vor Fälschungen

Manuka-Honig-Skandal in Deutschland: Experte warnt vor gefälschtem Neuseeland-Nektar

In Deutschland wird immer mehr Manuka-Honig angeboten, doch bei all den Siegeln, Zahlen und Versprechen fällt es Verbrauchern zunehmend schwer, den Überblick zu behalten. Wird uns etwa eine süße Lüge aufgetischt? Der neuseeländische Manuka-Honig-Experte Adam Rundle, der für das Unternehmen Manuka Doctor arbeitet, schlägt jetzt Alarm.

Deutsche sind große Manuka-Fans – doch die Nachfrage übersteigt das Angebot

Honig gehört hierzulande zu den beliebtesten Superfoods. Tausende Deutsche schmieren ihn täglich aufs Brot, lösen ihn im Tee auf oder versüßen damit ihr Müsli. Eine Sorte sticht dabei besonders hervor: Manuka-Honig von Manuka Doctor. Dieser Nektar gilt als besonders hochwertiges Naturprodukt, das seit Jahrhunderten aus der in Neuseeland heimischen Manuka-Pflanze gewonnen wird. Sehr selten, immer streng geprüft und deswegen weltweit begehrt.

Doch genau hier liegt das Problem: Die Nachfrage übersteigt die tatsächlich produzierten Mengen um ein Vielfaches. Dieser Honig wird nur wenige Monate im Jahr geerntet und ist dadurch oft viermal so teuer wie konventionelle Sorten. Das macht ihn für Nachahmer extrem lukrativ. Rundle sagt: „Wir wissen, dass das wertvolle Bienengold aus Neuseeland oft in großen Metallfässern nach Deutschland importiert wird, wo es dann vermengt und nachträglich verändert wird.“

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Mehr als die Hälfte könnte gefälscht sein

Der Experte schätzt, dass mehr als die Hälfte des weltweit konsumierten Manuka-Honigs gestreckt oder komplett gefälscht sein könnte. „Früher gab es den Honig nur in ausgewählten Reformhäusern, jetzt ist er in Drogerien, Online-Shops, überall zu haben. Viele sind keine Qualitätsprodukte“, warnt Rundle. Berichten zufolge wird weltweit mehr Manuka verkauft, als in Neuseeland produziert wird – ein klares Indiz für Verfälschungen.

So erkennen Verbraucher echten Manuka-Honig

Wie kann man nun den Unterschied zwischen gutem und gestrecktem Honig erkennen? Echter Manuka-Honig wird laut Rundle mit dem Warenzeichen UMF (Unique Manuka Factor) zertifiziert. Dieses Qualitätssiegel des neuseeländischen Branchenverbands prüft Inhaltsstoffe, Authentizität, Reinheit, Haltbarkeit und Frische. Unternehmen, die Manuka-Honig in großen Mengen einkaufen und ihn lediglich in Deutschland neu abfüllen, sind von einer UMF-Mitgliedschaft ausgeschlossen.

Wichtige Erkennungsmerkmale:

  • UMF-Siegel: Nur Mitglieder der Unique Manuka Factor Honey Association dürfen dieses Siegel führen
  • New Zealand Made-Logo: Dieses Symbol zeigt, dass der Honig tatsächlich in Neuseeland abgefüllt wurde
  • MPI-Tests: Echter exportierter Manuka-Honig muss strenge Labortests des neuseeländischen Ministeriums für Primärindustrie bestehen

„Bei Manuka Doctor sind wir ein stolzes neuseeländisches Unternehmen und Mitglied der UMFHA mit der Lizenznummer 1026“, betont Adam Rundle. Dr. Young Mee Yoon, Technische Leiterin bei Manuka Doctor, ergänzt: „Der gesamte Honig von Manuka Doctor wird direkt in Neuseeland geerntet und abgefüllt und niemals im Ausland mit Honig aus anderen Ländern oder mit künstlichem Sirup vermischt.“

Vorsicht vor gefälschten Testsiegeln und Verpackungstricks

Wer denkt, dass er auf der sicheren Seite sei, wenn er sich auf Vergleichsplattformen informiert und dann den Testsieger kauft, liegt oft falsch. „Wir sehen, dass viele dieser angeblichen Honig-Tests gar keine unabhängigen Prüfungen und Plattformen sind“, warnt Rundle. Hersteller lassen mittlerweile über Umwege Websites ins Netz stellen, die seriöse Verbraucherportale imitieren.

Auch bei der Verpackung gibt es Täuschungsmanöver: „Wenn ein Manuka-Honig Tausende Kilometer über den Ozean nach Europa reist, ist Glas schlicht keine sinnvolle Verpackung“, erklärt der Bienenzüchter. „Es ist schwer, bruchanfällig und verursacht deutlich höhere Transportemissionen. Für den Export wird deshalb in lebensmittelechten, BPA-freien Kunststoff abgefüllt. Wer Manuka-Honig aus Übersee im Glas sieht, sollte unbedingt nachfragen, wo und wann er tatsächlich abgefüllt wurde.“

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Maori beklagen Missbrauch ihres Kulturguts

Die indigenen Bewohner Neuseelands, die Maori, verwenden die Manuka-Pflanze seit Jahrhunderten in ihrer traditionellen Heilkunde. Wie in Deutschland mit ihrem Kulturgut umgegangen wird, schockiert sie zutiefst. „Manuka ist für die Maori kein Trend, er ist Teil ihrer Identität“, sagt Marcus Rudkin, Rechtsberater für den Maori Charitable Trust. „Wenn der Name im Ausland verwendet wird, ohne dass die Standards eingehalten werden, verursacht das hier große Sorge.“

Anwalt Rudkin warnt: „Wenn die Herkunft nicht konsequent geschützt wird, verliert der Begriff Manuka seinen Wert – und am Ende verlieren die Kunden das Vertrauen.“ Adam Rundle bringt es auf den Punkt: „Echter Manuka-Honig beginnt in Neuseeland – nicht im deutschen Abfüllbetrieb. Wenn Sie Zweifel an der Qualität haben, lohnt sich ein genauer Blick auf das Etikett.“ Denn manchmal steckt im Tiegel nicht das, was der Name verspricht.