Wenige Tage vor dem wohl aufsehenerregendsten Gerichtsprozess des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern scheint die Sonne hell durch die beidseitigen Fensterfronten des großen Saals im Landgericht Rostock. Ab der kommenden Woche geht es hier in Saal 2.002 um eine brutale Tat: den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow.
Rund 150 Menschen können in den Saal
Das Schwurgericht des Landgerichts Rostock will den Fall aufklären und viele offene Fragen ins Licht bringen. Dann wird auch die Angeklagte in den Saal mit dem hellen Fischgrät-Parkett gebracht. Der Angeklagten Gina H. (30) wird vorgeworfen, am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus sonst niedrigen Beweggründen den zur Tatzeit achtjährigen Fabian aus Güstrow getötet zu haben. Sie sitzt in Untersuchungshaft.
Der Saal, in dem der Fall verhandelt wird, ist der größte des Gebäudes. Damit alles klappt, wurde sogar noch einmal gewerkelt. „Wir haben die Stuhlreihen hier im Großen Saal aufgestockt, weil wir ein großes öffentliches Interesse erwarten“, erklärt die stellvertretende Sprecherin des Landgerichts, Anne Kruse. 50 Presseplätze und 106 Stühle für die Öffentlichkeit seien vorgesehen.
Darum wurde neue Technik installiert
Auf der linken Seite vom Publikum werde die Angeklagte samt Verteidigung, auf der rechten Seite Staatsanwaltschaft und Nebenklage Platz nehmen. Auf der Richterbank werden drei Berufsrichter sowie zwei Schöffen sitzen. Justizbeamte werden den Prozess absichern. In den vergangenen Wochen ging es im Saal 2.002 aber nicht nur darum, Stühle zu rücken, sondern auch die Technik wurde erneuert. Denn in Mecklenburg-Vorpommern wird derzeit auf die elektronische Akte (eAkte) umgestellt. „Das Verfahren ist als elektronische Akte gekommen“, erklärt die Gerichtssprecherin. Ein Digitalisierungsprozess, der gerade im Land läuft. „Deswegen musste der Raum fit gemacht werden, damit hier auch gearbeitet werden und entsprechend vorgeführt werden kann“, so die Richterin.
Das ist nun im Saal neu
„Es wurden zwei neue Laser-Beamer installiert, damit man etwas sehen kann, wenn zum Beispiel Bilder vorgezeigt werden. Es wurden zwei Bildschirme angeschafft, damit die Öffentlichkeit auch informiert ist, was in Augenschein genommen wird und das nicht nur vorne auf der Richterbank zu sehen ist.“ Zudem sei eine neue Mediensteuerungsanlage installiert worden, damit alles bedient werden könne, so Kruse zu den Neuerungen. Rund um die Digitalisierung wäre die Erneuerung notwendig gewesen. Aber tatsächlich sei auch auf den Prozesstermin hingearbeitet worden. Es gebe zwar bereits einen Raum am Landgericht, der fit für die elektronische Akte sei, doch „der große Saal war es bislang noch nicht“. Das Justizministerium habe sich darum mit der technischen Erneuerung beeilt, damit dieser Prozess dort stattfinden könne. Insgesamt seien gut 99.600 Euro investiert worden.
Elektronische Akte bedeutet, „die Akte kommt tatsächlich nicht mehr in Papier, sondern bloß noch elektronisch hier an“, erklärt Kruse weiter. „Alle Vernehmungen, alles ist elektronisch gespeichert.“ Der Vorteil daran sei, dass alle parallel in der gleichen Akte arbeiten können – ohne dass Kopien angefertigt werden müssen. Es könne darin unter anderem auch gezielt gesucht werden.
Saal mit Vergangenheit und großes Interesse
Das Besondere an dem Fabian-Prozess sei aber auch das große öffentliche Interesse, das sich schon im Ermittlungsverfahren gezeigt habe. Neben den Pressevertretern, die sich akkreditieren mussten, gebe es auch Anfragen von Menschen, die als Öffentlichkeit dem Prozess beiwohnen wollen. Die fragen teilweise, ob Sitzplätze reserviert werden können. Es gebe ein „deutschlandweites Interesse“ daran, so die Sprecherin. Der Saal wie auch das gesamte denkmalgeschützte Gebäude in der August-Bebel-Straße: Noch vor der Wende war das ganze Gebäude von der Stasi als Hauptquartier genutzt worden, berichtet die Sprecherin. Zur Verwendung des Raumes erklärt sie: „Dieser große Saal war schon immer ein großer Saal. Früher gab es hier tatsächlich eine Bühne, Vorhänge und so eine Art Vorführraum war das.“ Prozessauftakt ist am 28. April um 9.30 Uhr. Bisher sind 17 Prozesstage angesetzt. Davon sollen 15 in dem großen Saal stattfinden.



