Juliane Kaufmann ist seit Dezember 2025 Kaufmännische Vorständin der Universitätsmedizin Rostock (UMR). Im Interview spricht sie über die Herausforderungen der Patientenversorgung unter Sparzwängen und Reformen.
Die UMR als Arbeitgeber
„Die UMR ist ein toller Standort und ich bin sehr froh, hier zu sein“, sagt Kaufmann. „Er zeichnet sich durch hohe medizinische Kompetenz, loyale, engagierte Mitarbeitende und eine starke regionale Verankerung aus.“ Gemeinsam mit ihren Vorstandskollegen möchte sie den Standort weiterentwickeln. Doch wie alle Krankenhäuser stehe die UMR vor großen Herausforderungen, die Innovationskraft, neue Technologien und kaufmännische Disziplin erfordern.
Kostendruck und Einflussfaktoren
Den Kostendruck könne die UMR nur bedingt beeinflussen. Inflation, Tarifentwicklung, Energiepreise und höhere Sachkosten seien externe Faktoren. In einem pauschalierten Vergütungssystem könne man nicht einfach die Preise anpassen, sondern müsse hoffen, dass sich die Kostensteigerungen mit Verzögerung im System widerspiegeln. „Der Kostendruck darf sich nicht auf den wertvollsten Faktor in unserem Haus auswirken: unser Personal“, betont die Vorständin.
Stattdessen setzt die UMR auf Digitalisierung und Prozessverbesserungen. „Kaufmännische Disziplin heißt, dass wir uns genau überlegen, wofür wir Geld ausgeben“, erklärt Kaufmann. Eine strategische Planung über den Jahreszyklus hinaus sei notwendig.
Effizienz statt Sparen
„Sparen ist für mich kein Selbstzweck“, sagt Kaufmann. Entscheidend sei die Frage, wofür heute Geld ausgegeben werde, damit es morgen zu Innovationen und Wachstum führe. Effektive Strukturen müssten erhalten bleiben, aber redundante Tätigkeiten sollten abgebaut werden. Dabei gelte es, Prozesse zu analysieren: Wo werden Wege doppelt gegangen? Warum dauert es lange, bis Patienten zum Röntgen abgeholt werden? Wird zu viel Essen gekocht und weggeworfen? Wie kann Müll reduziert und der CO2-Ausstoß gesenkt werden? „Es gibt so viele Möglichkeiten, Effizienzen zu heben, ohne auf einen einzigen Mitarbeiter verzichten zu müssen und ohne einen einzigen Patienten schlechter zu behandeln“, so Kaufmann. Im Gegenteil, durch effizientere Strukturen könnten noch mehr Patienten versorgt werden.
Bürokratieabbau und Digitalisierung
Ein weiterer wichtiger Punkt sei der Bürokratieabbau. „Eine Pflegekraft oder ein Arzt, die sich mit Dokumentation beschäftigen, haben keine Zeit, bei den Patienten zu sein“, kritisiert Kaufmann. Digitalisierung müsse neu gedacht und mit KI kombiniert werden – in der Patientenversorgung ebenso wie in der Verwaltung. Automatisierung und Prozesseffizienz stünden im Fokus, von der Datenerhebung über die elektronische Patientenakte bis hin zur Frage, wie Befunde datensicher weitergegeben werden können. „Wenn wir jeden unserer 6000 Mitarbeitenden um eine Stunde pro Monat entlasten könnten, wäre das ein ungeheures Potenzial“, rechnet sie vor.
Auswirkungen auf Arbeitsplätze
Auf die Frage, ob dies Jobs kosten werde, antwortet Kaufmann klar: „KI wird keine Jobs kosten.“ Zwar werde sich die Art der Arbeit verändern, doch angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel könne man nicht gleichzeitig über Personalknappheit klagen und Digitalisierung als Jobkiller bezeichnen. „Unsere Mitarbeiter sind unser Erfolgsfaktor“, betont sie. Sie seien hohen Belastungen ausgesetzt und verdienten angemessene Bezahlung sowie Arbeitsbedingungen, die wert- und sinnstiftendes Arbeiten ermöglichen.
Trägerschaft des Landes
Die Trägerschaft durch das Land Mecklenburg-Vorpommern befreie die UMR nicht von der Aufgabe, nachhaltig zu wirtschaften. Zwar gebe es für bestimmte Bereiche eine Absicherung, doch als Maximalversorger habe die Klinik auch Aufgaben, die einer zusätzlichen Finanzierung bedürften – etwa die Versorgung bei seltenen Erkrankungen oder in unterfinanzierten Bereichen. Forschung, Lehre und die Ausbildung von jungen Ärztinnen und Ärzten sowie Fachpersonal seien zentrale Aufgaben.



