Warkens Sparhammer: Droht 156 Kieferorthopäden in Berlin das Aus?
Warkens Sparhammer: Droht 156 Kieferorthopäden das Aus?

Warkens Sparhammer: 156 Kieferorthopäden in Berlin vor dem Aus?

Das von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geplante Sparpaket könnte massive negative Folgen für Kinder und Jugendliche haben. Bis zu 100.000 Heranwachsende in Berlin und Brandenburg sowie bis zu einer Million bundesweit wären betroffen, falls der sogenannte Facharztvorbehalt für Kieferorthopäden kommt. Dieser ist im neuen Beitragssatzstabilisierungsgesetz für die gesetzlichen Krankenkassen vorgesehen.

Der Referentenentwurf sieht vor, dass Vertragszahnärzte, die keine Anerkennung als Fachzahnarzt für Kieferorthopädie besitzen, keine kieferorthopädischen Behandlungen mehr durchführen dürfen. In Berlin haben von 4416 Zahnärzten ganze 4343 keine solche Anerkennung. Die Präsidentin der Zahnärztekammer Berlin, Dr. Bianca Göpner-Fleige, betont gegenüber BILD: „Kieferorthopädie ist Inhalt des Zahnmedizin-Studiums. Jeder approbierte Zahnarzt ist dazu berechtigt, kieferorthopädisch zu behandeln.“

Aktuell gibt es in Berlin 229 niedergelassene Kieferorthopäden, von denen 73 den Titel Fachzahnarzt für Kieferorthopädie führen – erworben durch eine einjährige klinische Weiterbildung. Die restlichen 156 Kieferorthopäden erfüllen die neue Anforderung nicht, darunter 65 mit einem international anerkannten Master of Science. Eine von ihnen ist Dr. Juliane Maron (42), die seit 15 Jahren in Neukölln praktiziert und pro Quartal 350 Kinder und Jugendliche behandelt. Sie entschied sich aufgrund langer Wartezeiten für ein Klinikpraktikum für den Masterabschluss neben dem Beruf. Nun droht ihr die Schließung der Praxis.

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„Man spricht uns die Kompetenz ab“, ärgert sich Maron. Noch mehr sorgt sie sich um ihre Patienten. Viele Kollegen würden wieder als normale Zahnärzte arbeiten oder ihre Praxen aufgeben müssen. Die verbleibenden 73 Fach-Kieferorthopäden müssten dann die Kassenpatienten der geschlossenen Praxen mitversorgen – in Brandenburg müssten 33 Fachärzte die Arbeit von 82 stillgelegten Kollegen übernehmen. Für Privatversicherte gilt das Gesetz nicht.

Die Folgen wären lange Wartezeiten oder gar keine Behandlungsplätze. „Behandlungen würden verschleppt oder fänden gar nicht statt“, befürchtet Maron. „Soziale Unterschiede würde man wieder an den Zähnen sehen.“ Denn zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen erhalten heutzutage eine kieferorthopädische Behandlung.

Dr. Bianca Göpner-Fleige warnt: Die geplante Regelung geht zulasten der Versicherten und gefährdet die flächendeckende Versorgung – besonders für sozial schwächere Patienten. Zahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Vereinigung fordern von Warken die Rücknahme dieser „nicht zu Ende gedachten“ Regelung.

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