Rattenplage in Gaza: Kinder im Schlaf gebissen
Rattenplage in Gaza: Kinder im Schlaf gebissen

Im Gazastreifen breitet sich eine Rattenplage in den überfüllten Zeltlagern aus. Hunderttausende Menschen leben unter katastrophalen Bedingungen, und nun häufen sich Berichte über nächtliche Attacken der Nagetiere. Anwohner berichten, dass Kinder im Schlaf gebissen werden.

Ratten greifen Familien in zerstörten Häusern an

Der 29-jährige Khalil Al-Mashharawi erzählt der Nachrichtenagentur Reuters von einer sich ausbreitenden Rattenplage im Gazastreifen. Er lebt mit seiner Familie in den Ruinen ihres im Krieg zerstörten Hauses im Norden des Küstenstreifens. Vor einigen Wochen biss eine Ratte seinen drei Jahre alten Sohn in die Hand und die Zehen. Er selbst wurde kürzlich ebenfalls attackiert. Nun schlafen seine Frau und er in Schichten, um ihre Kinder und einander vor den Nagetieren zu schützen.

WHO warnt vor Infektionen durch Nagetiere und Parasiten

Die ohnehin katastrophale humanitäre Lage wird durch die Verbreitung von Nagetieren und Parasiten weiter verschärft. Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es in über 80 Prozent der Zeltstädte und Notunterkünfte Hautinfektionen und Hautausschläge, darunter Krätze, Läuse und Bettwanzen. Reinhilde Van de Weerdt, lokale WHO-Vertreterin, berichtet von rund 17.000 Fällen von Infektionen durch Nagetiere und Ektoparasiten allein in diesem Jahr. Sie erklärt: „Zerstörte Gebäude und Berge von angesammeltem Müll haben ideale Brutstätten für Nagetiere und Schädlinge geschaffen. Dies ist die bedauerliche, aber vorhersehbare Konsequenz, wenn Menschen in einem völlig zerstörten Umfeld leben.“

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Humanitäre Krise verschärft sich trotz Waffenruhe

Im Oktober 2025 einigten sich Israel und die Hamas auf eine Waffenruhe, doch das Leiden der Palästinenser geht weiter. Schätzungen zufolge gibt es im dicht besiedelten Gazastreifen etwa zwei Millionen Binnenflüchtlinge. Ein Großteil lebt in notdürftigen Zeltstädten und provisorischen Unterkünften, die extrem überfüllt sind und kaum Schutz vor Kälte, Regen und Kampfhandlungen bieten. Zudem mangelt es an sauberem Trinkwasser. Israel verhängt Einfuhrbeschränkungen für Seife, Waschpulver und andere Hygieneartikel nach Gaza. Fast 70 Millionen Tonnen Schutt liegen im Gazastreifen und bieten ideale Bedingungen für Nagetiere.

Uno warnt vor mangelnder Schädlingsbekämpfung

In einem Uno-Bericht heißt es: „Der Mangel an Chemikalien für die Schädlings- und Rattenbekämpfung stellt nach wie vor ein entscheidendes Hindernis bei der Bewältigung des Problems dar.“ Es fehle auch an Mitteln für die Abfall- und Abwasserversorgung, da ein Großteil der Infrastruktur durch israelische Angriffe zerstört wurde. Die Uno warnt vor einem wachsenden Risiko für die öffentliche Gesundheit.

Mediziner erwartet Verschärfung im Sommer

Mohamed Abu Selmia, Leiter des größten Krankenhauses in Gaza, erwartet eine Verschärfung des Problems mit nahendem Sommer. Israel beschränke die Einfuhr von Materialien zur Schädlingsbekämpfung wie Rattengift, da diese sowohl militärisch als auch zivil genutzt werden könnten. „Jeden Tag registrieren Krankenhäuser Fälle von Patienten, die wegen Vorfällen im Zusammenhang mit Nagetieren aufgenommen werden, besonders unter Kindern, älteren Menschen und Kranken“, so Abu Selmia. Die Angst vor der Ausbreitung gefährlicher Krankheiten sei groß.

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