Ein Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ vor der Küste Kap Verdes sorgt für weltweite Aufmerksamkeit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass sich die Insassen gegenseitig angesteckt haben. Bislang wurden sieben Infektionsfälle bestätigt oder stehen unter Verdacht, drei Menschen sind gestorben. Das Schiff mit rund 150 Passagieren und Besatzungsmitgliedern liegt seit Tagen fest, während die Behörden die Lage zu kontrollieren versuchen.
WHO vermutet Übertragung von Mensch zu Mensch
„Wir vermuten, dass es bei sehr engem Kontakt eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt“, erklärte WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove. Der erste erkrankte Passagier habe sich vermutlich bereits vor dem Einschiffen infiziert. Insgesamt gibt es zwei durch Labortests bestätigte und fünf mutmaßliche Hantavirus-Fälle. Die WHO teilte mit, der Fokus liege nun auf der Evakuierung von zwei erkrankten Passagieren, damit das Schiff anschließend zu den Kanarischen Inseln weiterfahren könne. Das Risiko für die breite Öffentlichkeit bleibe gering.
Drei Todesfälle und ein kritischer Patient
Bisher starben drei Passagiere der „MV Hondius“, darunter ein deutscher Fahrgast. Ein schwer kranker Patient wird in Südafrika auf der Intensivstation behandelt, drei weitere haben leichtere Symptome und befinden sich weiterhin an Bord. Die Todesursache des deutschen Passagiers ist noch ungeklärt. Ein 70-jähriger Niederländer starb bereits am 11. April an Bord, seine 69-jährige Ehefrau später in Johannesburg. Bei ihr wurde das Virus im Blut nachgewiesen. Ein britischer Passagier liegt isoliert auf einer Intensivstation in Südafrika; Tests bestätigten eine Hantavirus-Infektion.
Experten: Außergewöhnliches Infektionsgeschehen
Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg bezeichnete den Ausbruch als „außergewöhnliches Infektionsgeschehen“. Hantaviren werden normalerweise von Nagern auf Menschen übertragen. „Der Mensch ist bei den meisten Hantaviren ein Fehl- beziehungsweise Endwirt, sodass keine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfindet“, erklärte Schmidt-Chanasit. Eine Ausnahme sei das südamerikanische Andes-Virus, bei dem eine Übertragung bei engem Kontakt beschrieben sei. Da das Schiff aus dem Süden Argentiniens kommt, sei dieses Szenario zu prüfen.
Virusvariante noch unklar
Welcher Hantavirus-Typ für den Ausbruch verantwortlich ist, haben die Behörden bisher nicht öffentlich benannt. Die WHO verweist auf laufende Labor- und epidemiologische Untersuchungen. Die ersten beiden betroffenen Passagiere reisten vor der Einschiffung durch Südamerika, auch durch Argentinien. „Das ist eine entscheidende epidemiologische Information, denn sie legt nahe, dass die Infektion in einer Hantavirus-Endemieregion erworben und an Bord gebracht wurde“, sagte Virologe Benjamin Brennan von der Universität Glasgow.
Ausbruch theoretisch gut eindämmbar
David Hayman, Experte für Infektionskrankheiten der Massey Universität in Neuseeland, kann die Sorgen verstehen: „Ich wäre selbst ungern auf diesem Schiff. Aber man geht davon aus, dass es sehr engen Kontakt benötigt, damit es überhaupt zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch kommt.“ Wenn viele Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff zusammen seien, erhöhe sich das Risiko. „Andererseits sollte sich der Ausbruch theoretisch relativ gut eindämmen lassen, weil diese Infektionen unter Menschen nicht besonders leicht übertragbar sind“, erklärte Hayman.
Reederei: Stimmung ruhig, Passagiere gefasst
Laut der Reederei Oceanwide Expeditions befinden sich aktuell rund 150 Passagiere und Crewmitglieder an Bord. „Die Stimmung bleibt ruhig, die Passagiere sind insgesamt gefasst“, teilte der Schiffsbetreiber mit. Man arbeite daran, die Menschen untersuchen zu lassen und von Bord zu bringen. Zudem werde erwogen, weiter zu den Kanaren zu fahren, etwa nach Las Palmas auf Gran Canaria oder nach Teneriffa, wo unter Aufsicht der WHO sowie der niederländischen Gesundheitsbehörden weitere medizinische Untersuchungen und Maßnahmen erfolgen könnten.



