Kunstgießerei in Bayern: Ein Traditionshandwerk stirbt langsam aus
Kunstgießerei in Bayern: Ein Handwerk stirbt aus

In der Schubkarre liegen Körperteile: Arme, ein Hinterteil mit Beinen, Babyfüße und Schwangerenbäuche. Es sind Rohgüsse aus Bronze, die noch bearbeitet werden müssen. In der Werkstatt von Thomas Bauer in Wörth im Landkreis Regensburg steht auch der Kopf von Franz Josef Strauß. „Der schaut uns bei der Arbeit zu“, sagt der 38-jährige Metall- und Glockengießermeister und lacht.

Ein Handwerk aus der Bronzezeit

Thomas Bauer betreibt eine Kunstgießerei im Gewerbegebiet „Im Haslet“. Gegründet wurde sie 1992 von seinem Vater Max Bauer, der im vergangenen Jahr verstarb. 2018 übernahm Thomas Bauer den Betrieb. Er setzt um, was Künstler im Kopf haben: Figuren aus Bronze, Zink, Messing oder Aluminium. Auch technische Stücke wie Ersatzteile für Fahrzeuge oder Fassadenverkleidungen verlassen seine Werkstatt. „Unikate, die man sonst nirgendwo herbekommt“, sagt Bauer.

Der Gussprozess: 1000 Grad heiße Bronze

Bauer verwendet zwei Verfahren: das Wachsausschmelzverfahren für komplizierte Stücke und das Sandformverfahren für einfachere. Beim Gießen ist die flüssige Bronze etwa 1000 Grad heiß. „Die Strahlungswärme spürt man noch aus drei Metern Entfernung“, erklärt Bauer. Mit einer Pfanne, die wie eine riesige Suppenkelle aussieht, schöpft er die Bronze. Er trägt Handschuhe und ein Visier. Beim Gießen herrscht höchste Konzentration, denn Unfälle können schwere Verbrennungen verursachen.

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Nachwuchsmangel bedroht das Handwerk

„Es werden kontinuierlich weniger“, sagt Bauer über die Zahl der Gießereien. In Nürnberg habe eine aufgehört, weshalb nun Aufträge von dort bei ihm landen. Der Nachwuchsmangel ist enorm: „Nur eine Berufsschulklasse gibt es in Deutschland, wenn überhaupt.“ Der Beruf sei im Wandel. Früher kamen viele Aufträge von Ämtern für ländliche Entwicklung oder von Kirchen. Heute sind es vor allem Künstler. „Der Markt ist nicht groß, aber es gibt nicht viele Gießer“, so Bauer. Seine Kundschaft kommt aus ganz Deutschland, Österreich, Tschechien und der Schweiz.

Ein Unikat, das überdauert

Auf sein Meisterstück ist Bauer besonders stolz: eine verwinkelte Skulptur mit zwei ineinander verschlungenen Körpern. Die filigranen Arme waren eine besondere Herausforderung. Bronzegüsse haben einen Vorteil: „Das überdauert uns alle“, sagt Bauer. Immer noch würden Schwerter aus der Bronzezeit gefunden. Sein Beruf sei im Grundprinzip seit damals gleich geblieben, auch wenn Feinheiten verbessert wurden.

In seiner Freizeit wird Bauer selbst kreativ: Er bastelt Briefbeschwerer in Form von Hecht und Karpfen – eine Anspielung auf seine Angelleidenschaft. Die Zukunft seines Handwerks sieht er trotzdem kritisch. „Es werden kontinuierlich weniger“, wiederholt er. Doch solange es Künstler gibt, die ihre Ideen in Bronze gießen lassen wollen, wird Thomas Bauer weitermachen.

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