3400 Euro Rente reichen nicht: Pflegekosten fressen Erspartes auf
3400 Euro Rente: Pflegekosten fressen Erspartes auf

Elvira M.* (Name bekannt, auf Wunsch geändert) hat die 80 längst hinter sich gelassen. Trotz ihres Alters ist die Uckermärkerin aber noch fit. Anders als ihr Mann, den sie schweren Herzens hat ins Pflegeheim geben müssen. „Ich habe mich lange gesträubt, das zu tun. Schließlich hatten wir uns vor über 50 Jahren mal geschworen, immer beieinanderzubleiben – in guten wie in schlechten Tagen“, sagt die Rentnerin, „aber irgendwann war ich aufgrund seiner fortschreitenden Demenz schlichtweg überfordert.“

Auf Wunsch der Söhne reagiert

Söhne und Schwiegertöchter seien es dann gewesen, die eindringlich appelliert hätten, dass sie auch an sich selbst denken müsse, stellt die zweifache Mutter heraus. „Mama, du hattest selbst schon einen Schlaganfall, haben sie gesagt, das kann doch jederzeit wieder passieren“, erinnert sich die pensionierte Finanzökonomin an die aufwühlenden Gespräche in dieser Situation zurück.

Über drei Jahre lebt ihr geliebter Heinz* nun schon woanders. „Na ja, aber nicht ganz so weit entfernt“, betont sie lachend: „Von meiner Wohnung aus kann ich fast in sein Zimmer schauen.“ Es vergehe kein Tag, an dem sie ihm keinen Besuch abstattet. „Oft schleppe ich leider aber die Sorgen mit.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

3400 Euro Rente reichen nicht

Vor 20 Jahren noch hätten sie gedacht, dass mit ihren beiden Bezügen im Alter ein gutes Auskommen sei, schildert Elvira M. das Dilemma: „Wir haben uns so auf die Rente gefreut. Wer hat denn ahnen können, dass es mal anders kommt?“ Ihre monatlichen Einkünfte von zusammen knapp 3400 Euro gehen komplett für den Eigenanteil im Heim sowie ihre Miete drauf, rechnet die fünffache Oma vor: „Seit es im April eine Erhöhung für seine Pflege gab, reicht dieses Geld nicht einmal mehr.“

1900 Euro gibt die Pflegekasse zu

Sicher, der Platz sei eigentlich noch viel teurer, räumt sie ein: „Er hat jetzt Pflegegrad 4, da liegen wir bei 4700 Euro monatlich, die Pflegekasse gibt 1900 Euro dazu, der Entlastungsbeitrag nach SGB XI Paragraf 43 c macht aktuell 246 Euro aus. Aber selbst da will die Politik nun wohl rangehen, habe ich der Zeitung entnehmen müssen.“ Strenggenommen sei fast alles, was sie in den Medien höre, dazu angetan, ihre Sorgen zu verstärken, sagt die Seniorin. „Es ist eine Schande: Wir haben unser Leben lang gearbeitet, mussten dann mit Abzügen in Rente gehen, weil die Betriebe uns nicht mehr wollten, und stehen nun mit dem Rücken zur Wand.“ Monat für Monat schmelze ihr Sparguthaben um die Ausgaben, die sie selbst neben der Miete noch habe, führt die Mittachtzigerin weiter aus: „Lebensmittel, Versicherungen, Sprit ... Dafür gehen hunderte Euro im Monat drauf.“

Aufschrei der Menschen vermisst

Manchmal überlege sie schon, ob sie sich noch Konzertkarten leisten wolle: „Aber wenn ich sehe, wie mein Mann mit leuchtenden Augen in seinem Rollstuhl sitzt, wenn er die Musik hört, weiß ich, dass das immer noch drin sein muss.“

An die Öffentlichkeit gegangen ist die Seniorin, weil sie den Aufschrei in der Bevölkerung vermisst, vor allem bei den Menschen ihrer Generation: „Aber ich weiß schon, warum die ruhig bleiben: Die jungen Leute machen uns ja lautstark für die finanzielle Schieflage verantwortlich, dabei waren doch wir es, die den Wohlstand mit aufgebaut haben. Ganz ehrlich: Da ging es in der DDR gerechter zu. Da hat niemand Angst gehabt, im Alter zu verarmen.“

Fast 200.000 Euro im Jahr nötig?

Elvira M. ist überzeugt, dass das Land viel besser dastände, wenn gewisse Kreise maßhalten würden: „Muss so ein Krankenkassenvorstand fast 200.000 Euro im Jahr verdienen – Bonis noch obendrauf? Und brauchen wir fast hundert Krankenkassen? Ist es gerecht, dass Beamte nicht einzahlen müssen, und fair, dass Politiker sich Jahr für Jahr die Bezüge erhöhen? Kann denn niemand mal mit gesundem Menschenverstand das System auf den Prüfstand stellen? Also ich wüsste, wo man einsparen kann, damit es in der Gesellschaft wieder gerechter zugeht.“

Elvira M. bestätigt, dass man ihr im Pflegestützpunkt natürlich gesagt habe, dass sie zum Sozialamt gehen könnte: „Aber das werde ich auf keinen Fall tun. Ich will nicht auf staatliche Leistungen angewiesen sein. Da haben wir unseren Stolz.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration