Krankentransporte in MV vor dem Aus? Taxiunternehmen drohen mit Streik ab 1. April
In Mecklenburg-Vorpommern blicken zahlreiche Patienten, die auf unqualifizierte Krankentransporte angewiesen sind, mit Sorge auf den kommenden Monat. Ab dem 1. April könnten viele Taxiunternehmen des Landes ihre Fahrten für Krankenkassen einstellen, falls die aktuellen Verhandlungen über die Vergütung scheitern sollten. Der Konflikt zwischen dem Landesverband des Taxi- und Mietwagengewerbes MV (LVTM) und den Krankenkassen schwelt bereits seit Langem und hat nun eine kritische Phase erreicht.
Verhandlungen auf der Kippe: LVTM und Kassen ringen um Einigung
Nach monatelanger Funkstille haben sich die Vertreter des Taxiverbands sowie der Kranken- und Ersatzkassen am 12. März zu erneuten Sondierungsgesprächen getroffen. Laut dem Verband Deutscher Ersatzkassen (vdek) gab es dabei eine „Annäherung“. Beide Seiten zeigten sich zuversichtlich, in den angekündigten Gesprächen am 23. und 24. März zu einer Einigung zu kommen. Bis nach diesen Verhandlungen wollen die Beteiligten jedoch keine weiteren Auskünfte an die Presse geben.
Der Vorsitzende des LVTM, Guido Sembach, betont die Dringlichkeit einer Lösung: „Unsere Autos fahren doch nicht mit Luft und Liebe.“ Hohe Spritpreise und steigende Betriebskosten setzen die Taxiunternehmen unter enormen Druck. Für manche Betriebe sei es aktuell sogar günstiger, gar nicht zu fahren, als Verluste bei den Krankentransporten hinzunehmen.
DAK setzt auf Einzelverträge – Kritik vom Taxiverband
Während die meisten Krankenkassen an landesweiten Kollektivverträgen festhalten, geht die DAK-Gesundheit einen eigenen Weg. Die Kasse war bereits vor zwei Jahren aus den Kollektivverträgen ausgestiegen und setzt seither auf Einzelverträge mit Unternehmen. DAK-Sprecher Stefan Poetig erklärt: „Unsere Versicherten werden weiterhin von ihrem Wohnort zu ihren Behandlungsorten gefahren und wieder zurück.“ Aktuell verfüge die DAK über rund 350 ungekündigte Einzelverträge in Mecklenburg-Vorpommern, die eine flächendeckende Versorgung sicherstellen sollen.
Doch der LVTM-Vorsitzende Guido Sembach warnt vor den Risiken dieser Strategie: Bei Einzelverträgen könnten Preise unterhalb der Wirtschaftlichkeitsgrenze verhandelt werden, da einzelne Betriebe in Verhandlungen weniger Gewicht hätten. Colin Schwebke von Taxi Rostock konkretisiert die Kritik: „2,50 Euro auf den laufenden Kilometer sind die absolute Untergrenze, aktuell sind es 1,55 Euro, die die DAK zahlen will.“ Dabei orientieren sich genehmigte regionale Taxi-Tarife an Mindestaufwendungen, die laut Schwebke deutlich höher liegen.
Rostocker Unternehmen kündigen Zusammenarbeit auf
In Rostock eskalierte der Konflikt bereits Anfang des Jahres: Acht Transportunternehmen kündigten medienwirksam die Zusammenarbeit mit der DAK auf, nachdem die Vergütungsverhandlungen gescheitert waren. Ronald Millich, Inhaber einer Ambulanz, die sowohl qualifizierte als auch unqualifizierte Transporte anbietet, beschreibt die Situation: „Man kann das nicht mehr kalkulieren bei den unqualifizierten Transporten. Die Steigerungen tragen die Krankenkassen nicht mit, dabei explodieren die Kosten an allen Ecken und Enden.“
Ein weiteres Problem sei das Ost-West-Gefälle in der Vergütung. Colin Schwebke rechnet vor: „Nehmen wir einen schlechten Krankenkassenvertrag aus dem Westen mit 2,25 Euro und rechnen die Differenz zu dem, was wir bekommen haben (1,75 Euro/1,55 Euro), dann komme ich bei unseren Unternehmen auf eine Differenz von 300.000 Euro im Jahr 2025.“ Zudem erhalten Taxiunternehmen im Gegensatz zum öffentlichen Personennahverkehr keine Subventionen, was die finanzielle Belastung zusätzlich erhöht.
Entscheidende Tage für die Patientenversorgung
Die kommenden Tage werden zeigen, ob eine Einigung zwischen LVTM und Krankenkassen möglich ist. Sollten die Verhandlungen scheitern, droht ab dem 1. April ein massiver Ausfall der Krankentransporte in Mecklenburg-Vorpommern. Für viele Patienten, insbesondere in ländlichen Regionen, wäre dies eine erhebliche Herausforderung, da sie auf diese Fahrten angewiesen sind, um Arzttermine oder Klinikbesuche wahrnehmen zu können.
Die Taxiunternehmen betonen, dass Krankenfahrten für sie oft die verlässlichste Einnahmequelle darstellen, doch die aktuellen Vergütungen reichten nicht mehr aus, um die Kosten zu decken. Ob die Krankenkassen nachziehen oder die Taxiunternehmen tatsächlich ihre Dienste einstellen, bleibt abzuwarten. Die Patienten in MV hoffen auf eine schnelle Lösung, um ihre medizinische Versorgung nicht zu gefährden.



