Warum Timmy der Wal nicht einfach erlöst wird: Experte klärt auf
Warum Timmy der Wal nicht erlöst wird

Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) – Der Kampf des Buckelwals Timmy ums Überleben geht weiter. Seit Tagen liegt das Tier in der Wismarer Bucht vor der Insel Poel fest, und alle bisherigen Rettungsversuche sind gescheitert. Viele Menschen fragen sich: Warum wird der Wal nicht einfach von seinen Qualen erlöst?

Ethische Frage der Sterbehilfe

Biologe Fabian Ritter erklärte gegenüber BILD, dass dies eine schwierige ethische Frage sei. Grundsätzlich gebe es drei Methoden, um einen Wal zu töten: eine Giftspritze mit einer hohen Dosis einer toxischen Substanz, das Zerstören des Gehirns mit einer Schusswaffe oder der Einsatz von Sprengstoff. Jede dieser Methoden birgt jedoch erhebliche Risiken.

Risiken der Methoden

Das verabreichte Gift könnte eine Gefahr für die Umwelt darstellen, da es ins Wasser gelangen und andere Tiere schädigen könnte. Auch das Erschießen des Wals sei problematisch: „Wer will schon vor laufenden Kameras auf einen Wal steigen und auf ihn schießen?“, fragte Ritter. Wenn der Schuss nicht sofort tödlich sei, entstehe eine heikle Situation. Der Einsatz von Sprengstoff wiederum sei ebenfalls riskant und könnte den Wal unnötig quälen.

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Experten lehnen Sterbehilfe ab

Mehrere Institutionen, darunter das Meeresmuseum, das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) sowie die Organisationen Sea Shepherd und Greenpeace, lehnen eine Sterbehilfe für Timmy ab. Der Wal sei schlichtweg zu groß. Eine Studie der US-Organisation NOAA aus dem Jahr 2016 zeigt, dass alle Methoden nicht nur Risiken für den Wal, sondern auch für die beteiligten Menschen bergen. Entscheidend sei zudem die Lage des Tieres: Ideal wäre es, wenn der Wal komplett an Land liegt oder das Wasser um ihn nicht höher als knietief ist. Derzeit ist das Wasser um Timmy jedoch mindestens hüfthoch.

Wie Timmy die Situation wahrnimmt

Darüber, wie Timmy die aktuelle Lage empfindet, kann nur spekuliert werden. Ritter vermutet, dass der Wal die Vorgänge mit Verwunderung, Verzweiflung und wohl auch Angst wahrnimmt. „Er nimmt alle Aktivitäten wahr. Ich denke auch: Er spürt, dass niemand es böse mit ihm meint. Wenn er sprechen könnte, würde er vielleicht sagen: Bitte lasst mich in Ruhe. Ich möchte einfach zu Kräften kommen“, so Ritter im Interview.

Plädoyer für einen würdevollen Tod

Ritter selbst plädiert dafür, den Wal in Würde sterben zu lassen – auch wenn es schwer falle, dies mit anzusehen. „Aber wer will schon vor laufenden Kameras auf einen Wal steigen und auf ihn schießen?“, wiederholte er seine Bedenken. Die Rettungskräfte stehen vor einem Dilemma: Einerseits wollen sie das Tier nicht unnötig leiden lassen, andererseits sind die Risiken einer Tötung zu hoch. So bleibt Timmy vorerst in der Bucht, und die Experten hoffen auf eine natürliche Lösung.

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