Großer Tag für die Münchner Justiz: Das neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz ist endlich fertig. Ursprünglich sollte das Gebäude bereits 2020 bezogen werden, doch nun ist es so weit. Die AZ erhielt exklusive Einblicke in die hellen, modernen Räume.
Ein Meilenstein für die Justiz
Hausherr Hans-Joachim Heßler, Präsident des Oberlandesgerichts München, zeigt sich erfreut. „Es ist ein großer Tag für die Münchner Justiz“, erklärte er den versammelten Journalisten vor dem Einweihungsfest. Im AZ-Gespräch verriet er, dass er „stolz und glücklich“ sei. Die Führung überließ er jedoch Susanna Mayerle vom Staatlichen Bauamt und Gerichtssprecher Laurent Lafleur.
Modern, lichtdurchflutet und nachhaltig
Der erste Eindruck: Das neue Justizgebäude kommt lichtdurchflutet und modern daher. Nachhaltigkeit stand im Fokus, wie Mayerle betonte. Man habe fast Passivhausstandard erreicht. Geheizt wird mit Wasser und Wärmepumpen, auf dem Flachdach kommt Photovoltaik zum Einsatz. Die 54 Gerichtssäle tragen nicht nur Nummern, sondern auch die Namen bayerischer Städte wie Holzkirchen, Erding oder Kolbermoor – jeweils der größte des entsprechenden Amtsgerichtsbezirks.
Ein langer Weg mit Hindernissen
Der Weg bis zum 18. Mai 2026 war steinig. Es gab Pannen und Verzögerungen, etwa war die Einfahrt zur Garage für Gefangenentransporte zu knapp bemessen. Auch das Budget musste mehrfach angepasst werden. Baudirektorin Mayerle sieht jedoch keine unverhältnismäßigen Kosten: „Was an höheren Kosten angefallen ist, bewegt sich im Rahmen.“
Zahlen und Fakten
Das neue Zentrum bietet auf 39.000 Quadratmetern Nutzfläche Arbeitsplätze für 1300 Bedienstete der Strafabteilungen des Amtsgerichts, der Landgerichte München I und II sowie der Strafsenate des OLG München. Auch die Staatsanwaltschaften München I und II sind hier untergebracht. Es gibt 850 Büros, 54 Sitzungssäle, eine Kantine, Bibliothek, 38 Teeküchen, eine Cafeteria und einen Justizgarten im Hof. Alles ist öffentlich zugänglich nach einem Sicherheitscheck am Eingang. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 434 Millionen Euro.
Geschichte des Projekts
Der Beschluss zum Umzug fiel 2010, die Ausschreibung erfolgte 2013. Die Bauarbeiten begannen im August 2017. Eigentlich sollte das Haus 2020 bezogen werden, doch es dauerte sechs Jahre länger. Dank des kompakten Architektenentwurfs bleibt ein Drittel der Grundstücksfläche zunächst ungenutzt – Raum für zukünftige Entwicklungen.
Kurioses Detail
Gefangene in den Justizvollzugsanstalten Stadelheim und Amberg haben das Mobiliar für die Büros in Bayerns neuem Justizgebäude geschreinert. Ein besonderes Beispiel für Resozialisierung.
Bevorstehender Umzug und erster Praxistest
Der Umzug beginnt im Juni. 300.000 Kartons müssen bewegt werden – das entspricht 1500 Lkw-Ladungen. Der Umzug führt vom alten Strafjustizzentrum in der Nymphenburger Straße zum neuen Standort am Leonrodplatz. Die letzte Sitzung im alten Haus findet am 26. Juni statt. Die Premiere im neuen Gebäude wird am 6. Juli mit einem Staatsschutzverfahren gefeiert. Der Praxistest steht noch bevor, aber die Vorfreude ist groß.



