Intensivmediziner warnt: Drei lebensrettende Warnzeichen einer Sepsis erkennen
Wer plötzlich verwirrt ist, schnell atmet und einen sehr niedrigen Blutdruck aufweist, könnte eine lebensbedrohliche Sepsis entwickeln – und benötigt sofortige medizinische Behandlung. Intensivmediziner Prof. Michael Bauer betont mit Nachdruck: „Diese drei Leitsymptome sollte jeder kennen.“
Eine tückische Fehlreaktion des Körpers
Sepsis, umgangssprachlich auch als Blutvergiftung bekannt, stellt eine lebensgefährliche Überreaktion des Immunsystems auf eine Infektion dar. Das Gefährliche daran: Viele Patienten erreichen die Klinik laut Bauer viel zu spät. „Häufig sehen wir die Patienten erst, wenn bereits ein Organversagen eingetreten ist.“ In diesem Stadium setze ein verhängnisvoller „Dominoeffekt“ ein, der oft tödlich endet, erklärt der Klinikdirektor an der Uniklinik Jena und Vorstandsmitglied des Zentrums für Sepsis und Sepsisfolgen. Der erfahrene Mediziner hat in seiner Karriere über 4.000 Sepsis-Fälle behandelt, durchschnittlich mehr als 400 pro Jahr.
Die drei entscheidenden Warnzeichen
Besonders wichtig sind bei einer Sepsis laut Bauer drei eindeutige Leitsymptome:
- Akute Wesensveränderung (plötzliche Verwirrtheit oder Desorientierung)
- Atemnot (mehr als 20 Atemzüge pro Minute)
- Niedriger Blutdruck (systolischer Wert unter 100 mmHg)
Vor allem eine plötzlich auftretende Verwirrtheit werde häufig falsch interpretiert oder bagatellisiert. Dabei gilt die klare Regel: Im Zweifel sofort handeln. Weitere Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost oder extreme Schwäche können zusätzlich auftreten. Entscheidend ist laut Bauer, dass sich der Gesundheitszustand rapide verschlechtert.
Eine unterschätzte Gefahr mit dramatischen Zahlen
Viele Menschen sind sich nicht bewusst, wie dringend die Situation bei einer Sepsis ist. „Es gibt hier eine große Grauzone“, sagt Bauer zu den Fallzahlen. Schätzungen gehen von bis zu 300.000 Erkrankten jährlich in Deutschland aus. Etwa 85.000 Patienten sterben jährlich an einer Sepsis auf deutschen Intensivstationen – eine erschreckend hohe Zahl.
Ein weit verbreiteter Irrtum betrifft den sogenannten „roten Strich“ auf der Haut, der oft fälschlicherweise als eindeutiges Zeichen einer Blutvergiftung angesehen wird. Laut Bauer steckt dahinter meist eine andere Entzündung – nicht die typische Sepsis.
Warum jede Minute zählt
Sobald Organe von der Sepsis betroffen sind, wird die Situation kritisch. „Man muss sich das wie fallende Dominosteine vorstellen“, erklärt Bauer bildhaft. Bleibt der Kreislauf zu lange instabil, verschlechtert sich der Zustand des Patienten innerhalb kürzester Zeit dramatisch.
Deshalb beginnt die Behandlung einer Sepsis sofort, oft innerhalb der ersten Stunde nach der Diagnose. Entscheidend ist, wie früh reagiert wird – denn davon hängt die Überlebenschance der Betroffenen maßgeblich ab. Eine schnelle Erkennung der drei Warnzeichen kann daher lebensrettend sein.



