Sophia Flörsch im Interview: Neue Aufgabe bei Opel in der Formel E
Sophia Flörsch: Neue Aufgabe bei Opel in der Formel E

Sophia Flörsch startet neues Abenteuer bei Opel in der Formel E

Die 25-jährige Rennfahrerin Sophia Flörsch, bekannt aus der DTM und mit über 800.000 Followern auf Instagram, hat einen Vertrag als Test- und Entwicklungsfahrerin beim neuen Formel-E-Team von Opel unterschrieben. Das Unternehmen aus Rüsselsheim steigt in der kommenden Saison mit dem Gen4-Auto als Herstellerteam in die vollelektrische Rennserie ein. Vor dem Double-Header der Formel E in Berlin (2./3. Mai, Qualifyings um 11:40 Uhr, Rennen um 16:00 Uhr, live bei DF1, auf BILD.de und SPORTBILD.de) spricht Flörsch im BILD-Interview über ihre neue Aufgabe, Frauen im Motorsport und ihre Vorbildrolle.

Erste Fahrt im neuen Formel-E-Wagen

BILD: Frau Flörsch, Sie durften in Le Castellet den neuen Formel-E-Wagen von Opel fahren und vorstellen. Wie hat sich das angefühlt?

Sophia Flörsch: Ich saß zum ersten Mal in dem neuen Auto und bin einige Runden gefahren. Das war ein tolles Gefühl. In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder in die Formel E hineingeschnuppert, im Simulator, aber noch nicht auf der Rennstrecke. Und das Gen4-Auto ist wirklich krass.

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BILD: Können Sie das Gefühl beschreiben?

Flörsch: Ich bin schon viele Rennautos gefahren. Aber dieses hat über 800 PS, Allradantrieb und ist voll elektrisch – bei der Beschleunigung wird man komplett in den Sitz gedrückt, als wäre man in einem Düsenjet. Selbst in der Formel 1 hat man immer eine kleine Verzögerung, hier nicht.

Formel E: Die härteste Rennserie

SPORT BILD: Wird die Formel E dadurch noch attraktiver für die Zuschauer?

Flörsch: Definitiv! Die Formel E war schon immer sehr spannend, was Aktionen und Renngeschehen angeht. Durch die Stadtkurse und die enge Meisterschaft. Für die Fans wird es noch spektakulärer, denn höhere Geschwindigkeit bedeutet noch mehr Action.

BILD: Sie waren bereits in anderen Rennserien erfolgreich. Warum jetzt die Formel E?

Flörsch: Ich mache Rennsport seit über 20 Jahren. Man schaut als junger Fahrer von Jahr zu Jahr, welche Möglichkeiten es gibt und wohin sich der Sport entwickelt. Klar ist die Formel 1 für viele das Ziel. Aber ich bin offen: Die Formel E hat sich in den letzten zwei, drei Jahren auf Hersteller- und Fahrerniveau zur härtesten Rennserie entwickelt. Für mich ist es ein toller Schritt, mit Opel diese Partnerschaft einzugehen und in eine Weltmeisterschaft einzusteigen.

Ziele: Stammfahrerin werden

BILD: Wollen Sie einen Platz als Stammfahrerin? Oder ist es ein Sprungbrett zur Formel 1?

Flörsch: Aktuell bin ich glücklich, wo ich bin. Ich bin ein treuer Mensch, und wenn die Zusammenarbeit gut klappt: Warum nicht Formel E? Mein Ziel ist es natürlich, Stammfahrerin zu werden. Das weiß auch Opel. Aber wie immer im Sport muss die Leistung passen.

Vorbild für junge Mädchen

BILD: Sie sagten kürzlich, Motorsport sei nach wie vor Machosport. Unterscheidet sich die Formel E von anderen Serien?

Flörsch: Der Sport ist männergeprägt. Vor allem die Formel 1 wirkt in manchen Aspekten noch alt eingesessen. Die Formel E versucht, sich jünger zu positionieren und moderner zu sein. Deshalb sind Hersteller offener. Unterm Strich muss man performen. Bei Rookie-Tests, wenn Männer und Frauen gegeneinander fahren, ist das Geschlecht egal – Hauptsache, ich bin vorne dabei.

BILD: Was halten Sie von den jährlichen Frauen-Tests der Formel E?

Flörsch: Ich habe mich früher gegen reine Frauen-Rennen gewehrt. Wir sind alle Sportler, warum so ein Ding daraus machen? Aber es gehört zu meiner neuen Aufgabe, und ich sehe es als zusätzliche Entwicklungsfahrt.

Ritual und Social Media

BILD: Sie haben über 800.000 Follower auf Instagram. Sehen Sie sich als Idol für die nächste Generation?

Flörsch: Mich selbst als Vorbild zu bezeichnen, fühlt sich komisch an – ich sage lieber, ich bin wie eine große Schwester. Wenn Mädchen sehen, dass eine Frau in diesem Sport Erfolg hat, inspiriert sie das. Auch Eltern sehen, dass Motorsport eine Option ist. Deshalb habe ich vor Jahren Social Media angefangen: um zu zeigen, dass der Sport sich verändert. Dass ich auch mit gemachten Nägeln erfolgreich sein kann. Und dass es kein reiner Männersport sein muss.

BILD: Haben Sie das Gefühl, etwas zu bewirken?

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Flörsch: Als ich DTM gefahren bin, kamen so viele junge Mädchen auf mich zu und weinten – da kamen mir auch die Tränen. Sie waren so begeistert. Das erwärmt einem das Herz. Ich bin gespannt, wie es sein wird, wenn ich nächstes Jahr in Berlin bei der Formel E dabei bin.

BILD: Wie sind die Reaktionen auf Social Media? Bekommen Sie Hass-Nachrichten?

Flörsch: Direkte Nachrichten bekomme ich keine. Da haben Leute nicht den Mut. Ins Gesicht sagen würde es mir keiner. Unter meinen Bildern gibt es aber immer wieder Kommentare und Diskussionen.

BILD: Wie gehen Sie damit um?

Flörsch: Es gibt Phasen, da beschäftigt mich das. Ich bin auch nur Mensch. Das Wichtigste ist, an sich selbst zu glauben und die richtigen Leute um sich zu haben. Familie und Freunde, die einen unterstützen. Am Schluss drehe ich den Spieß um und beweise es den Kritikern erst recht. Auf der Couch liegen und Hate-Kommentare schreiben kann jeder. Aber das, was ich mache, kann nicht jeder.

BILD: Haben Sie ein Ritual, bevor Sie ins Auto steigen?

Flörsch: Ich muss immer meinen rechten Handschuh vor dem linken anziehen. In Formelautos steige ich immer von rechts ein, sonst läuft es nicht. Außerdem muss ich an Renntagen morgens meine Haare waschen – das dauert mit langen Haaren etwas (lacht).