Nach mehr als 23 Jahren in der Schweiz ist Marei Oppermann nach Wernigerode zurückgekehrt. Die 45-Jährige erlebte im ersten Monat im Harz gleich mehrere Schocks bei Behörden und auf der Suche nach einem Arbeitsplatz.
Rückkehr aus der Schweiz für die Mutter
Die Entscheidung, ihre Wahlheimat am Vierwaldstättersee zu verlassen, fällte die Frau mit mehreren Berufsabschlüssen im Gesundheitswesen für ihre Mutter. Die inzwischen 81-Jährige erlitt 2024 einen Schlaganfall und brach sich dabei ein Bein, 2025 folgte eine Krebsdiagnose. „Da ist es schwierig, 800 Kilometer entfernt zu leben“, sagt Oppermann.
Komplizierte Jobsuche trotz Fachkräftemangels
Um sich um die Seniorin zu kümmern, kehrte sie dem Kanton Schwyz den Rücken. Erste Job-Bewerbungen für ihren Neuanfang im Harz verschickte sie noch von dort im Januar und Februar. „In Wernigerode und Umgebung gibt es viele offene Stellen für Sozialpädagogen, im Gesundheits- und Bildungsbereich. Ich dachte, wegen dieses Fachkräftemangels in Sachsen-Anhalt sollte das mit meinen Qualifikationen kein Problem werden.“
Oppermann machte nach eigenen Angaben in der Schweiz Abschlüsse als Pflegefachfrau, Kauffrau und Ausbilderin mit eidgenössischem Fachausweis – vergleichbar mit einem Meisterbrief – sowie als Coach, verfügt über Erfahrungen als Kinderkrankenschwester sowie in der Rehabilitation und Ausbildung von Jugendlichen. „Dennoch erhielt ich fast nur Absagen oder gar keine Antwort.“ Das Problem: Viele Berufe der Branche sind reglementiert, ihre Ausbildungen werden nicht ohne weiteres anerkannt.
Start im Mai trotz Hürden
So ist die Wernigeröderin glücklich, Mitte Mai in ihren Traumjob starten zu können – vorerst nur als Helferin, nicht als Fachpersonal mit entsprechend höherem Gehalt. „Ich freue mich trotzdem auf die Kinder und Jugendlichen, mit denen ich dann arbeite – egal, was ich verdiene“, sagt Oppermann.
Sie sei ihrem neuen Arbeitgeber dankbar, der sich um die Anerkennung ihrer Qualifikationen kümmere, und hofft auf das Okay des Landesjugendamtes dafür. Gleichzeitig fragt sich die Rückkehrerin: „Wie viele Fachkräfte kommen wegen der überbordenden Bürokratie nicht zum Zug?“
Verzweiflung in der Kfz-Zulassungsstelle
Die Bürokratie habe sie ebenfalls erlebt, als sie kurzfristig ihr neues Auto anmelden wollte. „Das benötigte ich für Fahrten zu Bewerbungsgesprächen, habe mir einen günstigen Gebrauchtwagen in Bad Harzburg besorgt.“ Der Verkäufer wusste nichts von den neuen Regeln in der Zulassungsstelle des Landkreises Harz: Ohne im Internet gebuchten Termin geht nichts mehr bei der Behörde am Dornbergsweg.
Eine Online-Zulassung sei nicht möglich gewesen, das nächste freie Zeitfenster im Vergabeportal erst in drei Wochen. „Telefonisch war ebenfalls kein Durchkommen“, ergänzt Oppermann. Sie buchte schließlich einen Termin für ein Kurzzeit-Kennzeichen noch am selben Tag. Dank der Kulanz der Bearbeiterin in ihrem Sonderfall habe sie sogar eine richtige Zulassung erhalten.
„Nach dreimaligem Besuch im Amt und Drama mit dem Sicherheitspersonal fühlte sich das an wie ein kleines Wunder.“ Das Fazit der Neu-Wernigeröderin: „Wenn du nicht fit im Internet bist, hast du keine Chance. Dabei hat Deutschland jahrzehntelang die Digitalisierung verschlafen.“



