Iran-Konflikt gefährdet Medikamentenversorgung: Experten warnen vor wachsenden Risiken
Iran-Krieg: Medikamente könnten knapp werden

Iran-Krieg bedroht globale Arzneimittelversorgung

Der anhaltende Konflikt im Iran stellt zunehmend eine Gefahr für die weltweiten Lieferketten von Medikamenten dar. Nach bereits spürbaren Auswirkungen auf den Benzinmarkt wachsen nun auch die Sorgen um die Verfügbarkeit wichtiger Arzneimittel. Experten und Verantwortliche im Gesundheitswesen äußern sich besorgt über die sich verschärfende Situation.

Alarmierende Signale aus Großbritannien

Jim Mackey, der Chef des britischen Gesundheitssystems, hat in einer Radiosendung bei LBC Radio öffentlich Alarm geschlagen. „Wir sind darüber sehr besorgt“, erklärte der 59-Jährige und verwies auf die prekäre Abhängigkeit seines Landes. Großbritannien importiert etwa 75 Prozent seiner Medikamente, wobei die Vorräte mancher Produkte nur wenige Wochen oder sogar Tage reichen.

Deutsche Position: Wachsende Sorge bei noch keinem akuten Notstand

In Deutschland fällt die Einschätzung bisher weniger alarmistisch aus, doch auch hier wächst die Besorgnis. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken von der CDU hatte bereits kurz nach Kriegsausbruch auf mögliche Folgen für die Arzneimittelversorgung hingewiesen. „Zwar sieht sie derzeit keine akute Gefahr, zugleich betonte sie jedoch, dass viele wichtige Medikamentenlieferungen über die Straße von Hormus laufen“, heißt es aus Regierungskreisen.

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Betroffene Grundstoffe und spezifische Medikamente

Nach Informationen sind von den aktuellen Lieferschwierigkeiten vor allem essenzielle Grundstoffe betroffen, die für die Herstellung eines Großteils der Medikamente unverzichtbar sind. Fehlen diese Rohstoffe, kann die Produktion vieler Arzneimittel nicht oder nur eingeschränkt erfolgen. Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, warnt: „Der Krieg im Iran wirkt sich auch auf die Pharmaindustrie in Deutschland aus“.

Gesundheitsökonom Prof. Dr. David Matusiewicz weist auf besonders vulnerable Bereiche hin:

  • Krebsmedikamente, die auf zuverlässige Kühlketten angewiesen sind
  • Moderne Biologika gegen Autoimmunerkrankungen
  • Andere temperaturempfindliche Präparate
  • Wichtige Notfallmedikamente wie Insulin

Langfristige Risiken und aktuelle Lage in Apotheken

„Momentan besteht keine akute Gefahr einer breiten Unterversorgung, doch die Risiken wachsen“, betont Matusiewicz. Je länger der Konflikt andauere, desto wahrscheinlicher würden Lieferverzögerungen, Preiserhöhungen oder temporäre Ausfälle einzelner Medikamente. Christian Splett von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände gibt zu bedenken: „Lieferengpässe sind seit Jahren ein Problem in den Apotheken – aktuell sehen wir aber keine neuen, speziell durch die geopolitische Lage“.

Die Kombination aus steigenden Transport- und Materialkosten, möglicher Heliumknappheit und der Abhängigkeit von Rohstoffen aus der Krisenregion belastet die Versorgungskette zunehmend. Die politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen des Iran-Konflikts könnten somit direkte Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme in Europa haben.

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