Jarmen: Annastift erwacht zu neuem Leben - Vom Leerstand zum Mehrgenerationenhaus
Jarmen: Annastift wird zum Mehrgenerationenhaus revitalisiert

Historisches Annastift in Jarmen erwacht zu neuem Leben

Das repräsentative Gebäude in der Lindenstraße 15, das jahrelang leer stand, wird schrittweise wiederbelebt und zu einem modernen Mehrgenerationenhaus umgestaltet. Den Anfang machte diese Woche eine Gemeinschaftspraxis von Hausärztinnen, die ihr neues Domizil in den frisch sanierten Räumen bezogen hat.

Gemeinschaftspraxis als Pionier der Wiederbelebung

Die Gemeinschaftspraxis von Dr. med. Sarah Gerwien und Nora Späte hat als erste Einrichtung das revitalisierte Annastift bezogen. Unterstützt werden die beiden Ärztinnen von ihrer erfahrenen Kollegin Dr. med. Angelika Peters, die seit Jahrzehnten als Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin in der Region bekannt ist. Die Praxis war zuvor in beengten Räumlichkeiten über der Apotheke untergebracht und kämpfte mit Platzproblemen.

Jetzt stehen den Medizinerinnen und ihrem Team auf rund 250 Quadratmetern im Erdgeschoss weitläufige Räume zur Verfügung, die speziell auf die Bedürfnisse einer modernen Arztpraxis zugeschnitten sind. Die neuen Räumlichkeiten bieten:

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  • Getrennte Wartebereiche für Infekt- und Nichtinfektpatienten
  • Helle und freundliche Behandlungszimmer
  • Spielbereiche für jüngere Patienten
  • Zwei moderne Labore
  • Barrierefreien Zugang
  • Gemeinschaftszimmer für das Personal

Weitere Einrichtungen folgen im März

Die Ärztinnen sind nur die ersten Pioniere der Wiederbesiedlung. Gleich nebenan soll noch in diesem Monat eine Tagespflegeeinrichtung eröffnen, die für den 12. März einen Tag der offenen Tür von 10 bis 16 Uhr angekündigt hat. Sowohl die Gemeinschaftspraxis als auch die Tagespflege behalten den im Volksmund gängigen Namen „Annastift“ bei – die Praxis hat sogar ein eigenes Logo entwickeln lassen, das die charakteristische Frontansicht des Gebäudes zeigt.

Historisches Gebäude mit bewegter Vergangenheit

Das markante Gebäude wurde 1923/24 an der damaligen Sobeckstraße als Sitz für den „Jarmener landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsverein“ errichtet. Mit seinen hohen Geschossdecken, einem großen Saal und der repräsentativen Auffahrt zum Haupteingang überragt es sogar das Jarmener Rathaus an Präsenz. Die bewegte Geschichte des Hauses umfasst:

  1. Nutzung in den 1940er-Jahren als Schlafstätte für Sowjetsoldaten, Bank, Waisenunterkunft und Seuchenkrankenhaus
  2. Überführung in staatliches Eigentum nach dem Zweiten Weltkrieg
  3. Umwandlung zu einem DDR-Landambulatorium mit bis zu 130 Beschäftigten
  4. Entbindungen bis Mitte der 1960er-Jahre
  5. Übernahme durch den Pommerschen Diakonieverein nach der Wende
  6. Eröffnung als Alten- und Pflegeheim „Annastift“ 1994

Der Name „Annastift“ ehrt zwei im Ort für ihr soziales Engagement sehr verehrte Frauen: Diakonisse Anna Behrend (1894–1970) und Kirchendienerin Anna Dick (1893–1985).

Millionsanierung nach überraschender Schließung

Die überraschende Schließung des Alten- und Pflegeheims im September 2023 war ein Schock für die Stadt Jarmen. Doch bereits im folgenden Jahr kündigte der Diakonieverein eine umfassende Sanierung und Neukonzeption an. „Von einem siebenstelligen Betrag an Investitionen war die Rede und einer künftig alle Generationen übergreifenden Verwendung“, berichtet Pressesprecherin Manuela Röthke.

Das gesamte Jahr 2025 über liefen umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten, bei denen auch die große Auffahrt neu gestaltet wurde. Mittlerweile sind die meisten Arbeiten abgeschlossen, Restleistungen und notwendige Abnahmen finden vor allem noch in den beiden oberen Etagen statt.

Komplettes Mehrgenerationenkonzept

Im ersten Obergeschoss entsteht eine Senioren-Wohngemeinschaft mit zehn Mietplätzen, bei der jeder Wohnraum über ein eigenes Badezimmer verfügt und durch einen gemeinschaftlichen Wohnbereich ergänzt wird. Die pflegerische Versorgung erfolgt nach individuellem Bedarf.

Im zweiten Obergeschoss halten junge Leute Einzug: Acht Apartments für Jugendliche im Rahmen eines betreuten Wohnens, das unter der Trägerschaft der Norddeutschen Gesellschaft für Bildung und Soziales gGmbH (NBS) läuft – einer Tochtergesellschaft des Diakonievereins.

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Die offizielle Eröffnung des komplett revitalisierten Annastifts ist für den 27. März geplant. An diesem Tag besteht für Interessierte die Möglichkeit, sich vor Ort über das neue Mehrgenerationenkonzept zu informieren und das Gebäude zu besichtigen. Damit schließt sich der Kreis eines Gebäudes, das von noblem Firmensitz über DDR-Landambulatorium und Altenheim nun zu einem modernen Ort des Zusammenlebens aller Generationen wird.