Gesundheitsreform-Wartezeit belastet Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern
Die Ungewissheit über die bundesweite Gesundheitsreform belastet Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern erheblich. Bei einem Bürgerdialog in Crivitz forderten rund 80 Einwohner klare Perspektiven für ihr örtliches Krankenhaus, während Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) auf Entscheidungen aus Berlin verweist.
Bürger fordern Planungssicherheit für Krankenhaus Crivitz
Gleich zu Beginn der Veranstaltung in der Aula der Regionalschule Crivitz wurde die Dringlichkeit deutlich. Ein Bürger namens Herr Focke fragte nach der Arbeitsplatzsicherheit im Krankenhaus und kritisierte, dass Chefärzte gehen und Planungssicherheit fehle. „Warum dauert alles so lange?“, wollte er wissen und betonte die Bedeutung der Erstversorgung in der Region. „Bitte fangen Sie endlich an.“ Seine Sorge: Am Ende könnte der gesamte Standort Crivitz infrage stehen.
Sozialministerin Drese widersprach entschieden: „Alle 37 Standorte in Mecklenburg-Vorpommern inklusive Crivitz brauchen wir. Wir stehen als Landesregierung dahinter.“ Im Landkreis Ludwigslust-Parchim gehe es nun darum, welche Ausrichtung die drei Standorte künftig erhalten sollen. Der Krankenhausplan solle im Mai vorliegen, anschließend werde der Medizinische Dienst prüfen, wobei Drese mit etwa einem halben Jahr Prüfzeit rechnet.
Ministerin verweist auf Bundesebene und historische Reformen
Die Ministerin zeigt sich gelassen gegenüber der eigentlichen Krankenhausstruktur, die auf Bundesebene beschlossen werden muss. Mecklenburg-Vorpommern als Flächenland habe bereits in den 1990er-Jahren die Zahl der Krankenhausstandorte von 55 auf 37 reduziert und die Bettenzahl von 30.000 auf 19.000 gesenkt. Wann das sogenannte „Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz“ greifen wird, bleibt jedoch offen. Das Gesetz müsse laut Drese noch den Bundestag und den Bundesrat passieren, wobei sie mit einer Entscheidung Ende März rechnet.
Förderverein und Mitarbeiter fordern konkrete Schritte
Ulrich Küßmann vom Förderverein Krankenhaus Crivitz nahm die Ministerin beim Wort und kritisierte, dass im Schweriner Ministerium die Lage vor Ort nicht hinreichend bekannt sei. „Es müsse möglich sein, zumindest grobe Strukturen festzulegen, gerade für Fachbereiche wie Chirurgie und Orthopädie.“ Sicherheit für Ärzte und Angestellte entstehe nur durch klare Aussagen.
Doch Drese blieb bei ihrer Linie: „Wir müssen auf das Bundesgesetz warten.“ Leistungsgruppen ließen sich derzeit noch nicht verbindlich zuordnen, und alle Personalfragen seien letztlich Sache der Krankenhäuser selbst.
Anja Jacobs, Mitarbeiterin im Krankenhaus Crivitz, hält die politischen Ansätze für nicht innovativ genug. Sie verwies auf das laufende Pilotprojekt „Community Health Nurses“, das eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zum Ziel hat. „Unsere Arbeit holt die Menschen ab. Der Erhalt der Selbstständigkeit und die Gesundheitsförderung stehen dabei im Mittelpunkt.“ Das Gesundheitssystem beginne oft erst dort, wo Krankheit einsetzt. „Warum nicht mutig die Pflege als Profession stärken? Es gibt viele Aufgaben, die nicht immer der Arzt abfangen muss.“ Folglich müsse solch ein Pilotprojekt weitergeführt werden.
Strukturelle Probleme und bürokratische Hürden
Gabi Püreck blickte auf strukturelle Fragen und kritisierte die unzureichende Nutzung von Diagnostikgeräten wie CT-Scannern: „Es kann nicht sein, dass nur 80 Patienten im Krankenhaus die Leistung nutzen können.“ Menschen warteten Monate auf Termine oder müssten bis nach Hamburg fahren. Hier brauche es dringend Veränderungen.
Pinnows Bürgermeister Günter Tiroux mahnte, man dürfe sich nicht länger im Korsett alter Strukturen bewegen: „Wir müssen über unseren Schatten springen, sonst sprechen wir in 30 Jahren über die gleichen Wünsche.“
Drese notierte die Hinweise, verwies jedoch bei der ambulanten Nutzung von Technik auf die Kassenärztliche Vereinigung, bei der das Ministerium nicht allein entscheiden könne. Ein Besucher forderte daraufhin eine Bundesratsinitiative aus Mecklenburg-Vorpommern, um neue Projekte nicht auszubremsen.
Immer wieder klang an diesem Abend Unverständnis über das komplexe System mit 94 Krankenkassen in Deutschland an. Weniger Bürokratie, so der Tenor, würde Mittel freisetzen für eine funktionierende Versorgung auch auf dem Land.
Klinikgeschäftsführer appelliert an Bundespolitik
Zum Schluss meldete sich Alexander Gross, Geschäftsführer der Kliniken im Landkreis Ludwigslust-Parchim, zu Wort. „Auf der Bundesebene ist man nicht so weit, wie es die Kliniken bräuchten.“ Vor allem die Finanzierung sei offen und erschwere die Planungssicherheit. In den kommenden drei Wochen wolle er die Mitarbeiter der drei Häuser über die nächsten Schritte informieren. Sein Appell nach Berlin: „Jetzt muss die Bundespolitik liefern.“
Was die Bezahlung der Ärzte betrifft, wies Gross Kritik zurück. Die Fachkräfte in Crivitz seien nicht unterbezahlt, was der Marburger Bund bestätigt habe.
Zwischen Zusage und Zögern: Die Zukunft bleibt ungewiss
Am Ende blieb ein Abend zwischen Zusage und Zögern. Die Landesregierung bekennt sich zwar zum Standort Crivitz, doch konkrete Perspektiven hängen am Bundesgesetz. Die Menschen in Crivitz haben deutlich gemacht: Sie wollen nicht nur Reformen auf dem Papier, sondern Sicherheit für ihr Krankenhaus vor Ort. Die Wartezeit auf Entscheidungen zur Gesundheitsreform belastet die Kliniken weiterhin, während jede Woche zählt.



