ADHS im Berufsleben: Späte Diagnose als Schlüssel zum Erfolg
Lange Zeit galt ADHS als eine Störung, die ausschließlich Kinder und Jugendliche betrifft. Dieser Irrglaube ist mittlerweile widerlegt, denn immer mehr Erwachsene erhalten die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Dennoch fehlt es oft an einem tiefgreifenden Verständnis dafür, wie ADHS den beruflichen Alltag prägen und beeinflussen kann.
Expertenrat: Selbstreflexion als Grundlage für beruflichen Erfolg
Heiner Lachenmeier, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, betont im SPIEGEL-Podcast »Smarter leben«, dass genau dieses Verständnis entscheidend ist, damit Betroffene im Job gut zurechtkommen. Lachenmeier, der selbst erst spät diagnostiziert wurde und das Thema ADHS im Erwachsenenalter zu seinem Arbeitsschwerpunkt gemacht hat, rät: "Man sollte sich unbedingt damit beschäftigen, wie man funktioniert und ganz nüchtern schauen: Wo habe ich Vorteile, wo habe ich Nachteile und wie gehe ich damit um?"
Hyperfokus: Fluch und Segen zugleich
In sozialen Medien wird der Hyperfokus bei Menschen mit ADHS häufig als besondere Stärke gepriesen – die Fähigkeit, sich stundenlang intensiv auf eine interessante Aufgabe zu konzentrieren. Einige sprechen sogar von einer Art Superkraft. Lachenmeier relativiert diese Sichtweise: "Der Hyperfokus, den gibt es positiv und negativ – das ist wichtig zu wissen. In den meisten Büchern wird nur der positive Fokus beschrieben. Und den Begriff Superkraft finde ich tendenziös." Er betont, dass Menschen mit ADHS weder besser noch schlechter seien als andere, sondern einfach anders.
Der Hyperfokus biete zwar die Chance, besondere Leistungen zu erbringen, doch nicht jeder Betroffene könne diese Fähigkeit gleichermaßen nutzen. Es geht darum, die individuellen Stärken zu erkennen und gezielt einzusetzen, während Schwächen durch geeignete Strategien ausgeglichen werden.
Offenheit im Team und beruflicher Werdegang
Wichtige Fragen im Zusammenhang mit ADHS im Beruf sind: Was sollten Kollegen und Vorgesetzte über die Störung wissen? Wie offen können Betroffene mit ihrer Diagnose umgehen? Und welche Faktoren beeinflussen, ob ein Lebenslauf mit ADHS erfolgreich verläuft? Diese Themen werden im Podcast vertieft diskutiert, wobei Lachenmeier praktische Ratschläge für den Umgang mit ADHS in Arbeitsumgebungen gibt.
Die Erkenntnis, dass ADHS auch im Erwachsenenalter eine Rolle spielt, eröffnet neue Perspektiven für die berufliche Entwicklung. Durch gezielte Selbstreflexion und ein besseres Verständnis der eigenen Denkprozesse können Betroffene nicht nur Herausforderungen besser steuern, sondern auch ihr volles Potenzial entfalten.



