Fastenzeit startet: Warum bewusster Verzicht unsere Psyche stärkt und Resilienz fördert
Fastenzeit: Warum bewusster Verzicht Psyche stärkt

Fastenzeit beginnt: Bewusster Verzicht als Stärkung für Psyche und Persönlichkeit

Am Aschermittwoch startet traditionell die 40-tägige Fastenzeit, die für viele Christen bis Ostern andauert. Doch unabhängig von religiösen Hintergründen nutzen immer mehr Menschen diese Wochen als Anlass, bewusst auf alltägliche Annehmlichkeiten oder liebgewonnene Gewohnheiten zu verzichten. Ob der Verzicht auf Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten oder das Dauerscrollen in sozialen Medien – diese bewusste Entscheidung kann positive Effekte auf die psychische Gesundheit haben.

Ritualisierter Rahmen für bewusste Veränderungen

Steffen Häfner, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, erklärt im Interview, warum die Fastenzeit für viele Menschen einen idealen Rahmen bietet: „Die Fastenzeit ist ritualisiert und bietet feste Zeiträume, die helfen, einen bewussten Schnitt zu machen. Viele sagen sich: ‚Jetzt probiere ich mal etwas anderes‘ oder ‚Ich möchte wieder mehr Kontrolle in bestimmten Bereichen gewinnen.‘“ Selbst ohne religiösen Bezug kennen viele Menschen diesen Zeitraum zwischen Karneval und Ostern, was die Umsetzung erleichtert.

Psychologische Effekte des bewussten Verzichts

Der wichtigste psychologische Effekt des Verzichts liegt laut Häfner darin, dass Menschen wieder erleben: „Es geht auch ohne.“ In unserer Konsumgesellschaft, in der alles ständig verfügbar ist, sei diese Erfahrung nicht mehr selbstverständlich. Wer es schaffe, fast sieben Wochen auf bestimmte Gewohnheiten zu verzichten, erlebe Selbstwirksamkeit – das Gefühl, Kontrolle über das eigene Verhalten zu haben.

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„Das ist ein sehr stärkendes Gefühl,“ betont der Experte. „In der Psychotherapie kennen wir ähnliche Mechanismen aus der Angstbehandlung: Wenn Menschen schrittweise erleben, dass sie etwas schaffen, trauen sie sich danach mehr zu.“ Langfristig könne bewusster Verzicht sogar die Resilienz stärken, also die psychische Widerstandskraft. Wer gelernt habe, mit Entbehrungen umzugehen, verfüge über Strategien, um besser mit Belastungen oder Krisen zurechtzukommen.

Praktische Tipps für eine positive Fastenerfahrung

Damit der Verzicht zu einer positiven Erfahrung wird, empfiehlt Häfner einen realistischen Start ohne Überforderung. Für viele Menschen sei der Verzicht auf Social Media oder bestimmte Konsumgewohnheiten alltagstauglicher als klassisches Nahrungsfasten. Entscheidend sei die positive Gestaltung des Verzichts.

Hilfreiche Strategien für die Fastenzeit:

  • Realistische Ziele setzen: Nicht zu viel auf einmal vornehmen
  • Positive Belohnungen planen: Sinnvolle Belohnungen, die wirklich guttun
  • Kleine Highlights einbauen: Damit die Zeit nicht nur nach Entbehrung aussieht
  • Das Umfeld einbeziehen: Vorher kommunizieren, um Druck und Missverständnisse zu vermeiden
  • Gemeinsam verzichten: In Gruppen oder Familien kann die Motivation besser aufrechterhalten werden

Häfner betont: „Wer vorher kommuniziert: ‚Ich bin jetzt weniger erreichbar‘ oder ‚Ich schaue nur noch einmal am Tag aufs Handy‘, nimmt Druck raus. Oft reagieren andere sogar positiv, weil viele insgeheim denken: Eigentlich müsste ich das auch mal machen.“

Langfristige Perspektiven über die Fastenzeit hinaus

Die Fastenzeit kann als Startpunkt für langfristige Verhaltensänderungen dienen. Wer positive Erfahrungen mit bewusstem Verzicht macht, entwickelt oft ein besseres Gespür für die eigenen Bedürfnisse und Grenzen. Die gewonnene Selbstwirksamkeit kann sich auf andere Lebensbereiche übertragen und das allgemeine Selbstvertrauen stärken.

Steffen Häfner ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit Zusatzbezeichnung für Naturheilverfahren und ärztlicher Direktor der Klinik am schönen Moos. Seine Erfahrungen zeigen, dass bewusster Verzicht nicht nur während der Fastenzeit, sondern als regelmäßige Praxis im Alltag integriert werden kann, um psychische Stabilität und persönliches Wachstum zu fördern.

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